Können Kakteen ihre Stacheln "verschießen"?

Ich glaube mir manchmal sicher zu sein, dass ich von einem Kaktus gestochen worden bin, obwohl ich ihn nicht berührt habe, und dann so nach einer halben Stunde voller klitzekleiner Stacheln bin. Ganz dünne, wie kleine Haare stecken die Dinger dann an meinen Armen. Können Kakteen Stacheln verschießen? (Diese Frage hat Thomas Weise aus Colditz gestellt.)

Zunächst einmal muss man festhalten: Kakteen haben keine Stacheln, sondern Dornen. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie aus dem Pflanzenkörper herauswachsen, also mit ihm durch Gewebe und Gefäße verbunden sind. Verschösse also ein Kaktus seine Dornen in der Gegend, würde er sich damit ernste Verletzungen zufügen - und deswegen macht er es nicht. Ganz zu schweigen davon, dass es zu seiner Verteidigung ausreicht, wenn die Stacheln erst dann zum Einsatz kommen, wenn es auch tatsächlich zu einer Berührung mit einem Tier oder einem Menschen gekommen ist. Abgesehen davon wären Kakteen wohl nicht so beliebt als Zierpflanzen, wenn sie im Ruf stünden, unvermittelt und ohne Veranlassung mit ihren Dornen um sich zu schießen.

Das heißt aber nicht, dass man sich nicht Teile davon einfangen kann. Denn einige Kakteenarten, beispielsweise aus der Gattung der Opuntien, besitzen an ihren Dornen kleine Widerhaken, die sich bei Berührung lösen und in der Haut eines vermeintlichen Angreifers stecken bleiben. Dies dient in der Natur vor allem dem Schutz vorm "gefressen werden", denn aufgrund der Dornen sind die meisten Kakteen für Tiere keine Leckerbissen mehr. Die Widerhaken wiederum können so fein sein, dass man zumal bei flüchtigem Hinsehen kaum mehr erkennt, wo das "Revier" des Kaktus beginnt und ihm auch ohne Absicht leicht ins "Gehege" kommt.

Im Unterschied dazu haben etwa Rosen und Brombeeren - auch wenn es sich im Sprachgebrauch umgekehrt eingebürgert hat, man denke nur an "Dornröschen" - keine Dornen, sondern Stacheln. Die sitzen dem Stängelholz nur auf, weswegen man sie relativ leicht und ohne Schaden für die Pflanze abstreifen kann. Nichtsdestoweniger werden sie genauso wenig "verschossen" wie die Dornen, denn auch diesen Pflanzen genügt es als Verteidigungsstrategie, dass es erst dann piekst, wenn direkter Kontakt mit der Pflanze gegeben ist.

Stachelbeeren übrigens tragen wiederum vom botanischen Blickwinkel her ihren Namen ebenfalls zu Unrecht. Denn sie haben keine Stacheln, sondern sind genauso ausgerüstet wie ein Kaktus, also mit Dornen. Streng genommen müssten sie also "Dornbeeren" heißen. (jzl/tk)

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