Seit wann isst der Mensch Fleisch?

Wer hat eigentlich herausgefunden, dass man das Fleisch von Tieren essen kann? Man redet zwar schon in der Urzeit von Jägern und Sammlern - aber es muss doch jemanden gegeben haben, der als Erster probiert hat, Fleisch zu essen? (Dies will Roland Seifert aus Flöha wissen.)

Das stimmt. Allerdings lässt sich beim besten Willen nicht sagen, wer das gewesen ist. Höchstens was: ein Ur-Affe nämlich. Affen sind eigentlich Pflanzenfresser und vor allem auf Früchte aus. Vor Millionen von Jahren gingen sie aber auch zu Insekten, Spinnen und kleinen Säugetieren über - vermutlich wurde derlei zu Beginn einfach mal "mitgegessen". In einem Aufsatz haben etwa Wissenschaftler der Hochschule Bremen dargelegt, dass sich vor rund 10 Millionen Jahren das Klima in Ostafrika von feuchten Regenwaldgebieten in trockene Savanne veränderte. Das hatte nach Ansicht vieler Forscher die Aufspaltung der Hominiden-Populationen in die Linie der Menschenaffen und in die Linie der Menschen zur Folge.

Der aufrechte Gang entwickelte sich vermutlich bereits im Regenwald, dessen Schutz sie nun allmählich verlassen und offene Landschaften betreten mussten. Während der Australopithecus noch zu den Pflanzenfressern zählte, lassen das Gebiss und der Schädel ohne Scheitelkamm des Homo ergaster auf eine Ernährung mit regelmäßigem Fleischkonsum schließen. Der Beginn des "richtigen" Fleischessens geht mit der Entwicklung von Werkzeugen vor etwa 3 Millionen Jahren durch die frühen Menschen einher. Aas war dabei wohl ein wichtiger Nahrungsbestandteil. Das "Aasfresser-Modell" beschreibt einen frühen Menschen, der an Uferwaldzonen geeignete Kadaver suchte: Der Wald entlang der Flüsse bot guten Schutz vor anderen Aasfressern, beispielsweise vor Geiern. Anthropologen bringen den Bremer Wissenschaftlern zufolge die Zunahme der Gehirnmasse in direkten Zusammenhang mit der Verbesserung der Ernährung und somit einer verbesserten Versorgung des Gehirns mit Nährstoffen, wodurch wahrscheinlich ein synergistischer Effekt eintrat. Wachsende Nahrungsqualität und Gehirnzunahme bedingten gegenseitig eine weitere Steigerung. Größere Gehirne befähigten zu komplexerem sozialen Verhalten, was wiederum die Taktiken der Nahrungsbeschaffung verbesserte.

So kommt es, dass Fleisch zum wichtigen Bestandteil der Ernährung des Menschen wurde. Es bietet die wertvollen Mineralstoffe Eisen und Zink. Kein Lebensmittel deckt den Eisenbedarf des Körpers so gut ab wie Fleisch. Eisen sorgt dafür, dass Sauerstoff zu den Zellen transportiert wird. Fleisch ist außerdem ein exzellenter Eiweißlieferant, und das wichtige Vitamin B 12 kommt sogar fast ausschließlich in tierischen Produkten vor. In der Natur ist es damit eine Art "Supernahrung". Ernährungswissenschaftler halten dennoch den Fleischkonsum des heutigen Menschen für viel zu hoch und warnen vor Krankheiten: Unsere Allesfresser-Vorfahren haben es vergleichsweise selten zu sich genommen - schon, weil sie nicht so leicht an größere Portionen herankamen.

Wissenschaftler sehen heute keine Notwendigkeit des Fleischkonsums für die Entwicklung des Menschen mehr. Veganer können auf angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzung mit Vitamin B12 zurückgreifen, um einem seltenen, aber schwerwiegenden Mangel an Vitamin B12 vorzubeugen, weiß zum Beispiel Mediziner Nikolaus Landeck. Zugleich steht die Massentierhaltung, die einerseits die Qualität tierischer Produkte beeinträchtigt und andererseits dem Tierwohl entgegensteht, immer öfter in der Kritik. Knapp die Hälfte der globalen Getreideernte landet zudem in den Trögen der Nutztiere. Dieses fehlende Getreide ist eine der Ursachen für Hunger. Der Wasserverbrauch für die Fleischproduktion ist hoch, außerdem trägt sie in den reichen Ländern zum Klimawandel bei, weil Treibhausgase wie Methan erzeugt werden.

Immer mehr Menschen verzichten deshalb auf tierische Produkte. Die Nichtregierungsorganisation Pro-Veg geht aktuell von rund acht Millionen Vegetarierinnen und Vegetariern in Deutschland aus. Das sind rund 10 Prozent der Bevölkerung. Etwa ein bis zwei Prozent ernähren sich rein pflanzlich, also vegan - Tendenz steigend. (MQU)

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