Eltern und Lehrer am Ende der Geduld

Der neue Kultusminister schlägt eine Kurswende in der Schulpolitik vor

Sind Sie auch so ungeduldig? Neulich war Elternabend, Orientierung zur weiterführenden Schule in der Klassenstufe 4. Schulleiter kamen, um Müttern und Vätern den Weg in die Zukunft ihrer Kinder zu weisen. Sie enthüllten die Vielfalt der Möglichkeiten in unserem so gewitzt ausdifferenzierten Schulsystem. Es war wie ein lustiger Diaabend früher - bei dem am Ende einer die Gardine wegzog und man die Kekskrümel und Rotweinflecken auf dem Teppich fand.

Die meisten Schattenseiten kamen in der Fragestunde auf den Tisch. "Wir wissen heute noch nicht, wie es mit den Neigungskursen an unserer Oberschule weitergeht." - "Schnupperstunden am Gymnasium, wie beim größeren Geschwisterkind? Die haben wir abgeschafft. Als eine Klasse noch 22 Kinder hatte, konnten wir das machen. Heute, mit 28 Kindern, geht das nicht mehr." - "Auf unser Gymnasium kommen jetzt auch Kinder ohne Bildungsempfehlung. In der Klasse 5 liegt der Zensurendurchschnitt manchmal über 4. Früher gab es das praktisch nie." - "Wie es weitergeht? Es kommen neue Richtlinien. Sie versprechen nichts Gutes."

Wir haben dann in der Fragestunde nicht mehr über Lehrermangel, Unterrichtsausfall und Seiteneinsteiger aus Dienstleistungsberufen mit Expresszulassung gesprochen. Elternabende in Sachsen, das sind längst Schicksalsgemeinschaften von Eltern und Lehrern, die gemeinsam von einer besseren Schule träumen. Seit vielen, vielen Jahren.

Und jetzt ein Hoffnungsträger: Frank Haubitz, der parteilose neue sächsische Bildungsminister, hat mit Selbstvertrauen und vermutlich auch Tatkraft (wenn man ihn lässt) ein Signal für einen neuen Aufbruch gesetzt. Seine Forderung, die Lehrer zu verbeamten, macht Aufsehen: Allerhand Bedenkenträger haben sich bereits in Stellung gebracht, um das Untier zu erlegen. Wir hören, dass es makroökonomische, soziale, moralische, logische, historische und etatistische Gründe gegen eine Verbeamtung gibt. Die Nebensächlichkeit, dass alle anderen Bundesländer außer Berlin ihre Lehrer verbeamten, muss eine tragische Verkennung all dieser Gründe sein.

Oder könnten Menschen, die keine Sachsen sind, doch manchmal Recht haben? Ich jedenfalls habe gar keinen Ehrgeiz, die eigenen Kinder weiteren Modellversuchen für eigensinnige Bildungsideen zur Verfügung zu stellen. Die Politik aus dem Unterricht herauszuhalten, das war auch so ein sächsischer Holzweg. Selbst Stanislaw Tillich hat das jetzt eingeräumt. Leider kommt die Einsicht zu spät für eine ganze Generation. Noch mehr Experimente? Ich möchte lieber nicht.

Der Furor des neuen Kultusministers, seine ungeschliffene Art, seine Macher-Attitüde ist dem Problemfall Schule angemessen. Für seinen Ansatz hat er ein einprägsames Bild gefunden: Wer untergeht, kann mit den Armen wedeln. Oder er greift nach dem nächsten Ast. Haubitz will zum Ast greifen, endlich handeln, Schritt für Schritt. Dass eine Verbeamtung alle Probleme löst, glaubt er selber nicht. Der Mann wirkt aber wie einer, der noch mehr in petto hat.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
19Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    2
    gelöschter Nutzer
    22.11.2017

    @Petermännchen: Kann ich nur bestätigen. Ich habe da sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. (Lediglich beim Frontalunterricht sehe ich das etwas anders. Den nutze ich zwar auch gern, sehe ihn aber nicht als "beste" Unterrichtsform an. Gruppenarbeiten usw. können auch sehr effektiv sein. Man muss es aber richtig machen, gut vorbereiten und wissen, wo man hin will und auch wissen, was man wann einsetzt. Sonst wird es wirklich Beschäftigungstherapie.)

  • 4
    0
    Petermännchen
    20.11.2017

    [Tochter vom Petermännchen] Mit großem Interesse habe ich all Ihre Beiträge gelesen - jedoch ist es nicht einfach, all die angesprochenen "kleinen" schwerwiegenden Baustellen voneinander zu differenzieren. Ich möchte nicht im Einzelnen dazu Stellung nehmen, sondern einmal meine persönliche Lage beschreiben, die sicher einiges von dem, das Sie angesprochen haben, bejaht. Ich selbst empfinde bloße Wut gegenüber der sächsischen Politik der letzten 15 bis 20 Jahre. Bereits zu Beginn meines Lehramtsstudiums 2003 hieß es, dass aufgrund der Überalterung in den nächsten Jahren viele Lehrer fehlen werden. Und trotzdem war für mich an eine Bewerbung zum Referendariat in Sachsen 2011 nicht zu denken, weil die Plätze stark begrenzt waren und ich keinen maximalen 1,5er-Abschluss vorweisen konnte. So zog ich es vor, es erst gar nicht in Sachsen zu versuchen oder mich wie viele mit Nichtstun in eine Warteschlange zu begeben und bewarb mich schließlich in Niedersachsen, zumal eine Bewerbung damals aus dem Ausland per Onlineformulare schön unkompliziert (im Vergleich zu anderen Bundesländern) war. 2011 startete ich schließlich mein Referendariat in Osnabrück und freute mich zunächst über ein monatliches Referendariatsgehalt, das 400 Euro über dem in Sachsen lag. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass ich trotz überfüllter Hörsäle und Seminarräume in Leipzig eine sehr gute Ausbildung genoss, denn viele meiner Referendariatskollegen hatten von den grundlegendsten pädagogischen Konzepten noch nichts gehört. Nach Beendigung meines Referendariat (mit Elternzeitunterbrechung) war es dann nicht leicht für mich, eine Stelle mit dem weit verbreiteten Fach Deutsch zu finden. Allerdings gestaltete es sich recht einfach, mich online als Vertretungslehrkraft für NRW zu registrieren. Durch eine solche gut bezahlte befristete Vertretungsstelle im Angestelltenverhältnis gelangte ich nach 1,5 Jahren zu einer festen Beamten-Stelle. Ich bin überaus zufrieden mit den Rahmenbedingungen meines jetzigen Berufslebens: Zur Zeit arbeite ich Teilzeit (20 von 25,5 Stunden), so dass mir ein freier Tag in der Woche zusteht. Als alleinerziehende Mutter bin ich trotz der Teilzeit und Abzüge durch die private Kranken- und Pflegeversicherung für mich und meinen Sohn (ca. 300 Euro monatlich) finanziell sehr gut aufgestellt. Ebenso schätze ich es sehr, dass ich als Teilzeitkraft jede Vertretungsstunde, die ich leiste, am Ende des Monats vergütet bekomme. Zusätzlich erhalte ich mein volles Gehalt beispielsweise, wenn ich wegen Erkrankung meines Sohnes oder Schließtage der Kindertagesstätte (davon gibt es hier nicht wenige) zu Hause bleiben muss. Des Weiteren gibt es bei uns an der Schule die (interne?) Regel, dass die Lehrer mit Korrekturfächern (wie bspw. Deutsch, Englisch ? im Vergleich zu den Lehrern mit Nebenfächern; in den Nebenfächern werden in NRW keine Klassenarbeiten geschrieben) Entlastungen bekommen, welche durch ein Punktesystem ermittelt werden. So ist es nicht selten, dass ich im nachfolgenden Schuljahr aufgrund der gehäuften Korrekturen im Fach Deutsch 20 Stunden bezahlt bekomme, aber nur 17 unterrichte. Klingt nach einem Schlaraffenland für Lehrer ? ist es auch. (Dass NRW 144 Milliarden Euro Schulen vorweisen kann, ist bekannt und soll nur am Rande erwähnt werden.) Die kleine Nebensächlichkeit, dass ich als Beamtin an meine Schule gebunden, meinem Dienstherrn verpflichtet bin, stört mich nicht, weil ich es sehr gut getroffen habe. So ? nun haben jedoch glückliche private Umstände ergeben, dass für mich und meinen Sohn im nächsten Sommer ein Umzug nach Sachsen anstehen wird. (Wer mich jetzt auslacht und für dumm erklärt, dem muss ich zustimmen.) Während eines Informationstelefonats mit der Bildungsagentur Zwickau teilte mir eine dort angestellte Person mit, ich könne jeder Zeit in Sachsen als Lehrerin tätig werden, müsse aber zunächst meinen Beamtenstatus aufkündigen. Meine Rückfrage, ob denn auch eine ?Stilllegung? des Status` möglich sei, wurde verneint. Nun, da stellte sich mir natürlich die Frage, wie man solch dreiste Forderungen stellen kann, wenn man sich doch des enormen Lehrer-Mangels in Sachsen bewusst ist ? und, wenn doch schon einmal jemand von den vielen abgewanderten Studierten beabsichtigt, nach Sachsen zurück zu kommen und noch dazu bereit ist, monatliche Einbußen von ca. 500 Euro in Kauf zu nehmen ? von all den anderen oben angeführten ?Vorzügen? einmal ganz abgesehen. Nebenbei fragte mich die Person von der Bildungsagentur, wie ich mir denn ein (Berufs-) Leben als Beamtin im Lehrerzimmer unter Angestellten vorstelle. Da war mir klar, dass diese Person das eigentliche Problem nicht erkannt hat: die Schuld liegt nicht bei mir, die den Fortbestand ihres gut bezahlten Status` fordert, sondern eher bei ihr und dem Ministerium, für das sie tätig ist, das all die Lehrer, vor allem die alteingesessenen, die in den letzten Jahren dem Land Sachsen stets gute Kritiken im Bereich der Bildung einbrachten, nicht angemessen entlohnten. Und diese Lehrer dürfen nun noch extra Arbeit leisten, indem sie abermals die Fehlentwicklungen der sächsischen Bildungspolitik auffangen und ihren neuen, mitunter besser bezahlten Kollegen ? die so genannten ?Quereinsteiger? ? beispielsweise erklären, wie man einen Unterrichtseinstieg zielführend plant. Ich jedenfalls werde für Sachsen und seine herab würdigende Bezahlung meinen hart erarbeiteten Status nicht opfern ? auch, weil sie mich und meinen Zweier-Abschluss zum Referendariat einst verschmähten. Deshalb habe ich einen Antrag auf Ländertausch in ein Bundesland ?nebenan? gestellt und nehme lieber eine Fahrzeit von bis zu einer Stunde in Kauf. Denn, bei ähnlichen finanziellen Konditionen werde ich mir sicher auch wieder einen freien Tag leisten können. So zeigt sich, wie von Ihnen schon angemerkt: es ist alles eine Frage des Entgeltes und weniger des ?Verbeamtet-seins?. Wenn Sachsen nun wie Berlin seine angestellten Lehrer zukünftig mit 3000 Euro Netto nach Hause schicken würde (das erhalten nun vom verzweifelten Berlin sogar schon ?quereingestiegene? Grundschullehrer), dann wäre Sachsen auch ohne Beamtenstatus für mich durchaus eine Option. Angebot und Nachfrage regeln nun einmal den Preis. Fern dessen stimme ich Ihnen zu, wenn Sie bedauern, dass das allgemeine Bildungsniveau sinkt. Davon kann ich in meinem Schlaraffenland ein Leid singen. Und ich bin überzeugt davon, dass es vor allem an der mangelnden Disziplin, sowohl auf Seiten der Lehrer als auch auf Seiten der Schüler, liegt. Zusätzlich kommt erschwerend die heutige ?Generation Bequem? (so nenne ich sie) hinzu. Ich versuche dem mit Strenge entgegen zu wirken, fühle mich jedoch als Einzelkämpferin, indem ich für den in Deutschland höchsten zu erreichenden Bildungsabschluss um Respekt und die entsprechende Lerneinstellung bitte ? nein, nicht bitte (das würde jener Generation zuarbeiten), sondern diese fordere (ein kleiner feiner Unterschied). Mein autoritäres Auftreten, das Fachleiter im Referendariat an mir stark kritisierten und zudem mit meiner ?schulischen Sozialisation? (gemeint war meine DDR-Schulzeit) begründeten, kommt mir heute zu Gute. Es scheint, als sei meine strenge, konsequente, aber berechenbare Lehrerpersönlichkeit durchaus bei den Schülern willkommen. Kollegen bestätigen mich in dieser, fordern sie sogar von anderen Kollegen, können oder wollen sie selbst jedoch nicht annehmen. Zudem gehöre ich zu den Lehrkräften, die den Frontalunterricht als gewinnbringender als beispielsweise ?Beschäftigungen? wie die Gestaltung von Plakaten bewertet. Nun ja, was bleibt ist das sinkende Niveau der Bildung (von den sprachlichen Kompetenzen der Schüler einmal ganz abgesehen)... Wohl auch dem geschuldet, dass Eltern über die Schullaufbahn ihrer Kinder bestimmen dürfen. Es ist doch naheliegend, dass eine Klasse mit einem großen Teil guter bis befriedigender Realschüler das Niveau der gesamten Klasse im Laufe der Zeit senkt. Denn dies wird sich zwangsweise früher oder später in die Bewertung einschleichen und die Anforderungen herab setzen. Schließlich möchte keine Lehrkraft dauerhaft einen schlechten Klassendurchschnitt vor Augen haben. Die Folge dessen: das Bildungsniveau sinkt. Sachsen wird nach seiner Entscheidung, die Eltern über den Bildungsweg der Kinder bestimmen zu lassen, wahrscheinlich das Gleiche erfahren.

  • 1
    2
    VaterinSorge
    19.11.2017

    ja gut erkannt, dass nicht einfach alles 1 zu 1 kopiert werden kann, auch bislang kein zukunftsfähiges und sparsames System so richtig gefunden wurde. Es gibt aber beispielsweise zwei sehr erfolgreiche Modelle aus Süddeutschland, eine Gesamtschule am Bodensee (Bodenseeschule) und ein Gymnasium in Oettingen. Beide sind allerdings Privatschulen und könnten aber sowohl aus demographischer, finanzieller und erfolgsorientierter Sicht auch für staatliche Schulen Vorbild sein, wenn es von der Politik gewollt wäre. Da man speziell in Sachsen damit durchaus zufrieden ist, der Einäugige unter den Blinden zu sein, wird es wohl vorerst nicht zu gravierenden Änderungen kommen, sondern sich im Gegenteil eher damit zufrieden geben, Stundentafeln zu kürzen, "unwichtigen" Unterricht wie Schwimmen, Sport, Kunst, Musik, Werken, Ethik, u.a.m. auszulagern. Somit brauchen wir uns hier an der Stelle keine Gedanken groß zu machen, bis unsere Wirtschaft endlich mal auf den Tisch haut und ernsthafte Forderungen stellt, wie Bildung auszusehen hat. Da aber der überwiegende Teil der sächs. Wirtschaft aus Subunternehmen, Zulieferern oder verlängerten Werkbänken besteht, braucht man vielleicht zukünftig weniger Intelligenz, sondern nur hirnlose Leute, die ohne zu fragen und ohne nachzudenken von morgens bis abends oder abends bis morgens ihre Arbeit machen. Ein anderes Motiv für die Untätigkeit der Wirtschaft kann ich mir nicht erklären.

  • 1
    2
    cn3boj00
    17.11.2017

    @Felto84, VaterinSorge: Was wollten Sie denn nun mit Ihren umfassenden Ausführungen sagen? Dass die Forderungen der Wirtschaft (wie VaterinSorge sich wünscht) unbegründet sind? Oder dass man sich keine Veränderungen wünschen darf? Oder dass man Systeme anderer Länder nicht auf Deutschland übertragen kann (höre ich auch immer von Politikern)? Oder dass es gut ist, wenn Eltern 10jähriger meist auf Grund ihrer vermeintlichen Stellung in der Gesellschaft schon wissen was aus ihren Kindern mal werden soll?

  • 3
    2
    gelöschter Nutzer
    17.11.2017

    Was Sie schreiben wäre zwar (teilweise) wünschenswert, aber das wird in Deutschland so schnell nicht kommen; wahrscheinlich nie. Die Länder werden sich ihre einzige Spielwiese, auf der sie etwas entscheiden können, nicht nehmen lassen. In Sachsen wird es in absehbarer Zeit keine linke Regierung geben. (SPD und Grüne sind in Sachsen so schwach, dass es kaum zu einem rot-rot-grünen-Bündnis wie in Thüringen kommen wird). Es bleibt also bei der CDU oder es rutscht sogar noch weiter nach rechts. Das heißt, dass es auch beim zweigliedrigen Schulsystem bleiben wird. Dann sollte man aber dafür sorgen, dass das reibungslos klappt, wenn es Oberschule und Gymnasium weiterhin geben wird. Alles andere ist Traumtänzerei. Kleine Klasse, Doppelbesetzung (kenne ich aus eigenem Erleben und das kann toll sein!) wird es in Sachsen so schnell nicht geben, da es teilweise nicht einmal für eine Einfachbesetzung reicht. Ich bin dann doch eher dafür erst einmal das machbare erledigt und erst dann mit dem Träumen zu beginnen, wenn das Wasser nicht mehr unkontrolliert in den Mund läuft. "Und nicht zuletzt: der Bildungsstandard in der DDR war ja weißgott nicht schlecht..." - Richtig (mal von Politik, Geschichte und Teilbereichen von Geographie abgesehen). Aber die alten Methoden würden in dieser vollständig gegensätzlichen Kultur nicht mehr funktionieren. Das DDR-Bildungssystem war für die DDR gut, nicht für die BRD. Hier scheitern sie schon am anderen Umgang mit der Disziplin. "ich bezweifle, dass man Bildungsqualität nur an Abiturnoten ablesen kann. Schon allein der Umstand, dass Schulen oder Schulsysteme im Wettbewerb um Notendurchschnitte stehen ist ja pervers." -- Habe ich auch nicht geschrieben. Man sehe sich aber mal die Zahl der Studienabbrecher an und der Leute, die die Ausbildung nicht bewältigen. Die Werte sind in den Bundesländern in denen Kinder länger gemeinsam lernen nicht besser (Hamburg, Berlin mit der sechsjährigen Grundschule). Man sehe sich ebenso an, wie einige Länder nach der Einführung bundesweiter Abituraufgaben zu kämpfen haben. Das sind erstaunlicher Weise auch nicht die Länder mit dem zweigliedrigen System. "Darüber hinaus ist hinlänglich bekannt, dass das mehrgliedrige System keine gleichen Chancen für alle bietet." -- Das Problem ist, dass man die Benachteiligung beim zweigliedrigen System sehr einfach messen kann. Auch beim gemeinsamen Lernen wird in der 9. und 10. Klasse selektiert; ebenso ob man in die Oberstufe darf oder nicht. Das geschieht aber weniger öffentlich und daher stört es keinen. Studienabbrecher aus Finanznot werden auch kaum registriert. Lediglich die Auswahl am Ende der 4. Klasse wird beleuchtet und kritisiert. Man verlagert das Problem lediglich in Hinterzimmer; da schmerzt es weniger.

  • 1
    2
    VaterinSorge
    17.11.2017

    Ja, das ist natürlich ein sagenhaftes Argument, überhaupt sind da skandinavische Länder ganz anders eingestellt. Dazu müsste man in Deutschland so viele Standards, Steuerabgaben und Denkprozesse im Umgang mit Kindern angehen, dazu wäre hier zu wenig Platz und Zeit. Ich habe mir genau das finnische Bildungssystem und seine Rahmenbedingungen vor Ort angesehen, aber das schwedische, niederländische, amerikanische, japanische, schweizerische, österreichische, bayerische, schwäbische und hamburgersche im übrigen auch. (Alles ehrenamtlich) In Finnland kommen auf eine Lehrerstelle etwa 7-10 Bewerber, da der Beruf einen höheren Status und Wertschätzung als ein Bürgermeister hat. (Auch eine Gehaltsfrage) Im Klassenzimmer ist noch ein zweiter Pädagoge mit Magisterabschluss, der dafür sorgt, dass keiner zurück bleibt, die Gruppe wird dann sofort so gefördert und unterstützt, dass sie erst gar nicht den Anschluss verlieren. Zeitweise ist noch eine dritte Person im Klassenzimmer, die besonders bei Inklusionsbedarf oder Integration / Migration besonders sozial schwachen oder benachteiligten Kindern hilft und die Verbindung Elternhaus und Schule unterstützt. Das sind oft Halbtagsjobs mit staatlicher Anstellung für engagierte Mütter aus der Region, die wegen der eigenen Kinder ohnehin nicht voll arbeiten könnten. In Amerika ist alles durch die Wirtschaft und Wissenschaft in Stiftungen und High - oder Middleschool, Campus oder Privatschulen aufgeteilt, also vom ersten Tag durch den sozialen Status der Eltern geprägt, in Japan verliert ein Lehrer sein Gesicht, wenn er nicht alle seine Schüler durch die Klassenstufen bringt (kann dann wenn er seinen Job verloren hat, nie wieder irgendwo arbeiten und Fuß fassen) usw. usw. Es gibt kein ganzheitliches Rezept und die guten Ergebnisse in Sachsens Schulen, sind zum größten Teil den wirklich ehrenhaft und engagiert arbeitenden Pädagogen zu verdanken, die durch die Bank ihren Job sehr ernst nehmen, mit Herz Verstand und Selbstverständlichkeit eine wunderbare Arbeit leisten. Nur, dieser Schatz an Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und normal menschlich denkenden Sachverstand geht mehr und mehr verloren und wird nach und nach zu oft durch Leute ersetzt, deren Berufung nicht die Kinder, sondern eher der pünktliche Feierabend ist. Daher werden wir, genau wie in allen anderen alten Bundesländern, voran sei BW genannt, alle die gleichen Schwierigkeiten bekommen und uns von einer starken Mitte in den Leistungen verabschieden müssen. Wir werden eine immer noch stattliche Elite und hochbegabte Abiturienten haben, die überall (nur nicht in Sachsen selbst) mit Kusshand genommen werden und auf der Gegenseite immer mehr Schulabgänger bekommen, deren Schulabschlüsse nicht das wert sind wie das Papier auf dem das steht. So wird sich wohl oder übel die Wirtschaft selbst Fort- und Ausbildungsmöglichkeiten schaffen müssen, wo die schulische Grundausbildung, das Sprechen, Rechnen, Lesen und vor allem Sport die Versäumnisse der Schulbildung ausgleichen muss. Klar, das weiß auch der Finanzminister und kann dabei auch noch Geld sparen. Noch mehr Geld könnte man dann sparen, wenn man gleich das Kultusministerium abschafft und nur noch freie, statt staatlich Schulen hat. Dann wären wir wieder in Amerika, wo nur die gute Schulbedingungen vorfinden, die es sich leisten können. Im Übrigen wollte ich nicht nur dass die Berufspolitiker 10% ihrer Bezüge spenden, sondern auch die Ministerialmitarbeiter, denn den Karren müssen wir alle aus dem Dreck ziehen, obwohl nicht alle daran Schuld haben.

  • 2
    2
    cn3boj00
    17.11.2017

    @Felto84: ich bezweifle, dass man Bildungsqualität nur an Abiturnoten ablesen kann. Schon allein der Umstand, dass Schulen oder Schulsysteme im Wettbewerb um Notendurchschnitte stehen ist ja pervers. Darüber hinaus ist hinlänglich bekannt, dass das mehrgliedrige System keine gleichen Chancen für alle bietet. Die allgemeine Erkenntnis, dass die Kinder armer Eltern arm bleiben, liegt auch an diesem System. Und es gehen heute weiß Gott Kinder aufs Gymnasium, die da nicht hingehören. Schaun wir nicht nach Hamburg, sondern Finnland: keine Grundschule, keine Oberschule, kein Gyymnasium. Stattdessen eine Einheitsschule bis zur neunten Klasse. Dabei von der ersten bis zur sechsten bei einem Klassenlehrer, dann 3 Jahre Fachausrichtung. Dann optional 1 weiters Jahr oder 3 weitere Jahre mit Abitur. Oder 3 Jahre staatliche Berufsausbildung. Die Abiturquote in Finnland ist doppelt so hoch wie in Deutschland, die Analphabetenquote die niedrigste der Welt, und bei Pisa ist Finnland immer vorn und. Es gibt ein zentrales Bildungsministerium, und keine Bildungsagenturen oder solchen bürokratischen Humbug. Obwohl die Ausgaben in Finnland nicht viel höher sind, kommt wesentlich mehr an der Basis an. Und nicht zuletzt: der Bildungsstandard in der DDR war ja weißgott nicht schlecht...

  • 1
    1
    gelöschter Nutzer
    17.11.2017

    Von eoner speziellen Bildungssteuer halte ich gar nichts. Der Staat nimmt bereits ausreichend Geld ein. Das muss nur mal an die richtigen Stellen fließen. Das wäre (da Sie ja nur Politiker zur Kasse bitten wollen) außerdem kein ernstzunehmender Geldbetrag. Aber es bringt natürlich Applaus, weil es gegen die bösen überbezahlten Politiker geht. Ich diskutiere übrigens auch aus Sicht der Praxis und wenn ich sehe, was viele der so schön gemeinsam lernenden Schüler nicht können, fällt es mir schwer darin das Allheilmitte zu sehen. Ich bleibe dabe: Sachsens Problem ist nicht das zweigliedrige Schulsystem sondern die Überalterung der Lehrer und der damit einhergehende sich weiter ausdehnende Lehrermangel. Außerdem gehören sowohl Oberschulen als auch Gymnasien ordentlich ausgestattet. Das die Gynnasien hier nun mit ihren übervollen Klassenzimmern auf Kosten der Oberschulen gefördert würden, kann ich auch nicht erkennen. Dass Noten von der Wirtschaft nicht ernst genommen werden, ist verständlich, werden sie doch zum kaschieren der Unzulänglichkeiten drr rot-grünen Bildungsträume ständig weiter entwertet. Ich bleibe in Hamburg, wo zuletzt die Noten des Vorabiturs Mathematik um eine Note angehoben werden mussten, weil die tollen Gemeinsamlerner sonst reihenweise durchgefallen wären. Das soll das Vorbild für Sachsen sein? Nein danke!

  • 0
    1
    VaterinSorge
    17.11.2017

    Wir können hier lange hin und her diskutieren, ich aus der Sicht der Praxis und Sie aus der Sicht der theoretischen Statistik. Die Praxis interessiert sich immer weniger für ausschließliche Fachnoten, sondern mehr für abrufbare und verwertbare Leistungen. Daher werden Einstellungsgespräche und Leistungstests dem Auswerten von Zeugnissen vorgezogen. Auch Unis haben festgestellt, dass die Zensuren nicht mehr viel mit dem Leistungsstand zu tun haben, denn Professoren können heute nicht mehr mit den Plänen arbeiten, die sie noch vor einigen Jahren angewendet haben und Personalchefs klassischer Unternehmen beklagen sich, dass sie heute mindestens ein 3/4 Jahr brauchen, um Schulabgänger, egal von welcher Schulart, erst einmal berufsschulfähig zu machen. Daher muss generell die derzeitige Bildung und ihre Rand- und Rahmenbedingungen auf den Prüfstand, denn für eine wirtschafts- und wissenschaftsgerechte Anpassung fehlen nun mal sowohl Personal und Ressourcen. Der Vergleich mit Hamburg hinkt schon allein wegen der dort herrschenden Heterogenität, das ist so auch nicht von den Stadtteilschulen zu leisten, keine Frage. Aber in Sachsen ist es nicht in erster Linie die Heterogenität, sondern die stark veränderten Bedingungen an Oberschulen, die trotz riesigen Engagements von Pädagogen, Schulträgern, Eltern, Schülern und Kooperationspartnern, allein wegen der desaströsen Personalsituation und teilweise schlechten Ausstattung einfach nicht besser werden kann. Daher sollte ja auch nicht generell das zweigliedrige System in Frage gestellt werden, sondern die Möglichkeiten einer regionalen Öffnung für Alternativen zugelassen werden. Schauen Sie sich die großen Erfolge der DPFA an, die machen es vor, innerhalb einer Schulform unterschiedliche Abschlüsse anzubieten, selbst Schulverweigerer und Inklusions- oder Integrationskinder zum Abschluss für eine Berufsausbildung oder einen Studien- oder Hochschulgang zu bringen. Kein Kind verlässt dort die Schule ohne Abschluss. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, es darf auch mal bunt sein, aufs Ergebnis kommt es an... Im Übrigen, Krankenkassen hin oder her, ich kenne keinen Pensionär (z.B. Post oder Bahn) der heute über seine Pension oder die Krankenversicherung stöhnt, nehme nur Rentner war, die den Cent drei mal umdrehen müssen und sehr enttäuscht darüber sind, wie mit ihnen nach 40 und mehr Berufsjahren umgegangen wird. Dabei geht es jetzt erst los mit der Altersarmmut, denn die vielen Geringverdiener kommen jetzt erst noch ins Rentensystem und müssen sogar aufstocken. Die Mitte wird es machen und intelligente Lösungen mit Nachhaltigkeit und Perspektiven müssen her. Was wäre denn, wenn Berufspolitiker und Ministerialmitarbeiter 10 % ihrer Bezüge in die Bildung investieren, sagen Sie doch mal was zu dem Vorschlag. Ich spende auch einen Teil meines Gewinnes in soziale Projekte, Jugendarbeit und Schulausstattung.

  • 2
    1
    gelöschter Nutzer
    17.11.2017

    Ergänzung: Natürlich stimmt es, dass Berufsanfänger (meist schon Referendare) wissen, dass sie sich noch Krankenversichern müssen. Die Kosten sind zu dem Zeitpunkt auch überschaubar. Die meisten freuen sich auch über die im Vergleich zur Rente üppig scheinenden Pension. Was viele aber nicht beachten ist, dass von dieser hohen Pension im Alter auch weiterhin die private Krankenversicherung bezahlt werden muss. Diese Kosten sind dann weit jenseits der von ihnen genannten 200 Euro.

  • 1
    1
    gelöschter Nutzer
    17.11.2017

    Ich finde es schon bemerkenswert, dass sie, um gegen das zweigliedrige Schulsystem zu argumentieren ein Szenario entwerfen müssen, dass es so nicht gibt, und dass so auch nicht sein kommen muss. Die Oberschule ist keine Resteschule und das Gymnasium keine Eliteanstalt. Auch wenn das aus den Reihen der Befürworter des gemeinsamen Lernens immer wieder behauptet wird. Warum sollten denn an Oberschulen nur "lustlose Seiteneinsteiger" unterrichten? Weder ist das so, noch wird das bei vernünftiger Einstellungspolitik so werden. Man muss die Oberschulen einfach richtig ausstatten. Bemerkenswert, dass sie dann auf die von mir genannten Befunde zum gemeinsamen Lernen auch gar nicht eingehen. Die Abschlussnoten sprechen eine deutliche Sprache, dass es nicht einfach so zu besseren Leistungen führt. Eine Schule für alle funktionierte in der einförmigen DDR und passt nicht unbedingt zur vielschichtigen aktuellen Gesellschaft. Wir sind nicht alle gleich. "Also Kopf anstrengen und gemeinsames, längeres Lernen möglich machen und so kann man etwas entspannter Schule neu gestalten und mit dem vorhandenen Personal vielleicht besser wirtschaften. Es wird nichts mehr so sein wie es war, egal ob in Hamburg, Berlin oder Leipzig..." - Völlig inhaltsleeres Statement. Wie geschrieben wird z.B. in Hamburg in den Stadtteilschulen gemeinsam gelernt. Da sitzen Inklusionskinder (und nicht wenige) gemeinsam mit Hauptschülern (ESA-Abschluss), Realschülern (MAS) und Abiturienten in einem Raum. Die einen werden überfordert, die anderen unterfordert, weil ein Lehrer nicht unendlich Differenzieren kann und sich daher an der Mitte orientieren wird. Die Klassen sind trotz der Unterschiedlichkeit der Schüler auch nicht kleiner, sondern ähnlich groß wie an sächsischen Gymnasien (ca. 28). Das Bild, das sie hier malen vom unterfinanzierten bösen zweigliedrigen Schulsystem können sie nicht einem gut finanzierten gemeinsamen Lernen mit perfekten Bedingungen entgegen stellen, da es das nicht gibt. Sie müssen dann schon gut finanziertes gemeinsames Lernen mit einem gut finanzierten zweigliedrigen System mit vernünftiger Ausstattung vergleichen. Dass Bildungspolitik nicht vom Finanzminister gemacht werden darf, wie es in Sachsen jahrelang der Fall war, ist allerdings richtig. Welches der beiden Systeme man ordentlich ausstattet muss diskutiert werden. Der Systemwechsel hat mit der Ausstattung an sich aber nichts zu tun. Wenn gemeinsames Lernen so viel besser sein soll, frage ich mich außerdem, warum man das den Bundesländern die so arbeiten (meist rot-grün) nicht auch an den Leistungen ansehen kann, sondern immer das angeblich schlechte Zweigliedrige System die Leistungsspitze bildet (Sachsen, Bayern). Wenn die Leistung bei den Meisterprüfungen schon heute so schlecht ist, sollte man vielleicht doch lieber das System wählen und optimieren, welches höhere Leistungen verspricht. Man sollte sich vielleicht auch mal wieder bewusst machen, dass Gymnasien und Oberschulen unterschiedliche Bildungsziele haben. Die erste soll die Schüler auf eine lebensnahe Berufsausbildung bestmöglich vorbereiten, das Gymnasium auf ein deutlich theoretischeres Studium. Die Politik muss sich mal darum kümmern, gemeinsam mit der Wirtschaft, dass dieser Irrweg, nur mit Abitur sei man gut ausgebildet und bekäme einen Job, aufgegeben wird. Für eine Berufsausbildung ist das Gymnasium viel zu theoretisch, viel zu studienvorbereitend und keine optimale Vorbereitung. Und zum Schluss noch einmal zum Geld: Ich habe auch geschrieben, dass man in Sachsen am wenigsten verdient - deutlich - und sie haben natürlich auch recht, dass eine Verbeamtung auch noch andere Vorteile bringt (Pension, usw.). Ich wollte nur anmerken, dass netto beim Beamten etwas anderes ist als bei Angestellten. Der eine ist durch die Krankenkasse bereits vollständig abgesichert, der andere nur zu 50% und muss dann noch weiteres Geld in die Hand nehmen. Das kann je nach Alter und Vorerkrankungen mehrere hundert Euro kosten. Das wissen die meisten aber nicht.

  • 1
    1
    VaterinSorge
    16.11.2017

    lieber Felto84, das ist jetzt ein bisschen viel durcheinander... Sicherlich wissen junge Berufsanfänger, dass man sich als Beamter selbst krankenversichern muss und das dies in jungen Jahren etwa 200 ? pro Monat kostet. Aber beschäftigt man sich mal mit den Perspektiven und vergleicht die Entwicklung in den Laufbahnen zwischen angestellten Pädagogen und verbeamteten Lehrer/innen, dann werden die Unterschiede sehr viel deutlicher. Die zweijährige Lohngruppenänderung bis zur Endstufe ist abgeschafft und muss regelmäßig von den Gewerkschaften erstritten werden. Arbeitskampf und Unzufriedenheit schaffen nicht gerade harmonische Arbeits- Lehr- und Lernbedingungen. Zudem braucht man sich nur noch den Unterschied der Renten und der Pensionen ansehen und dann müsste man schon ordentlich was oben drauf packen, damit es für die Entscheidung reichen könnte, in Sachsen statt wo anders seinen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Mir persönlich passt es auch nicht, dass von den mühsam erwirtschafteten Steuern und den Zuzahlungen aus Länderfinanzausgleich, Soli Beitrag und ESF Fonds so viel in Bildung investiert werden muss, was auf der anderen Seite sicherlich beim Ausbau von Infrastruktur, ÖPNV, Digitalisierung oder würdiger Versorgung der vielen älteren Herrschaften, denen wir ja auch größten Teils den Wohlstand zu verdanken haben, einsparen werden müssen. Schön wäre ja, wenn jeder Berufspolitiker und Ministerialmitarbeiter mal freiwillig 10 % seiner Bezüge in einen Fond für Bildung investieren würde, damit der sächs. Staatshaushalt nicht zu sehr belastet wird. Die Entscheidungen fallen eben nicht im Finanzministerium, SMK oder Landtag, sondern ganz einfach bei den Studienabsolventen. Und? Was kostet nun weniger, 1,8 Mrd. in den Pensionsfond + jährlich steigend von 50 - 700 Mio. ? an Gehaltszuwächsen (bei einem Jahreshaushalt von ca. 18 Mrd.?) , oder keine Bildung (geht halt nicht ohne Lehrer) und daher noch weniger berufsschul- oder studierfähigen Nachwuchs? Es werden sich jetzt schon die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss auf 12 % erhöhen, dann wird es schnell die 20 % Marke und mehr erreichen. Im Übrigen haben heute schon die Meisterprüfungen das Niveau der Gesellenzwischenprüfung vor 5 Jahren erreicht. Da weiß ich nicht, wo das noch gute Bildung sein soll. Daher sind Seiteneinsteiger sicherlich eine praktische Alternative in schweren Zeiten, aber nicht in dem Maße gesund, wenn sie allein gelassen werden, weil die Quote die 50 % überstiegen hat. Das ist für keinen gut, weder grundständigen Lehrern, Schülern oder Seiteneinsteiger selbst. So, nun zum länger gemeinsamen lernen: Es gibt nur zwei Wege: Wir lassen es dabei und kümmern uns mit immer weniger Personal um die Elite, machen dazu in den Gymnasien "Eliteklassen" o.ä. und lassen den Rest ohne Bildung nahtlos in Eigenverantwortung und betreutes Lernen und spielen an Gymnasien übergehen, während an Oberschulen noch die lustlosen Reste den Seiteneinsteigern gemütlich auf der Nase rumtrampeln. Schade, um die viele gute Arbeit in den Grundschulen... Vielleicht brauchen wir ja zukünftig viel mehr Kinder und Jugendliche die ausgeprägte kognitive Fähigkeiten haben, mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen, Behinderungen oder Leistungsanforderungen umgehen können, wissen wo man anpacken muss oder interessiert sind wie was funktioniert, statt emsig Fachwissen auswendig lernen und es später nicht mehr anwenden können, wenn man es braucht. (Bulimie - lernen) In Sachsen steht es in der Verfassung manifestiert, dass es Elternwille ist, an welcher Schule ihre Kinder lernen. Da hat das zweigliedrige System ausgedient oder die Oberschulen müssen so ausgestattet und fit gemacht werden, dass sie für Eltern und Kinder eine echte Alternative ist. Das wird wohl auch nichts im Moment. Also Kopf anstrengen und gemeinsames, längeres Lernen möglich machen und so kann man etwas entspannter Schule neu gestalten und mit dem vorhandenen Personal vielleicht besser wirtschaften. Es wird nichts mehr so sein wie es war, egal ob in Hamburg, Berlin oder Leipzig...

  • 4
    2
    gelöschter Nutzer
    16.11.2017

    Zwei Anmerkungen, zunächst zur Tabelle: Die Lücke, die zwischen dem Netto-Gehalt in Sachsen klafft und dem Netto-Gehalt in den anderen Ländern ist sehr groß. Man sollte jedoch bedenken, dass von den Netto-Gehältern der Beamten noch die Beiträge für die private Krankenversicherung abgezogen werden müssen und das können sehr hohe Beträge sein. Der Abstand ist immer noch groß, aber kleiner, als es auf den ersten Blick scheint. Zum längeren gemeinsamen Lernen: Das wird ja gern gefordert. Ich kenne allerdings keine Studie, die zeigt, dass da am Ende wirklich bessere Leistungen erzielt werden. Man sehe sich dazu mal beispielsweise die Abiturnoten in Hamburg an: Die der Gymnasien liegen deutlich über denen der Stadtteilschulen (so eine Art Oberschule mit angeschlossener dreijähriger Oberstufe, an denen bis zur 10. gemeinsam gelernt wird). Ob man das nun unbedingt einführen muss? Das sollte man genau überlegen. Längeres gemeinsames Lernen hilft im Wesentlichen den leistungsschwächeren und bremst die anderen aus, auch wenn die Verfechter das immer leugnen. Meiner Meinung nach sind das zweigliedrige Schulsystem und G8 nicht die Hauptprobleme in Sachsen. Die Ergebnisse aller Studien der letzten Jahre zeigen das; die Werte waren für Sachsen immer gut. (Besorgniserregend ist allerdings die Anzahl der Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen.) Das wird sich allerdings drastisch ändern (und zwar sehr schnell), wenn weiter in dem Umfang auf Seiteneinsteiger gesetzt wird, statt auf richtig ausgebildete Lehrer. Man sollte allerdings auch bedenken, dass auch Berufseinsteiger nach dem 2. Staatsexamen noch den einen oder anderen Rat brauchen. Die Kollegen, die den geben könnten sind NOCH da. Wenn die erst einmal weg sind, wird ein großer Erfahrungsschatz verloren sein. Dann sind nur noch Frischlinge und Seiteneinsteiger da, die beide überfordert sein werden und dann war es das mit den (noch) guten Ergebnissen.

  • 6
    0
    TheBeastFromTheEast
    16.11.2017

    Ja, VaterInSorge, es wird Zeit, daß es endlich alle kapieren - nicht nur Politiker, die die Parolen vom Stammtisch nachplappern, sondern auch die, die an den Stammtischen und anderswo sitzen: Ihr "Abwanderungs-Szenario" ist absolut realistisch! Wenn Schulabgänger sonst wohin ziehen, kommen in Sachsen weniger Kinder zur Welt, werden die Schulwege länger, wird die Bevölkerung im Durchschnitt noch älter, gibt es in der nächsten Generation noch weniger Nachwuchs in den Betrieben - und irgendwann können wir dann einen richtig großen Nationalpark für den Lausitzer Wolf eröffnen. Diese - seit zwei Jahrzehnten - offensichtlichen Probleme haben in Sachsen (und anderswo) aber nicht nur die Politiker übersehen, die sich nicht am rechten Rand überholen lassen wollten: Daß soziale Schieflagen - wie jetzt an den Schulen - eine direkte Folge der restriktiven Zuwanderungspolitik sind, daß sich in Sachsen in Sachen Bevölkerungsentwicklung spätestens seit der Wende die Spirale nach unten dreht, konnte jeder erkennen. Schule ist da ein wichtiges, aber weiß Gott nicht das einzige Thema. Daß der kommende Minister zwischen kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zu unterscheiden weiß, stimmt mich hoffnungsvoll. Der Landesregierung täte es gut, diese Unterscheidung zu übernehmen - und der Bevölkerung auch zu vermitteln. Eine demokratische Gesellschaft zeichnet sich eben dadurch aus, daß sie sich verändert. Sonst: Nationalpark .....

  • 6
    0
    VaterinSorge
    16.11.2017

    danke cn3boj00, das sind sicherlich Überlegungen, die richtig und wichtig sind. Die wichtigste Schulart in Sachsen ist ohne Zweifel die Oberschule, doch wird diese von allen Seiten am Meisten unter Druck gesetzt und hat derzeit mit allen Problemen zu kämpfen, die an Schule überhaupt geben kann. Wen wundert es, dass da so richtig keiner hin möchte, weder bodenständig ausgebildete Pädagogen, noch die Schüler selbst. Da ist in der Tat nur das längere gemeinsame Lernen oder gar die Zulassung von Gesamtschulen eine Möglichkeit der Linderung. Der sächs. Städte- und Gemeindetag ist dagegen, weil man teure Umbauten befürchtet, Herr Haubitz und alle Philologen und Gymnasiallehrer/innen, weil man unbequeme Arbeiten befürchtet und die CDU, weil sie strickt am so erfolgreichen zweigliedrigen G8 System festhalten will. Rückendeckung bekommen alle nun auch vom Landesschülerrat selbst, der sich nach einer Umfrage im letzten Jahr für das jetzige System selbst ausgesprochen hat. Ergo, das ist auch logische Konsequenz, werden die Eltern ihre Kinder mehr und mehr einfach an die Gymnasien schicken, dort gibt es eine gute Ausstattung verhältnismäßig viele Fachlehrer und immer mehr Zulauf. An den Oberschulen hat man bereits die Gehälter für Lehrer an die des Gymnasiallehrers angeglichen, doch sind das weniger als die Hälfte, da bereits mehr als 50% Seiteneinsteiger sind (Neueinstellungen über 75% Seiteneinsteiger an OS) und diese profitieren nicht von den Gehaltsangleichungen. Ob Verbeamtung altbacken ist oder nicht, teuer ist oder nicht, man muss einfach die Lehramtsanwärter fragen, dann weiß man doch, unter welchen Bedingungen sie sich einstellen lassen würden. Wenn man aber nur 500 sächsische Studenten pro Jahrgang hat, aber über 1.000 Lehrer pro Jahr braucht, dann sieht man doch was hier vorprogrammiert schief läuft. Ich frage mich nur, warum die Wirtschaft so ruhig bleibt und lieber geringere Energiekosten statt Nachwuchs fordert. Vielleicht arbeiten sie ja selbst schon an ihrem Ruhestand und sagen sich, der letzte macht das Licht aus. Das hatten wir ja schon mal...

  • 3
    1
    cn3boj00
    16.11.2017

    @RonnySchilder: gut gesprochen. Das ist das was ich mir von meiner Zeitung wünsche und was bisher in Vergessenheit geraten ist: kritischer Journalismus statt unreflektiertes Verbreiten von DPA-Meldungen! Bravo! Trotzdem 2 Anmerkungen: Der "Neue" redet bisher immer nur über Lehrer. Kein einziges mal hat er bisher über Schüler und ihre Probleme geredet. Das gibt mir schon zu denken. Es geht nicht nur darum, die Bezüge zu verbessern, indem der Beitrag zur Rentenversicherung entfällt. Eigentlich hat das Beamtenmodell ja ausgedient, aber man muss eben wettbewerbsfähig bleiben, das ist das einzige Argument dafür. @VaterinSorge: Die Wirtschaft ist ja schon aufgewacht. Seit langem fordert man in Sachsen eine Änderung des Schulmodells hin zu längerem gemeinsamen Lernen. Doch das stößt eben auch auf den Widerstand der CDU, die ja bekanntlich gegen alles ist, was sie sich nicht selbst auf die Fahne heften kann. Und da sehe ich auch keinen Ansatz bei dem "Neuen". Warum? Weil auch das eine Frage der Besoldung ist. Wer 12-jährige an einem Gymnasium unterrichtet, bekommt eben mehr wie sein Kollege an der Oberschule. (Leider fehlen in der Tabelle die Bezüge für Oberschulllehrer. ) Gäbe es das Gymnasium erst ab Klasse 8, müssten viele Lehrer an die Oberschule zurück. Was für Kinder gut wäre, ist eben für Lehrer und damit wohl auch den "Neuen" ein Nogo.

  • 4
    1
    gelöschter Nutzer
    16.11.2017

    Herr Schilder, Sie verkennen die Lage! Die von Ihnen so gescholtenen "Bedenkenträger" sprechen die Ungerechtigkeiten an, die erneut in den sächsischen Lehrerzimmern einziehen werden. Kleines Beispiel gefällig? Es gibt Gymnasiallehrer, die als Lehrer an die Grundschule abgeordnet werden, da an ihrem Gymnasium keine Stelle frei ist. Andere Gymnasiallehrer haben sich, eben mangels Verwendungsmöglichkeit, bereit erklärt, sich an der Grundschule einstellen zu lassen. Erstere können verbeamtet werden, zweitere nicht. Wenn es auf politischem Wege (also gegen den erklärten Willen des Finanzministers) gelingen sollte, die Arbeitsbedingungen inkl. der Netto-Bezahlung der nicht mehr verbeamtungsfähigen Kollegen denen der verbeamteten anzugleichen, sei den jungen Kollegen das Berufsbeamtentum gegönnt! Allein, mir fehlt der Glaube!

  • 4
    2
    Blackadder
    16.11.2017

    Die Gehaltsliste auf der Frontseite der heutigen Zeitung sagt doch alles: sogar in MeckPomm verdienen Lehrer mehr als in Sachsen. In JEDEM Bundesland verdienen sie mehr. Man wundert sich, dass überhaupt noch Lehrer nach dem Studium hierbleiben.

  • 9
    0
    VaterinSorge
    16.11.2017

    wie weit müssen denn Experimente mit den paar Kindern, die wir noch haben getrieben werden? Wann wacht die Wirtschaft endlich auf? Tut es noch nicht genug weh? Wann registrieren Handwerk- Dienstleistungs- und Gastgewerbe, dass es keinen geeigneten Nachwuchs mehr gibt und setzt sich für wettbewerbsfähige Lehr- und Lernbedingungen ein? Es kommen nur etwa 30.000 Schulabgänger von den Schulen, davon gehen 1/3 studieren, und was wird aus den anderen? Im Gegenzug gehen jährlich 60.000 Facharbeiter, Unternehmer, Verwaltungsangestellte oder Lehrer in den wohlverdienten Ruhestand. Wann begreift es endlich der letzte normal denkende Mensch, dass es uns allen so was von auf die Füße fallen wird, nur nicht denen, die ihr Schäfchen im Trockenen haben. Wenn jetzt sofort nichts passiert, rechne ich mit einer erhöhten Abwanderungsquote und Sachsen wird ein Land der Rentner, Bedürftigen und Bezieher.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...