Was hat es mit der "Merkel-Raute" auf sich?

Was bedeutet die Hand-Finger-Haltungsgeste, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Fotos und bei Auftritten im Fernsehen zu sehen ist? (Diese Frage hat Isa Rahnefeld aus Neumark im Vogtland gestellt.)

Die Haltung der Arme und Hände, bei der die Hände mit den Innenflächen so vor dem Bauch gehalten werden, dass die Daumen und Zeigefinger sich an den Spitzen berühren und in etwa die Form einer Raute beschreiben, ist zu einem nonverbalen Markenzeichen der Bundeskanzlerin geworden und hat eine Vielzahl von Spekulationen über die Bedeutung dieser Dauer-Geste in Gang gesetzt. Merkel selbst soll zu ihrer Handhaltung lediglich gesagt haben: "Es birgt eine gewisse Symmetrie." Bereits 2012 erklärte sie, die Raute helfe ihr, den Rücken gerade zu halten.

Eine literarische Interpretation lieferte 2013 das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist", indem es das Zitat aus J. R. R. Tolkiens Fantasy-Saga "Der Herr der Ringe", "One ring to rule them all", "Ein Ring, sie alle zu beherrschen", auf seiner Titelseite mit Kanzlerin nebst Raute abwandelte zu "One woman to rule them all", "Eine Frau, die sie alle beherrscht". Harmloser deutete es 2013 Thorsten Jungholt in der "Welt": "Die Merkel-Raute soll Besonnenheit ausdrücken und die Fähigkeit, die Dinge zusammenzuführen." Seine Kollegin Silke Burmester deutete die Merkel-Raute als Zeichen dafür, dass Merkel - die eine Naturwissenschaftlerin und keine Ausdruckstänzerin sei - die Energie durch das Schließen eines Kreislaufs nach innen durch ihren Körper fließen lasse. Körpersprachenforscher schließlich sprechen vom "Merkel-Dach". Dies sei ein Symbol für Brücken und Nachbarschaft. In weiten Teilen der Bevölkerung noch uneingeschränkt positiv belegt, nutzte denn auch die CDU die Geste im Rahmen einer Personalisierungsstrategie zur Bundestagswahl 2013 und bildete sie auf einem 70 mal 20 Meter großen Riesenposter in Berlin ab. Das Mega-Motiv wiederum setzte sich zusammen aus 2150 kleinen Einzelbildern mit den Händen von Merkel-Unterstützern.

Abschließend ist klarzustellen, dass es sich bei dieser Geste streng geometrisch genommen tatsächlich nicht um eine Raute handelt, weil Merkels Daumen und Zeigefinger, wie die der meisten Menschen nicht gleich lang sind, sondern um ein Drachenviereck. Angesichts der Aggressivität, die in Teilen der Bevölkerung in den vergangenen Wochen der Kanzlerin entgegengebracht wurde, grenzt es da schon an ein kleines Wunder, dass ihr aus diesem Umstand bislang kein neuer beleidigender Beiname erwachsen ist. (tk)

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