Ließ sich der König von Ungarn wirklich seine Krone klauen?

Vor einigen Wochen beschäftigte sich Onkel Max mit der Leserfrage, warum das Christenkreuz auf der berühmten Stephanskrone der früheren ungarischen Könige schief steht. Eine genaue Antwort gibt es nicht, es existieren nur verschiedene Legenden - eine davon war aber offenbar nicht ganz richtig.

Die Stephanskrone, die heute noch Teil des ungarischen Staatswappens ist, war die wohl wichtigste Insignie des Königreichs Ungarn und gilt im Land bis heute als Nationalsymbol - angeblich, weil sie im Jahr 1000 quasi als Lohn für die Christianisierung vom damaligen Papst persönlich an König Stephan I. übersandt wurde. Markant ist dabei das schräg stehende Kreuz, eine offenkundige Beschädigung, die heute nicht mehr genau erklärt werden kann. Die zugegebenermaßen am wenigsten einleuchtende Legende besagt, irgendwer habe das Kreuz als symbolische Verneigung vor Gott verbogen. Laut einer anderen haben die Habsburger, die immerhin einige Jahrhunderte über das Land fremdherrschten, das gute Stück demoliert, weil sie sich vor den der Krone zugeschriebenen magischen Kräften fürchteten. Eine dritte Version geht von einer Art Unfall aus: Nach dem Tod seines Vaters Albrecht von Österreich hatte Ladislaus Postumus (1440 - 1457) Anspruch auf die ungarische Krone, konnte diesen aber vorerst nicht gegen seinen Konkurrenten Jagiellone Wladyslaw durchsetzen. Daraufhin soll er eine Hofdame beauftragt haben, die Krone zu stehlen und nach Österreich zu bringen, wobei das Kreuz beschädigt wurde.

Leserin Sandy Rücker macht jedoch darauf aufmerksam, dass nicht er, sondern seine Mutter die Auftraggeberin gewesen sein muss: "Ladislaus Postumus wurde nach dem Tod seines Vaters Albrecht II./V. geboren (daher Postumus). Noch während der Schwangerschaft seiner Mutter Elisabeth von Luxemburg planten die ungarischen Magnaten, die Krone dem polnischen König Wladyslaw aufzusetzen und die Geburt eines potenziellen Thronfolgers nicht abzuwarten. Elisabeth wollte jedoch um jeden Preis die Thronansprüche ihres noch ungeborenen Sohnes Ladislaus durchsetzen und beauftrage ihre Kammerdienerin und Kinderfrau Helene Kottanner, die Stephanskrone auf abenteuerliche Weise aus der Plintenburg zu stehlen, da nur mit der Stephanskrone eine rechtmäßige Krönung vollzogen werden konnte. Während des Raubes im Februar 1440 soll die Stephanskrone beschädigt worden sein und nicht erst später, als sie zusammen mit Ladislaus Postumus an den späteren Kaiser Friedrich III., welcher zum Vormund von Ladislaus Postumus bestimmt wurde, verpfändet wurde. Nachzulesen ist der Kronenraub in den sogenannten 'Denkwürdigkeiten' der Helene Kottanner, welche wissenschaftlich ediert sind."

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