Kurze Nächte an kalten Tagen

Advent Hektik statt vorweihnachtliche Gemütlichkeit, Arbeitsstress statt Besinnlichkeit. Wie kommt bei Erzgebirgern trotzdem Vorfreude auf? Heute: der Winterdienstler.

Schindelbach.

Morgens, 4 Uhr in Schindelbach. Das Thermometer zeigt knapp unter null Grad. Während viele noch schlafen, verlässt Tino Schott bereits das Haus, steigt in seinen Traktor und startet den Motor. Alltag für den 42-Jährigen. Kurze Nächte an kalten Tagen gehören für den verheirateten Familienvater in den Wintermonaten und der Adventszeit zur Routine. Seit nunmehr fast 15 Jahren fährt der Erzgebirger Winterdienst.

Genauso lange ist es her, dass sich Tino Schott als Forstdienstleister und Holzhändler selbstständig gemacht hat - das Hauptstandbein des Unternehmers. Doch von Beginn an sorgen der Schindelbacher und sein kleines Team in der kalten Jahreszeit auch für schnee- und eisfreie Straßen. Zunächst als Dienstleister für ein Autohaus, danach für den Forst und seit fünf Jahren im Auftrag der Gemeinde Großrückerswalde.

Auch in diesem Jahr hat er seine beiden Traktoren pünktlich mit Schneepflug und Streugerät ausgerüstet. Gemeinsam mit einem weiteren Fahrer sowie zwei Aushilfen ist er für etwa 50 Kilometer Straßen in Schindelbach, Niederschmiedeberg und Mauersberg verantwortlich. Von der Gemeinde bekommt er eine Liste mit den Verkehrswegen übermittelt, die beräumt werden müssen. Anhand derer erstellt er einen Tourenplan. "Manches hat Vorrang, Hauptstraßen und Bushaltestellen zum Beispiel", erklärt Tino Schott.

Seine erste Fahrt in diesem Winter hat er bereits hinter sich. Auch wenn noch kein Schnee liegt, gesalzen werden muss trotzdem. Ein normaler Tag beginnt früh, 4 Uhr. Sind die Straßen weiß, benötigt der 42-Jährige etwa fünf Stunden für eine Tour. Abends dreht er eine zweite Runde. "Außer, es schneit ununterbrochen. Dann dauert der Arbeitstag durchgängig bis abends 22 Uhr."

In strengen Wintern kann da schon Stress aufkommen. Trotzdem behält Tino Schott die Ruhe. Und er kann dem frühen Aufstehen und den abendlichen Fahrten sogar etwas Gutes abgewinnen: "So bleibt Zeit, die Nachmittage mit den Kindern zu verbringen." Zudem wissen einige Einwohner - besonders über die Weihnachts- und Feiertage - zu schätzen, dass der Familienvater bei Wind und Wetter unterwegs ist, um die Straßen möglichst frei zu bekommen: "Es gibt schon mal ein Päckchen Kaffee oder eine Flasche Glühwein als Dankeschön."

Doch Tino Schott erlebt auch das Gegenteil. Es seien immer dieselben, die sich wegen zugeschobener Einfahrten beschweren. Schneepflugfahrer hätten keine Lieblingsseite, räumt der 42-Jährige mit einem Vorurteil auf: "In den meisten Fällen bleibt uns gar keine andere Wahl, als den Schnee in diese Richtung zu schieben." Er hofft auf mehr Verständnis für den Winterdienst. Und mehr gegenseitige Rücksicht - erst recht in der Weihnachtszeit.

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