Wo liegt der größte natürliche See?

Welches ist das größte natürlich entstandene Standgewässer in Sachsen? Zu dieser Frage konnte ich bisher trotz intensiver Recherchen keine Antwort finden. Vielleicht kannst Du mir weiterhelfen, hofft Toralf Jenkner aus Niederbobritzsch.

Es ist kein Wunder, dass unser Leser kein größeres natürliches Standgewässer im Freistaat finden konnte, es gibt keines, das sich im Freistaat in diese Kategorie einordnen ließe.

Entsprechend einer Bestandsaufnahme des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie aus dem Jahre 2013 wurden in Sachsen 30 Standgewässer-Wasserkörper mit einer Größe von mindestens 50 Hektar (zusammen 5030 Hektar) ausgewiesen. Darunter befinden sich Bergbaufolgeseen des Kies- und Braunkohletagebaus, Speicher und größere Talsperren. Weitere 34 Bergbaufolgeseen mit einer Fläche von mindestens 50 Hektar (zusammen zirka 13.800 Hektar) dürften mittlerweile durch Flutung hinzugekommen sein. Darüber hinaus existieren nach der Biotoptypen- und Landnutzungskartierung zirka 28.000 Standgewässer, die jeweils kleiner als 50 Hektar sind. Sie setzen sich aus etwa 1000 temporären Kleingewässern und Tümpeln, 22.300 Gewässern mit jeweils weniger als 1 Hektar Größe sowie 1400 Teichen zwischen 1 und 50 Hektar Größe zusammen. Insgesamt nehmen diese kleinen Stillgewässer unter 50 Hektar Größe eine Gesamtfläche von zirka 14.500 Hektar ein.

Die Teichgebiete sind wesentliche Bestandteile sächsischer Kulturlandschaften und zugleich mit ihren reichhaltigen Biotopmosaiken Zentren der Biodiversität. Aber auch diese sind künstlich angelegt. Ihre Anlage und Nutzung reicht teilweise sogar bis in das 13. Jahrhundert (meist aber 15. bis 16. Jahrhundert) zurück und macht sie zu einem bemerkenswerten historischen und hydrografischen Landschaftselement.

Teichgebiete finden sich in allen Teilen des Freistaates Sachsen. In deutschlandweit einmaliger Dichte prägen sie im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet mit zahlreichen, zum Teil eng beieinander liegenden Teichgruppen immer noch das Landschaftsbild. Von überregionaler Bedeutung sind außerdem der große Torgauer Teich, die Teichgebiete von Moritzburg, Wermsdorf, Eschefeld sowie auch von Großhartmannsdorf. Die sächsischen Teiche sind teilweise bereits vor über 600 Jahren zur Aufzucht von Fischen, überwiegend Karpfen, und als Bergwerksteiche angelegt worden und haben zum Zwecke der Fischproduktion bis heute überdauert, dienen teilweise aber auch der Brauch- und Rohwasserbereitstellung und dem Hochwasserschutz. Etwa 1500 Teiche werden fischereilich genutzt.

Die Teiche erfüllen nicht nur Nutzungsfunktionen, sondern stellen häufig auch naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar. Der naturschutzfachliche Wert eines Teiches steigt bei nicht zu hoher Bewirtschaftungsintensität in der Regel mit seiner Strukturvielfalt beispielsweise durch vielgestaltige Ufer und Flachwasserbereiche. Aus der Sicht des Vogelschutzes bemerkenswerte Bereiche außerhalb der Oberlausitz sind zum Beispiel die Moritzburger Teiche, das Wermsdorfer Teichgebiet und die Eschefelder Teiche.

Kleine Gewässer sind naturschutzfachlich ebenfalls sehr bedeutsam und weisen, wie größere Gewässer auch, sehr unterschiedliche Zustände auf. Neben naturnahen Ausprägungen gibt es viele anthropogen überprägte kleine Gewässer, die ihre naturhaushaltlichen Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen.

Sachsen zählt in Deutschland übrigens zu den Bundesländern mit den meisten Stauanlagen, insbesondere Talsperren. So ist die Landestalsperrenverwaltung für rund 140 Stauanlagen (einschließlich Vorsperren und Vorbecken) mit zirka 600 Millionen Kubikmetern bewirtschaftetem Gesamtstauraum verantwortlich.

Tagebaurestseen und Baggerseen sind im Zusammenhang mit Bergbau auf Braunkohle oder Kies entstanden beziehungsweise im Entstehen begriffen. Räumliche Schwerpunkte bilden dabei das Lausitzer Braunkohlenrevier und das Mitteldeutsche Revier. Hier waren und sind ganze Seen-Landschaften in Entwicklung, die das Landschaftsbild und den regionalen Landschafts(wasser)haushalt, aber auch das Nutzungspotenzial erheblich verändern. (MQU)

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