Laptop-Spenden ermöglichen digitales Lernen

Dank der Technik können die Mädchen und Jungen der Marienberger Trebra-Oberschule sich auch von zuhause aus in den Unterricht einbringen. Doch die Hemmschwelle liegt hoch.

Marienberg.

Wie wichtig digitaler Unterricht sein kann, das hat die Corona-Krise in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gezeigt. Doch mitunter bleiben Familien außen vor, insbesondere wenn die nötige Technik nicht vorhanden ist.

Deutlich wird dies am Beispiel der Oberschule Heinrich von Trebra in Marienberg. Dort haben etwa 100 der 450 Schülerinnen sowie Schüler nur eingeschränkt oder gar keinen Zugriff auf einen Computer. Zum einen gibt es Familien, in denen die Eltern von zu Hause aus arbeiten und in denen gleich mehrere schulpflichtige Kinder den Computer nutzen wollen. Zum anderen fehlt es mitunter an den finanziellen Mitteln, einen Computer anzuschaffen. Damit stellte sich während der Corona bedingten Schließung des Schulgebäudes häufig die Frage: Wie am virtuellen Unterricht teilnehmen? Schließlich reichen Handys zum Erzeugen von Textdateien oder Tabellenkalkulationen nicht aus. Das Problem stellte viele Familien vor die Zerreißprobe.

"Aus diesem Grund haben wir im Kollegium schon sehr früh nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir unseren Schülerinnen und Schülern ausreichend technische Möglichkeiten bieten können", betont Schulleiterin Norma Grube. So sei das Team auf einen Spendenaufruf gekommen. Etwa 25 Laptops fanden auf diese Weise den Weg in die Oberschule. Auch wenn es sich dabei nicht um die neusten Modelle handelt, helfen sie den Schülern sehr. Neben Privatspendern, von denen einige aus dem Lehrerkollegium selbst kamen, beteiligten sich Unternehmen der Region.

Dann geschah jedoch etwas Unerwartetes. "Wir hatten angenommen, dass die Geräte wie warme Semmeln weggehen. Es kam jedoch nicht so", sagt die Schulleiterin. Erst zehn Laptops sind demnach in Verwendung. Offenbar liege die Hemmschwelle, nach den Geräte zu fragen, zu hoch. Vielen komme die Frage offenbar einem Eingeständnis, aus einer armen Familie zu kommen, gleich. Kinder und Jugendliche können sich daher online für die Laptop-Ausleihe bewerben. Das funktioniert auch mit Hilfe des Smartphones, über das nahezu alle verfügen. Keinen Computer zu haben, dient dem einen oder anderen auch als Ausrede, die Aufgaben nicht erledigen zu können. "Dahinter kann man sich auch sehr gut verstecken", so Norma Grube. In Gesprächen mit den Schülern wollen die Lehrer nun erkunden, wo die Geräte dringend gebraucht werden.

Zwar findet seit einigen Wochen wieder Unterricht im Schulgebäude statt. Doch die Technik wird nach wie vor benötigt. Wie überall sind die Klassenverbände in kleinere Lerngruppen aufgeteilt. Deshalb gehen die Mädchen und Jungen aktuell nur jeden zweiten Tag zur Schule. In Anbetracht der Umstände zieht Norma Grube ein positives Fazit: Die Lehrer seien mit ihren Schützlingen und den Eltern Schritt für Schritt in die Krisensituation hineingewachsen. Ein Großteil der Schülerschaft sei mit den zu Hause zu erledigenden Aufträgen gut zurechtgekommen - auch wenn angesichts des mangelnden Ausbaus des schnellen Internets Videokonferenzen nicht stattfinden konnten.

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