Wie wurden und werden Mosaike hergestellt?

Wie wurden in der Vergangenheit (z.B. Hagia Sophia Istanbul) und in der Neuzeit (z.B. Erlöserkirche Gerolstein) die Mosaiksteine und Mosaike hergestellt? Insbesondere interessiert mich, wie die kleinen Mosaiksteinchen schadlos aus einer größeren Platte herausgetrennt wurden, das fragt Ute Huth aus Freiberg.

Mosaiken, wie wir sie heute kennen, nämlich aus kleinen und verschiedenfarbigen Teilen zusammengesetzte Muster und Bilder, wurden vor allem von den Griechen (ab 330 v. Chr.) und den Römern (ab 150 v. Chr.) geschaffen. Es folgten die sogenannten frühchristlichen Mosaiken (zwischen 300 und 750 n. Chr.), die einen Schwerpunkt im Byzantinischen Reich hatten und einen Höhepunkt dieser Kunstrichtung markierten. In dieser Zeit wurde auch die Hagia Sophia fertiggestellt (537).

Um die Frage der Herstellung zu beantworten, müssen zunächst zwei grundsätzliche Arten von Mosaiken unterschieden werden: Fußboden und Wandmosaike. Das teilt der Experte Sebastian Watta auf Anfrage mit. Fußbodenmosaike mussten höheren Belastungen standhalten. Sie bestanden deshalb in der Regel aus Steinmaterialien, vor allem unterschiedlich farbigem Kalkstein, manchmal auch Terrakotta. "Dagegen wurden für Wand- und Gewölbemosaiken, zum Beispiel bei der Hagia Sophia, meist Steinchen aus Glas verwendet. Zu dieser Zeit konnte Glas bereits mit verschiedenen Metalloxiden gefärbt werden. Rot wurde zum Beispiel mit Kupfer, blau mit Kobalt erzeugt", sagt Sebastian Watta. Sehr aufwändig zu produzieren waren vor allem die goldenen Mosaiksteine. Solche Mosaiksteinchen bestanden aus Glas, auf das eine Goldfolie aufgebracht wurde. Darauf kam dann noch einmal eine Schicht Glas.

Die einzelnen Mosaiksteinchen wurden bei den Fußbodenmosaiken zumeist aus bei Bauarbeiten oder in Steinbrüchen anfallenden Abfällen gewonnen. Diese wurden in handliche Platten zerkleinert aus denen dann die Mosaiksteinchen in der notwendigen Größe gesägt oder geschnitten wurden. "Dafür gab es ein spezielles Werkzeug, eine in einen Holzblock eingelassene Klinge. Die Steinplatten wurde auf diese Klinge gelegt und mit einem Hämmerchen solange bearbeitet, bis sie entlang der Klinge brachen", erklärt Sebastian Watta. Bei den Glasmosaiken verfuhr man sehr ähnlich. Der Unterschied bestand hier lediglich im Ausgangsmaterial.

Mit dem Erwachen des Interesses für historische Baustile im 19. Jahrhundert kam es auch zu einer Renaissance der Mosaiken. Viele Kirchenneubauten aber auch Wohnhäuser, Industriebauten oder Monumente wurden mit Glasmosaiken versehen. Der größte und bedeutendste Hersteller dieser Glasmosaiken in Deutschland war die Firma Puhl & Wagner aus Berlin-Neukölln. Sie waren auch in den Portalen der in der Pogromnacht 1938 in Brand gesteckten und dann abgerissenen Alten Synagoge in Chemnitz zu finden. (kaip)

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