Warum wird das Wort "Quarantäne" mit "K" statt "Kw" ausgesprochen?

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In Fernsehen und Rundfunk wird ständig "Karantäne" gesagt. Wir sprechen doch auch nicht von Kark, Kalle und Kaulkappe. Warum diese Aussprache? (Diese Frage haben Siegfried Schletter aus Brünlos und Christine Steinbruch sowie Gabriele Pflug aus Plauen gestellt.)

Richtig. Von Kark, Kalle und Kaulkappe redet niemand. Im Deutschen ist es die Regel, dass Fremdwörter, die mit "Q" beginnen, im Anlaut und auch mitten im Wort "Kw" ausgesprochen werden. Aber es gibt wie von so vielen Regeln in der deutschen Sprache auch von dieser Ausnahmen. Der populäre Sprachexperte Bastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod") hat sich auf seiner Internet-Seite "Zwiebelfisch" bereits mit dem Thema beschäftigt, wenige Wochen bevor das Wort "Quarantäne" notgedrungen und coronabedingt in aller Munde geriet. Ihm zufolge gilt eine solche Ausnahmeregel, das "Q" einfach als "K" auszusprechen für Fremdwörter, die wir aus dem Französischen ins Deutsche übernommen haben. "Das trifft auf die ,Quarantäne' zu. Und weil die Franzosen das ,qu' nur wie ein einfaches ,k' sprechen, wurde die Quarantäne auch im Deutschen so gesprochen und folglich nicht zur ,Kwarantäne'", schreibt er.

Das Wort leitet sich von der Zahl 40 ab, die auf Französisch "Quarante" heißt. 40 Tage betrug die Sperrzeit im Hafen für seuchenverdächtige Schiffe. Diese Ausdrucksweise stammt wiederum aus dem Italienischen, wo eine solche Regel zur Eindämmung der Pest bereits im 14. Jahrhundert galt: "Quaranta Giorni", 40 Tage, musste ein Schiff vor Anker gehen, bevor Insassen und Fracht anlanden durften. Die Italiener wiederum sprechen allerdings das "Qu" als "Kw" aus. Wie die alten Römer.

Da das Wort wie bereits gesagt zurzeit in aller Munde ist, bekommt man den Eindruck, als wäre es das Einzige, das auf diese ungewöhnliche Weise ausgesprochen wird. Das ist aber, wenn man etwas länger nachdenkt und in seinem Wortschatz kramt, gar nicht der Fall. Denn wie spricht man etwa den Queue aus, den Stock, mit dem man Billardkugeln anstößt? Wie die Equipage? Wie den Elsässer Speck-Zwiebel-Kuchen Quiche? Nicht Kwö, Ekwipasch oder Kwisch. Sondern - siehe oben.

Was im Deutschen für Fremdwörter aus dem Französischen gilt, trifft übrigens, wie Sick ergänzend anmerkt, auch für solche aus dem Spanischen zu, betrifft dort allerdings vor allem Eigennamen. So führt der Sprachexperte etwa die ecuadorianische Hauptstadt Quito an oder den populären Romanhelden aus der Feder von Miguel de Cervantes, Don Quijote. Niemand, so Sick, käme wohl auf die Idee, den Ritter von der traurigen Gestalt im Deutschen als "Don Kwieschotte" auszusprechen. Dann klänge er gleich noch trauriger. (tk)

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