Blutzuckermessung: Millimol oder Milligramm?

Ich bin seit 1982 Diabetiker und erlebte noch zu DDR-Zeiten, dass die Blutzucker-Messwerte - wie es hieß - auf internationales Niveau umgestellt werden. Also werden beim Facharztbesuch meine Werte in Millimol ausgewiesen. In den alten Bundesländern wird nach wie vor anders gemessen, nämlich in Milligramm pro Deziliter. Wie kommt das, fragt Wolfgang Behrendt aus Zwickau.

Bei der Angabe der Konzentration des Blutzuckers entsteht in der Tat oft Verwirrung, denn es existieren zwei verschiedene Einheiten: Millimol pro Liter (mmol/L) und Milligramm pro Deziliter (mg/dL). Beide Einheiten sind zulässig und erlaubt.

Wir haben uns beim unabhängigen Diabetes-Portal "Diab-Site" belesen. Danach gibt Millimol pro Liter die Anzahl der Zuckerteilchen pro Liter an. Es handelt sich somit um die Angabe der Stoffmenge. Milligramm pro Deziliter hingegen gibt an, wie viel die in einem Deziliter vorhandenen Zuckerteilchen wiegen. Es handelt sich folglich um eine Gewichtsangabe. Für die Kontrolle des Blutzuckers ist es freilich irrelevant, welche der beiden Maßeinheiten verwendet wird. Beide Blutzuckereinheiten existieren also nebeneinander und der Nutzer muss jeweils wissen, welche das Blutzuckermessgerät anzeigt. Zur Umrechnung von der einen Blutzuckereinheit in die andere existiert eine Formel. Die Resultate aus der Formel stimmen jedoch nur annäherungsweise. Im Internet existieren deshalb auch Online-Umrechner, so auch auf Diab-Site.

Welche Einheit überwiegend verwendet wird, ist von Land zu Land verschieden und historisch bedingt. In Deutschland sind beide Einheiten gängig. Wie Wolfgang Behrendt richtigerweise feststellte, wird im Westen Deutschlands primär Milligramm pro Deziliter verwendet.

Im Osten Deutschlands sowie auch in einigen Kliniken in ganz Deutschland wird hingegen Millimol pro Liter verwendet. International gesehen, ist die Einheit Millimol pro Liter stärker verbreitet als Milligramm pro Deziliter. Das "internationale Niveau", welches die DDR bei der Blutzuckermessung anstrebte, war also durchaus ein berechtigtes Anliegen. (MQU)

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