Edelstahl oder Silber beim Staatsbesuch?

Wir haben gelesen, dass früher an Fürstenhöfen zu Festen neben hochwertigem Geschirr auch Bestecke aus Edelmetallen benutzt wurden. Mit welchen Bestecken wird heute bei Staatsbesuchen, etwa beim Bundespräsidenten, gegessen? Hat sich Edelstahl durchgesetzt oder gibt es noch goldene und silberne Löffel? (Diese Fragen stellte Familie Bernd Gerlach.)

Auch wenn immer von Silberbesteck die Rede ist, aus reinem Silber besteht dieses praktisch nie. Silber ist nämlich ein relativ weiches Metall und deshalb für Alltagsbesteck nicht geeignet. Filigrane Teile wie die Zinken einer Gabel wären viel zu instabil und das Schneiden eines Steaks mit einem Silbermesser wäre unmöglich. Um Silberbesteck alltagstauglich zu machen, wird deshalb in den meisten Fällen Kupfer beigefügt. Es handelt sich also um eine Silberlegierung.

Die hochwertigste Silberlegierung bei Bestecken ist das Sterlingsilber, benannt nach dem Pfund Sterling der britischen Währung. Als Sterling wurden früher die englischen Silberpennys bezeichnet. Sie enthielten 92,5 Prozent Silber und dieser Anteil ist bis heute geblieben. Sterlingsilber wird deshalb auch als 925er Silber oder 925 Silber bezeichnet. Neben dieser Variante ist auch Besteck mit 800er Silber weitverbreitet. Es enthält dann 80 Prozent reines Silber, der Rest ist ebenfalls meist Kupfer.

Diese Zahlen sind in der Regel auch auf den einzelnen Besteckteilen geprägt, als Qualitätsmerkmal. Sind auf dem Besteck Zahlen wie 40, 60, 80, 90, 100 oder 120 zu finden, handelt es sich nur um eine Versilberung. Diese erfolgt in einem galvanischen Bad. In mehreren Schichten wird das Silber aufgetragen, in der Regel auf Messing. Je höher die Zahl, umso stärker ist die Silberschicht. 90 bedeutet zum Beispiel, dass 90 Gramm reines Silber auf 24 Quadratdezimeter Fläche aufgetragen werden. Üblicherweise entspricht diese Oberfläche 12 Gabeln und 12 großen Löffeln.

Beim im Bundespräsidialamt verwendeten Besteck handelt es sich um Silberbesteck mit 925er Sterlingsilber. Es wurde von den Firmen WMF (Württembergische Metallwarenfabrik) in Geislingen an der Steige und der Silbermanufaktur Wilkens in Bremen gefertigt und geliefert. Das teilt das Bundespräsidialamt auf Anfrage mit. Ich habe mit beiden Firmen Kontakt aufgenommen. Die WMF konnte keine Auskünfte zu Art und Preis des Bestecks mehr machen, weil die Lieferung bereits länger zurückliegt.

Bei der Silbermanufaktur Wilkens wusste man noch, dass es sich bei dem gelieferten Besteck um die reich mit Ornamenten verzierte Serie Dresdner Barock handelt. Auf den einzelnen Besteckteilen ist das Wappen des Bundespräsidenten graviert. Welche Teile, wann und zu welchem Preis geliefert wurden, ließ sich aber nicht mehr feststellen. (kaip)

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