Warum ist das "Fräulein" nicht mehr modern?

Welche Bewegungen drängten die Anrede "Fräulein" aus unserem Sprachgebrauch und warum? (Dies will Wilfried Schaal aus Langenbernsdorf wissen.)

Ab dem späten 19. Jahrhundert etablierte sich die Anrede "Fräulein" vor allem für berufstätige Frauen (z. B. Angestellte in Warenhäusern und Kellnerinnen), da weibliche Berufstätigkeit damals noch strikt auf die Zeit vor der Ehe beschränkt war. Sich "Frau" zu nennen, war unverheirateten Frauen schlichtweg nicht gestattet. Lockerungen dieser Praxis gab es erst unter den Nationalsozialisten. In der DDR durften unverheiratete weibliche Personen ab 1951 ohne Erlaubnis die Bezeichnung "Frau" führen. In der Bundesrepublik gab es einen ähnlichen Erlass 1955. Während aber in der DDR jenseits der Paragrafen das Wort Fräulein noch bis in die 80er-Jahre hinein gebräuchlich war, sorgte in der BRD die Frauenbewegung dafür, dass der Begriff aus dem Sprachgebrauch verschwand. Bundesbehörden durften seit 1972 den Begriff nicht mehr verwenden. Bereits Jahre zuvor beklagte übrigens eine Frau, warum unverheiratete Männer nicht "Herrlein" genannt werden dürften. (MQU)

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