Alle Parteien verlieren an Mitgliedern - außer zwei

Die Basis von CDU, SPD und Co. im Erzgebirge schrumpft. Vor allem FDP und Linke leiden unter dem Mitgliederschwund. Gewinner gibt's aber auch.

Aue/Schwarzenberg.

Bei den Parteien im Erzgebirgskreis laufen die Vorbereitungen für das Superwahljahr 2019 auf Hochtouren - auch in der Adventszeit. Gleich drei Wahlen stehen an: Kommunal-, EU- sowie Landtagswahl. Doch wie sind die Parteien personell darauf eingestellt, wer hat die größte Basis, wer konnte in den vergangenen Jahren zulegen, wer hat an Mitgliedern verloren? Die "Freie Presse" hat bei den im Kreistag vertretenen Parteien nachgefragt. Die Ergebnisse überraschen.

Die CDU: Platzhirsch in Sachen Mitgliederzahlen sind derzeit die Christdemokraten mit 1375 Mitgliedern zum Halbjahr 2018. Doch es gibt ein Problem: Seit 2012 hat die Partei nach eigenen Angaben 187 Anhänger verloren. Der Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Falk Haude führt das auf die demografische Entwicklung zurück. So hielten sich Ein- und Austritte 2018 fast die Waage, 21 verstorbene Mitglieder trübten jedoch die Bilanz.

Um in Zukunft Mitglieder zu gewinnen, müsse sich die Partei öffnen, sagt Haude. So bemühe man sich darum, Parteilose als CDU-Kandidaten für die Kommunalwahl zu gewinnen. Der Altersschnitt liegt aktuell bei 60,5 Jahren, der Frauenanteil bei 30 Prozent.

Die Linke: Deutlich weiblicher ist die zweitgrößte Partei in der Region - die Linkspartei. Mit 46,5 Prozent weist sie den höchsten Frauenanteil auf. Der Altersdurchschnitt liegt dafür mit 68 Jahren so hoch wie bei keiner anderen Partei. Insgesamt kommen die Linken auf 598 Mitglieder. 2012 waren es noch 838. Das entspricht einem Minus von 29 Prozent. Auch hier gilt die Überalterung als Hauptgrund. Kreisgeschäftsführerin Andrea Schrutek erklärt zudem: "Es gibt zu wenig Menschen, die sich aktiv in die Politik einbringen wollen." Die "weißen Flecken", wo die Partei keine Kandidaten stellen kann, würden deshalb in Zukunft zunehmen.

Die SPD: Auf aktuell 240 Mitglieder kommen die Sozialdemokraten im Kreis. Ende 2012 waren es noch 295. Trotz der Verluste verzeichnet Kreischefin Simone Lang derzeit "eine optimistische Grundstimmung". Junge Mitglieder, die sich als Kandidaten für die nächste Landtagswahl stellen, würden frischen Schwung mitbringen. Die Gruppe der Unter-35-Jährigen ist mit 11 Prozent derzeit aber relativ klein. Die Mehrzahl der Mitglieder (52 Prozent) ist 60 Jahre oder älter. Der Frauenanteil beträgt 24 Prozent. Die AfD: Kräftig zugelegt hat in den vergangenen Monaten die Alternative für Deutschland. Von null Mitgliedern im Jahr 2012 schafft es die Partei derzeit auf 176. Weitere zehn Mitgliedsanträge seien derzeit in Bearbeitung, sagt AfD-Sprecher Thomas Dietz. Mit einem Altersschnitt von 50 Jahren ist die Partei mit die "jüngste", der Frauenanteil ist dafür mit 15 Prozent so niedrig wie bei keiner anderen Partei im Vergleich.

Die FDP: Mit 148 Mitgliedern zum Halbjahr 2018 landen die Liberalen knapp hinter der AfD. Der Altersdurchschnitt liegt bei 55 Jahren, die Frauenquote bei 30 Prozent. Auch die FDP hat an Mitgliedern eingebüßt (2012: etwa 230 Mitglieder). Im Wahlkampf wolle man nun aber neue Mitglieder gewinnen, betont Kreischef Heiko Schmuck.

Die Grünen: Mit 71 Mitgliedern die kleinste Partei im Vergleich sind derzeit die Grünen. Besonders: Vor ein paar Jahren waren es nur 51 Mitglieder. "Wir als Grüne verzeichnen seit der Bundestagswahl 2017 einen Mitgliederzuwachs, den wir vorher nie kannten", sagt Kreischefin Ulrike Kahl. Als Grund nennt sie den "Rechtsruck in der Gesellschaft", dem die Neumitglieder etwas entgegensetzen wollten.

Die Anderen: Im Kreistag vertreten sind auch die Freien Wähler (FW) - keine Partei, sondern eine Wählervereinigung. Im Erzgebirge gibt es davon sieben Stück. Mit 122 Mitgliedern die zahlenmäßig größte ist das FW Bürgerforum im Altkreis Annaberg. Zahlen zu den anderen Vereinigungen liegen laut Grit Förster aus dem Vorstand der FW Erzgebirge derzeit nicht vor. Die NPD kommt nach eigenen Angaben derzeit auf 38 Mitglieder. Laut Kreischef Stefan Hartung stagniert deren Anzahl in den vergangenen Jahren.

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