Diese Frau kann Gesichter retten

Zuzana Vodslon pendelt am HBK zwischen Krankenhaus-Arbeit und privatärztlicher Sprechstunde. Ihr Ziel: Sie möchte den Patienten das Leben verschönern.

Zwickau.

Sie kann Menschen das Leben wieder lebenswert machen. Manchmal. Manchmal aber muss sie von ihren Patienten verlangen, den ersten Schritt selbst zu gehen. Denn zu Wundern ist Zuzana Vodslon nur bedingt fähig. Das ist auch in ihrer neuen privatärztlichen Sprechstunde nicht anders.

Seit einem Jahr ist die plastische Chirurgin Oberärztin an der Klinik für Handchirurgie und Rekonstruktive Mikrochirurgie am Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) in Zwickau. Dort ist sie mit ihrer Ausbildung, die sie zum Teil in den USA und in Dänemark absolviert hat, mit einer besonderen Aufgabe betraut: Sie kann mit ihrem Team Menschen ein Leben zurückgeben.

Ihr Fachgebiet gewann nach dem Ersten Weltkrieg an Bedeutung, als Menschen entstellt und mit schlimmen Verletzungen von den Schlachtfeldern heimkehrten. Zu Hause starben sie einen sozialen Tod - und das galt lange Zeit auch für die Opfer von Verbrennungen. Denn: "Abgesehen von seiner mechanischen Funktion hat ein Gesicht auch eine soziale Funktion - es soll aussehen wie ein Gesicht", sagt die Frau, die in Prag in einem der größten Behandlungszentren für Verbrennungen gearbeitet hat. Fachleute wie Zuzana Vodslon haben die Gabe, Menschen ein Gesicht zurückzugeben. Und nicht nur das: In der Klinik für Handchirurgie lässt sie auch Finger wieder anwachsen. Denn, so bestätigt es die Ärztin, abgesägte Finger sind eine häufige Art von Unfällen.

Eine andere Gruppe von Patienten betreut die Fachfrau nun auch in einer privatärztlichen Sprechstunde, die sie in der Poliklinik des HBK an der Bahnhofstraße in Zwickau abhält. "Das sind Leute, die von sich aus den Wunsch verspüren, etwas an sich zu verändern." Jedoch sagt sie fast im selben Atemzug, dass sie keine Wunder bewirken kann. "Manchmal kommen Leute mit einem Body-Maß-Index von 40 zu mir und denken, ich könnte sie schlank saugen." Eine fehlgeleitete Lebensführung allerdings könne sie nicht wegoperieren. Aus diesem Grund besteht ein nicht unwichtiger Teil ihrer Arbeit als ästhetische Chirurgin im Reden und im Ausreden.

Dennoch hält sie den Wunsch nach einer optischen Veränderung nicht für verwerflich. "Ich kann den Leidensdruck verstehen, wenn sich Menschen nicht mehr im Spiegel sehen mögen." Sie versucht zu helfen, tüftelt eine passende Behandlung aus. Tüfteln -dieses Wort trifft gut auf ihre Arbeit zu. "Jeder Mensch ist anders, und jeder Fall ist anders." Nicht von ungefähr waren es oft plastische Chirurgen, die neue Behandlungsmethoden entwickelt haben. Und nicht umsonst schlägt sich die Arbeit in den Hobbys vieler Kollegen nieder: "Viele von uns malen, basteln oder schnitzen." Sie selbst gehört zu den Malenden.

Ihr Fach gehört zu denen, die oft missverstanden werden. "Das liegt daran, dass oft die besonders krassen Fälle bekannt werden", sagt sie. "Jeder kennt Michael Jacksons abgefallene Nase. Aber kaum einer weiß, dass er in erster Linie ein Verbrennungsopfer war." Solchen Opfern zu helfen, ist eine ihrer Aufgaben im Krankenhaus. Und wer nach einer Zeit des Leidens wieder ein richtiges Gesicht im Spiegel sieht - der muss sich fühlen wie neu geboren.

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