Kater Siggi beschäftigt die Gerichte

Eine Katze anfüttern und behalten: Ist das statthaft? Das war die Frage, die am Dienstag im Amtsgericht Aue großes Medieninteresse auslöste.

Aue/Grünstädtel.

Ein Kameramann richtet sein Objektiv auf die Angeklagte, mehrere Medienvertreter und Gäste nehmen im Gerichtssaal Platz. In wenigen Augenbli- cken soll die Verhandlung im Raum 204 im Amtsgericht Aue beginnen.

Richter Detlef Kramer betritt den Raum und komplimentiert den Kameramann nach draußen. Ohne Genehmigung keine Filmaufnahmen. In der Verhandlung geht es weder um schweren Raub noch ein Gewaltverbrechen, sondern um einen Kater. Eine Rassekatze Main Coon. Diese Samtpfote hatte im Februar 2019 einen Polizeieinsatz ausgelöst. Oder vielmehr deren Eigentümerin. Denn sie hatte beobachtet, dass ihr Kater - bis dato ein Freigänger - immer öfter nicht nach Hause zurückkehrte. Er schnorrte sich lieber bei den Nachbarn durch. Erhielt dort Futter und Obdach. Dem Vierbeiner gefiel das offenbar, denn er wurde mehrfach bei Nachbarn gesehen. In einem Haus war er besonders häufig zu Gast. Im Haus der Angeklagten. In diesem hat sie ihre Firma und Wohnungen für sich und ihren Vater. In dieser - im ersten Obergeschoss - hat sich der Kater über lange Zeit aufgehalten.

Die Klägerin und Eigentümerin des Tieres hatte nach eigenen Angaben mehrfach die Angeklagte darum gebeten, den Kater nicht mehr zu füttern und ihr Bescheid zu geben, wenn er gesichtet wird, damit sie ihn abholen könne. Sie hatte gar im Dorf eine Suchaktion gestartet. Ihre beiden Kinder würden die Samtpfote sehr vermissen. Doch nichts geschah. Die Bitte verhallte ungehört. Eine Zeugin aus der Nachbarschaft schilderte vor Gericht, dass der Kater ein Freigänger war, oft herumstromerte und dass sie ihn mehrfach gepackt und zur Eigentümerin zurückgebracht habe. Das klang vorwurfsvoll. Bei der Vernehmung durch die Polizei im Februar 2019 hatte die Zeugin jedoch auch gesagt, dass sie es nicht richtig finde, dass jemand ein Tier füttere, dann aber nicht mehr herausgeben wolle.

In diesen beiden Aussagen sah Richter Kramer einen massiven Widerspruch. Die Staatsanwältin sah dies ähnlich und fasste zusammen: "Ein Tier füttern ist etwas anderes, als behalten und nicht mehr herausgeben, wenn der Eigentümer darum bittet." Aber genau das habe die Klägerin mehrfach getan, sowohl im persönlichen Gespräch als auch schriftlich, wie sie dem Gericht glaubhaft belegen konnte. Die Staatsanwältin plädierte laut Anklage der gemeinschaftlichen Unterschlagung auf eine Verurteilung der Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen á 50 Euro. Der Verteidiger indes auf Freispruch, schließlich habe niemand seine Mandantin jemals mit der Katze gesehen. Das Tier wurde lediglich in der Wohnung ihres Vaters gesehen und fotografiert. Da die Anklage aber auf "gemeinschaftliche Unterschlagung" lautete, gab der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und verhängte 30 Tagessätze á 60 Euro. Dagegen wird die Angeklagte in Berufung gehen. Kater Siggi ist seit August 2019 wieder Zuhause, aber kein Freigänger mehr.

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