Plakate für den Schaukasten jetzt in Pobershau zu sehen

Jahrzehnte lang gestaltete Gottfried Reichel den Aushang der Kirche. Und dabei standen ganz unterschiedliche Schwerpunkte im Mittelpunkt: etwa Themen des Kirchenjahres, Kinder, Umwelt oder auch Zivilcourage. Sein Sohn hat jetzt eine Auswahl getroffen.

Pobershau.

Als Schnitzer erlangte der 2015 im Alter von 90 Jahren verstorbene Pobershauer Gottfried Reichel Bekanntheit. Zu seinem Lebenswerk gehören Schnitzfiguren, die unter dem Titel "Wider das Vergessen" die Bibelgeschichte und die Judenverfolgung im Dritten Reich thematisieren und seit 1997 in der Galerie "Die Hütte" die Dauerausstellung bilden. Reichel schuf die 330 Figuren zur Mahnung, damit Krieg und Judenverfolgung, Gettos und Holocaust nicht in Vergessenheit geraten.

1925 geboren, zog er als junger Mann in den Zweiten Weltkrieg. Aus einer dreijährigen Gefangenschaft kam der Pobershauer nach Kriegsende gewandelt zurück. Ein Bildband ist es gewesen, der ihn zugleich erschüttert und angeregt hat. Gottfried Reichel begann zu schnitzen. Als engagierter Christ und überzeugter Demokrat engagierte er sich fortan zudem in der Kirchgemeinde des Bergdorfes. Dazu gehörte für ihn über fünf Jahrzehnte lang auch die sogenannte Schaukastenarbeit. "Anfang der 1950er-Jahre, als mein Vater damit anfing, war der Schaukasten das Schaufenster der Kirche, weil es ja sonst kaum Möglichkeiten gab, den Menschen etwas von ihr mitzuteilen", weiß Wolfram Reichel, der sich auch daran erinnern kann, dass die Staatssicherheit der DDR ein allgegenwärtiger und argwöhnender Beobachter des Tuns gewesen sei.

Er schätzt, dass sein Vater etwa 600 Plakate angefertigt hat. Das tat er bis 2006. Dann wurde der Schaukasten, der an der Dorfstraße gegenüber der Schule seinen Platz hatte, demontiert. Diese Plakate lagern bis heute in der Galerie "Die Hütte". Aus Anlass des 95. Geburtstages, den Gottfried Reichel am 2. Oktober gefeiert hätte, hat sein Sohn eine Ausstellung mit etwa 40 ausgewählten Werken, die zwischen 1975 und 2006 entstanden sind, gestaltet. "Sie zeigen einen Querschnitt dessen, was mein Vater umgesetzt hat. Darunter Themen des Kirchenjahres, Kinder, Umwelt oder auch Zivilcourage", sagt Wolfram Reichel, der jedes einzelne Werk als kreativen Prozess bezeichnet. Denn sein Vater hat sich, sobald er etwa ein interessantes Bild sah, Gedanken gemacht, welcher Spruch dazu passen könnte. Danach, so Wolfram Reichel, kamen die Überlegungen zur Gestaltung, wie etwa Schriftart und Größe.

Durchschnittlich zwölf Stunden hat Gottfried Reichel in jedes seiner Plakate investiert. Ohne Computer und Drucker war vor allem viel handwerkliches Geschick gefragt. Etwa beim Ausschneiden und Aufkleben von Buchstaben.

Aller drei Wochen hat Gottfried Reichel den Schaukasten neu bestückt. Die alten Plakate warf er nicht weg. "Oftmals gab er sie weiter, etwa an andere Kirchgemeinden für deren Schaukästen. Mein Vater achtete sehr darauf, jedes auch wieder zurückzubekommen", so Wolfram Reichel, für den zahlreiche der Plakate zeitlos sind. Etwa wenn es um die Gefahr geht, die von einer waffenstarrenden Welt ausgeht. Oder wenn der Mensch nach wie vor Meister darin ist, seine Brüder und Schwestern zu töten.

Die Ausstellung "Gemeinde-Schau-Kasten-Blicke - handgemachte Plakatkunst" mit Arbeiten von Gottfried Reichel ist bis zum 31. Januar 2021 in der Galerie "Die Hütte" im Marienberger Ortsteil Pobershau, RS-Rathausstraße 10, zu sehen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr.

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