Einst Scheune - heute Lebensraum für Generationen

In den 1990er-Jahren hat Familie Junginger das Erzgebirge kennengelernt. Nun hat sie mithilfe von Fördermitteln eine ehemalige Scheune als Wohnhaus hergerichtet und ist aus dem schwäbischen Heidenheim nach Grießbach gezogen. Jetzt lebt sie dort in einem Drei-Generationen-Haus. Zwei Söhne erwägen ebenfalls einen Umzug.

Grießbach.

Die Eingangstore mit den mächtigen Holztüren, die hohen Räume und die Holzbalken erinnern noch daran, dass das Gebäude in der Grießbacher Dorfstraße nicht immer zum Wohnen genutzt wurde: Um 1887 war es als Scheune gebaut worden. Heute lebt darin Familie Junginger mit drei Generationen. Im Dachgeschoss können sich außerdem Feriengäste einmieten.

Unterstützung für den Umbau haben Ursula und Bernd Junginger vom Leader-Förderprogramm bekommen: 60.000 Euro haben der Freistaat Sachsen und die Europäische Union bezahlt. Ihr Architekt hatte sie auf das Programm aufmerksam gemacht, berichtet Bernd Junginger. Selbst Stadtplaner mit eigenem Ingenieurbüro, hatte er ihn beauftragt, da er keine Kontakte zu den örtlichen Gewerken hatte. Insgesamt hat die Familie aus Heidenheim bei Ulm rund 400.000 Euro investiert.


Ende 2016 haben die Bauarbeiten angefangen, ein Jahr später war das Gröbste geschafft. Nun können die Jungingers mit ihrer jüngsten Tochter das Leben in der ehemaligen Scheune genießen: In ihrer Wohnung sind fast alle Räume nach oben offen, sodass man selbst aus der Dusche den Blick auf die Holzdecke hat. Ein Ofen aus einer Elterleiner Manufaktur beheizt die Räume. Vom großen Fenster am Esstisch geht der Blick hinaus auf die 16 Hektar Wiesen und Felder, die zum Grundstück gehören, und auf den Garten, den die Familie dieses Jahr in Angriff nehmen will.

Anfang der 1990er-Jahre hatten die Jungingers in Pöhla gelebt, doch weil sie ein Haus in Heidenheim hatten, kehrten sie dorthin zurück, erinnert sich Ursula Junginger: "Mein Mann lag mir immer in den Ohren, dass er wieder ins Erzgebirge will." Inzwischen arbeitet sie als Grundschullehrerin in der Region. Bernd Junginger ergänzt: "Ich wollte lieber mit Anfang 50 etwas Neues starten als mit Anfang 60." Einer ihrer Söhne hatte das Objekt im Internet entdeckt. Vor allem den Zugang zu den Wiesen und die Randlage fanden sie schön. "Auch die Bausubstanz war gut", sagt er. Ihre Tochter, die Angst hatte, den Kontakt zu ihren Freunden zu verlieren, fällte nach einem Besuch das Urteil: "Leider sehr schön." Von ihren fünf Kindern überlegten inzwischen auch zwei Söhne herzuziehen. Der Vater von Ursula Junginger lebt schon in Grießbach - in einer eigenen Wohnung in dem umgebauten Haus.

Die Jungingers gehörten 2016 zu den ersten Familien im Gebiet, die für die Umnutzung ländlicher Bausubstanz Fördermittel aus dem Leader-Programm bekommen haben, berichtet Regionalmanagerin Elena Weber vom Verein zur Entwicklung der Zwönitztal-Greifensteinregion: "Leader gibt es europaweit, aber nur in Sachsen wird der Ansatz verfolgt, dass die Regionen entscheiden, wofür Geld ausgegeben werden soll." Die Entwicklungsstrategie werde fortlaufend an die Bedürfnisse angepasst. "Wir haben uns etwa entschieden, junge Familien stärker zu fördern", so Weber. "Sie in der Region zu halten, ist existenziell." Inzwischen sind für diese Vorhaben nur noch rund 350.000 Euro übrig.

www.zwoenitztal-greifensteine.de


Programm steht vor ungewisser Zukunft

In der Leader-Region Zwönitztal-Greifensteine wurden von 190 eingereichten Projekten 110 für eine Förderung ausgewählt, so Regionalmanagerin Elena Weber. Bis 5. April können sich Privatleute, Vereine und Kommunen wieder bewerben.

Von den rund 15,8 Millionen Euro Gesamtbudget sind 11 Prozent übrig. Der Verein hilft Bewerbern bei der Antragstellung. Bis zum Einreichen vergeht mitunter ein Jahr, erklärt Elena Weber. Geduld ist auch danach nötig: Erst 49 der 110 Projekte haben ihren Förderbescheid vom Landratsamt erhalten.

Sachsen hat von 2014 bis 2020 rund 427 Millionen Euro für das Förderprogramm zur Verfügung. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) besuchte die Region, um sich über die Vorhaben zu informieren. Nach 2020 rechnet er nicht sofort mit einer neuen Förderperiode: "Das wird sich durch die EU-Wahl verschieben." Er wolle sich deshalb im April in Brüssel für eine Übergangslösung einsetzen. (kala)

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