Frühlings- und Todesbote zugleich

Die Alkaloide des Schneeglöckchens sind schon manchem Kleintier zum Verhängnis geworden.

Zschopau/Marienberg.

Es ist unscheinbar, aber nicht ganz ungefährlich: Zumindest Kleintieren ist das in Mitteleuropa beheimatete Kleine Schneeglöckchen schon zum Verhängnis geworden. Vergiftungsfälle sind dem Rübenauer Biologen Kay Meister zum Beispiel von Meerschweinchen und Kaninchen bekannt. Zugleich vermutet er eine hohe Dunkelziffer. Denn weil die Blätter des Frühblühers den ganzen Sommer hinweg stehen bleiben und sich in Gärten kaum von der Grasnarbe abheben, dürften nur die wenigsten Kleintierhalter bei einem plötzlichen Tod ihres Tieres die Ursache erkennen.

Vergiftungserscheinungen beim Menschen machen sich durch vermehrten Speichelfluss, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar. "Es kann auch zu Kreislaufstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen", sagt Kay Meister. Dafür müssten allerdings schon große Mengen aufgenommen werden.

Narzissengewächse, zu dem das Schneeglöckchen zählt, besitzen mehrere giftige Alkaloide. Zu diesen stickstoffhaltigen, organischen Verbindungen gehört das Galantamin. Ein in der Medizin bekannter Stoff, der als Arzneimittel gegen Alzheimer eingesetzt wird und den Verlauf der Krankheit abschwächen soll. "Es gibt Studien, wonach Galantamin eine gewisse Auswirkung auf die Merkfähigkeit der Patienten besitzt", erläutert der Diplom-Biologe. Für den Arzneimittel-Einsatz wird das Gift heute synthetisch hergestellt. Die Medikamente besitzen Meister zufolge aber auch starke Nebenwirkungen.

Etwa 20 Arten kommen von Mittel-, Südeuropa bis Vorderasien und den Kaukasus vor, aber nur das Kleine Schneeglöckchen ist im Erzgebirge zu finden. Es stammt ursprünglich aus Bayern und Baden-Württemberg.

Wild vorkommende Arten sind geschützt und dürfen nicht gepflückt werden. Allerdings scheint die ursprüngliche Form in hiesigen Gefilden heute nicht mehr zu wachsen, sondern nur noch kultiviert in Gärten, erklärt Kay Meister. "Das sind Schneeglöckchen, die aus verschiedenen Wildarten gekreuzt wurden." Nach dem Krimkrieg, der von 1853 bis 1856 dauerte, haben Soldaten Pflanzen mitgebracht und in englischen Gärten mit anderen Arten gekreuzt. Inzwischen gibt es mehr als 800 Sorten. "Unsere Gartenschneeglöckchen besitzen möglicherweise noch einen ganz kleinen genetischen Anteil der ursprünglich wild vorkommenden Pflanze", vermutet Meister. In Großbritannien gibt es übrigens Züchter, die bestrebt sind, so viele Arten wie möglich anzupflanzen. "Manche seltene Pflanze wurde da schon zum Spekulationsobjekt."

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