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Udo Rudolph von der TU Chemnitz spricht zum Auftakt der Veranstaltungsreihe über Gewaltprävention.

Foto: Andreas WohlandBild 1 / 2

Wie Zwickau friedlicher werden soll

Fühlen sich die Bürger in der Muldestadt nicht mehr sicher - und wie kann man gegensteuern? Die Frage stand im Mittelpunkt des gestrigen Auftakts der Demokratietage.

Von Michael Stellner
erschienen am 17.04.2018

Zwickau. Sie hätte nichts gegen Videoüberwachung im Muldeparadies, sagt eine Zwickauerin im Film, der zu Beginn über die Leinwand läuft. "Das würd' mich nicht stören. Wenn ich da lang geh', hab' ich ja nichts zu verstecken." Das Gesicht der Frau ist auf Video aber nicht zu sehen. Sie wollte sich nicht filmen lassen.

Es ist nur eine Skurrilität am Rande des Auftakts zu den 16. Tagen der Demokratie und Toleranz in der Region Zwickau, aber eine, die viel aussagt über die diffuse Gefühlslage. Den Film, in dem die Frau anonym zu Wort kommt, hat das Zwickauer Jugendbuffett vor einigen Tagen im Stadtgebiet gedreht. Er besteht aus einer Reihe von Straßeninterviews, in denen die jungen Leute Passanten nach ihrer Haltung zu Sicherheit, Kriminalität und Zukunft befragt haben. Manche ließen sich filmen, andere wollten anonym bleiben, aber alle wollten etwas erzählen, resümieren die Filmemacher. Manche fühlen sich in Zwickau sicher, andere wittern Gefahren an allen Ecken. "Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht", sagt Matthias Bley vom Demokratiebündnis, "dass wir heute hier über Sicherheit reden?"

Aber die Veranstaltungsreihe tut das und hat dafür den Chemnitzer Psychologieprofessor Udo Rudolph zum Vortrag in die alte Mitropa im Bahnhofsgebäude geladen, dorthin, wo die Holzvertäfelung teils schon von der Wand blättert und kaum mehr als der Funken der Erinnerung an die einstige Gastronomie in der Luft hängt. Vom Ambiente lassen sich etwa 70 Zuhörer nicht abschrecken, darunter auch Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), die nicht ungern zuhört, als Rudolph in seinem Vortrag den Nutzen einer Videoüberwachung im Muldeparadies dann doch arg in Zweifel zieht. "Das hätte einen riesigen Aufwand zur Folge - man muss das betreiben und auswerten -, und es hat zwar Effekte, aber diese sind sehr gering", sagt Rudolph. "Lohnt sich das?" Fast wortgleich hatte die Stadtchefin in der Debatte um mögliche Überwachungskameras im vergangenen Jahr argumentiert.

Für den Professor ist die Kamera-Debatte um das Muldeparadies aber nur eines von mehreren Beispielen. Der Biopsychologe beschäftigt sich intensiv mit Präventionsarbeit bei Kindern und gibt letztlich mehrere Ratschläge, wie sich das Zusammenleben grundsätzlich friedvoller gestalten lässt. Ein Allheilmittel für eine sicherere Stadt nennt Rudolph nicht, sondern verweist darauf, dass stets mehrere Ursachen dafür verantwortlich seien, wenn Menschen sich in bestimmten Gegenden unwohl fühlen. Die Annahme jedenfalls, mehr Polizeipräsenz würde zu einem Rückgang von Straftaten führen, hält er für falsch. Das sei statistisch widerlegt. Stattdessen sagt er: "Der mächtigste Faktor liegt in selbst organisierten Bürgerinitiativen." Wenn Anwohner sich zusammenschließen, um einen Spielplatz oder eine Haltestelle in Ordnung zu bringen, und sich aktiv darum kümmern würden, dass sie und ihre Kinder sich dort gerne aufhalten, dann sei das der vielversprechendste Ansatz. Und damit meine er keine selbst ernannten Bürgerwehren, die im Gegenteil das Sicherheitsgefühl eher einschränken würden.

Die Tage der Demokratie und Toleranz gehen mit zahlreichen Veranstaltungen bis zum 1. Mai weiter.

 
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