Geruchsbelastung: Kindergarten macht Sportraum dicht

Weil die Ausdünstungen selbst nach langer Zeit nicht nachgelassen haben, hat die Gemeinde Heidersdorf nun gehandelt - auch das Gesundheitsamt hat sich eingeschaltet. Die Ursache ist noch unklar.

Heidersdorf.

An der Eingangstür zum Sportraum des Heidersdorfer Kindergartens klebt ein von den Kindern selbstgestaltetes Willkommensschild. Doch momentan können die Mädchen und Jungen hier niemanden begrüßen. Und nicht einmal sie selbst dürfen hineingehen. Die Kommune hat den Raum im Anbau des Hauses vorerst dichtgemacht. Inzwischen liegt auch ein Gutachten vor, in dem eine Nutzungsuntersagung gefordert wird.

Grund für die Schließung ist eine ungewöhnliche Geruchsbelastung im Raum, die Heidersdorfs Bürgermeister Andreas Börner (PBI) nach eigenen Angaben schon seit Längerem von einem Sachverständigen prüfen lassen wollte. Nach Informationen des Landratsamtes hat er Anfang Mai das Gesundheitsamt des Erzgebirgskreises auf den Zustand aufmerksam gemacht. Bei einem anschließenden Vor-Ort-Termin, bei dem es laut Börner um eine allgemeine Begutachtung des Kindergartens ging, waren demnach auch Vertreter des Gesundheitsamtes anwesend und haben sich von der Geruchsbelastung überzeugen können. Laut Landratsamt wurde daraufhin die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) in Chemnitz eingeschaltet, die Mitte Juli die Innenluft gemessen hat.

Die Ergebnisse liegen dem Gesundheitsamt nun in Form eines Gutachtens vor - und sind nicht ohne. Die Behörde spricht von einer Formaldehyd-Belastung, die deutlich über dem aktuellen, vom Bundesumweltamt vorgegebenen Richtwert liege. Zudem gebe es eine "erhöhte Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen". Dies könne bei empfindlichen Personen zu gesundheitlichen Beschwerden beziehungsweise zu Geruchswahrnehmungen führen.

In der Tat: Beim Eintreten in den Raum, in dem sonst Kinder turnen und spielen, dringt ein strenger Geruch in die Nase, ähnlich dem von neuem Kunststoff. Zwar nimmt die Intensität nach ein paar Minuten ab. Doch der ungewöhnliche Grundgeruch in dem Raum sei von Beginn an aufgefallen, so Kindergartenleiterin Marion Schmotz. "Wir sind davon ausgegangen, dass sich der Geruch irgendwann verflüchtigt", sagt sie. Doch das ist nicht passiert.

Unklar ist bislang, woher die Ausdünstungen rühren. Heidersdorfs Bürgermeister vermutet, mit hoher Wahrscheinlichkeit handele es sich um den Boden, der aus PVC besteht. Sicher ist das aber nicht. In dem Raum gibt es außerdem ein Klettergerüst aus Holz, unter dem Fallschutzmatten liegen, sowie Schallschutz an der Decke. Auch dieses Material könnte den Geruch verursachen - das ist jedoch wenig wahrscheinlich, da es erst nachträglich im Raum installiert wurde.

Aufklärung zur Ursache soll jetzt die Untersuchung eines Sachverständigens bringen. Das empfiehlt auch das Gesundheitsamt. Es müsse zeitnah gehandelt werden, heißt es, um die Belastung zu reduzieren. Möglich ist das laut Einschätzung der Behörde nur, in dem die Geruchsquelle festgestellt und beseitigt wird - "mit entsprechender Anschluss-Sanierung". Im September rechnet Börner mit ersten Erkenntnissen und will dann einen Maßnahmenplan erstellen.

Allerdings steht die Frage im Raum, warum die Schließung erst jetzt erfolgt. Den Raum gibt es, seit der Kindergarten 2009/10 einen neuen Anbau erhielt. Kindergartenleiterin Schmotz erklärt dazu, es habe über die ganze Zeit keinerlei Beschwerden wegen des Geruchs gegeben - weder von Erzieherinnen, noch von Kindern oder Erziehungsberechtigten, die den Raum auch für Elternabende nutzen. Elternsprecherin Janine Werner sagt, ihr seien ebenfalls keine Klagen über eine Geruchsbelästigung bekannt. Bei einer Elternversammlung vergangenes Jahr sei über das Thema gesprochen worden. Die Leiterin habe damals von sich aus erklärt, dass die Raumluft untersucht werden soll, so Werner. Seitdem habe sie nichts weiter davon gehört.

Heidersdorfs Bürgermeister, dem der Geruch nach seinem Amtsantritt 2015 ebenfalls aufgefallen war, verweist gleichfalls darauf, dass es keine Beschwerden und demnach keinen akuten Handlungsbedarf gegeben habe. Nachdem 2017 jedoch bekannt wurde, dass ein belasteter Fußboden in der Seiffener Grundschule zum Problem wird, habe Börner die Prüfung im Sportraum des Heidersdorfer Kindergartens ins Auge gefasst. In Seiffen hatten Schüler damals über Unwohlsein mutmaßlich infolge von Bodenausdünstungen geklagt. Eine Auseinandersetzung zwischen Eltern, der Schulleitung und Seiffens Bürgermeister Martin Wittig war die Folge.

Für Heidersdorf wird in dem aktuellen Gutachten der LUA nun gefordert, die routinemäßige Nutzung des Gruppenraums zu untersagen und streng zu lüften. Zudem werden weitere Kontrollmessungen empfohlen. Laut Kindergartenleiterin Schmotz kann die Schließung des Raumes momentan kompensiert werden, da die Kinder ohnehin draußen spielten. Und wenn diese länger anhalten sollte, könne in die Turnhalle in der Nähe des Rathauses ausgewichen werden.

Sollte die Ursache zweifelsfrei feststehen, will Börner auch auf den Lieferanten des entsprechenden Materials zugehen - in der Hoffnung auf Kompensation. Der gesamte Anbau des Kindergartens hat rund 240.000 Euro gekostet. Der Bodenbelag des Sportraums macht zwar einen vergleichsweise geringen Anteil von rund 4800 Euro aus. Aber ärgerlich sei das ganze trotzdem, so Börner.

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1Kommentare
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    Interessierte
    11.08.2018

    Das müßte man doch an sich schon dort riechen , wie diese Fußbodenrollen liegen , warum legt man denn das dann erst aus ???
    Und der , der die herstellt , muß doch auch wissen , was er dort einbringt ????



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