Wenn das Kinderheim an seine Grenzen kommt

Angesichts schlimmer Erlebnisse in den Familien der Mädchen und Jungen ist der Aufwand für die Betreuung in den Einrichtungen Pobershau und Lippersdorf hoch. Doch das Personal ist knapp.

Pobershau/Lippersdorf.

Die Kinder tragen Gedichte vor, berichten über Ausflüge und naschen nebenbei Lebkuchen: Beim Besuch des Landtagsabgeordneten Jörg Markert (CDU) zeigen sich die Mädchen und Jungen des Kinderheimes Pobershau von ihrer besten Seite. Selbst das Essen mit vollem Mund verkneifen sie sich, so gut es eben geht. Nein, nein, rückt Einrichtungsleiterin Franziska Hielscher das Bild zurecht. Es gebe nicht nur die guten, sondern auch schon mal schlechte Tage. Etwa wenn eines der Kinder sich ärgert und Dinge durch die Luft wirft. Um so wichtiger sei eine gute Betreuung. Doch mitunter sei das Personal zu knapp.

Jörg Markert (CDU) übergibt Geschenke, die Florian Friesl gestiftet hat. In der Kiste befindet sich Obst, Plüschtiere schauen heraus, Lesehefte sind ebenfalls dabei. Sie sind an die Erfolgsserie "Simsala Grimm" angelehnt, die im Kinderfernsehen Kika läuft und die von Friesl vermarktet wird. "Wir wollen etwas zurückgeben", sagt Markert. Nebenbei verschafft er sich einen Eindruck vom Leben im Kinderheim.

Jeden Tag setze sie sich mit ihren 18 Erziehern dafür ein, dass die aktuell 18 Kinder einen schönen Alltag haben und viele positive Erfahrungen sammeln, sagt Franziska Hielscher. Schließlich stammen die Mädchen und Jungen meist aus schwierigen Verhältnissen. Drogen sowie Vernachlässigung spielen eine Rolle, genauso wie Gewalt oder sogar sexueller Missbrauch. Zudem leiden viele unter psychischen Erkrankungen.

Wer in das Heim kommt, habe oft schlimme Erfahrungen im Gepäck, die es aufzuarbeiten gelte. Teils kommen die Erzieher dabei aber an Grenzen. Franziska Hielscher nennt ein Beispiel. Oft haben an den Wochenenden die drei Gruppen jeweils nur eine Erzieherin. "Sie arbeiten dann in einer 24-Stunden-Schicht", erklärt die Leiterin. Nachts gebe es eine Bereitschaft. Zwar können sich die Erzieher dann ausruhen, doch nicht immer gelingt dies. So kam es vor, dass einer der Jugendlichen weglief und die Polizei hinzugezogen werden musste. Entsprechend viel wird ihnen abverlangt. "Ich würde mich über zusätzliches Personal sehr freuen", sagt Franziska Hielscher. So wäre es auch an den Wochenenden besser möglich, auf die Kinder individuell einzugehen. Hinsichtlich der Frage, wie viele Erzieher es zusätzlich sein müssten, mag sich die Leiterin nicht genau festlegen. Verhandlungen mit den zuständigen Stellen, wie dem Landkreis sowie dem Landesjugendamt, seien nicht gerade einfach. Zugleich bestehe jedoch die Möglichkeit, bei Kindern mit besonders hohem Betreuungsaufwand zusätzliche Stunden anzufordern. In diesem Fall stocken die Erzieher auf. Normalerweise arbeiten sie im Schnitt 35 Stunden in der Woche. Zudem gibt es bei schwierigen Fällen Unterstützung vom Psychologen.

Ortswechsel: Auch im Lippersdorfer Kinderheim, es befindet sich ebenfalls in Trägerschaft der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge, dürfen sich die momentan 28 Mädchen und Jungen über Geschenke freuen. Einrichtungsleiter Falk Bubner führt Jörg Markert und Florian Friesl durch das Haus. Im Aufenthaltsraum zieht die imposante Holzdecke die Blicke auf sich. Auf dem Gang kommen Kinder angelaufen, die die Gäste sofort umarmen. Bubner berichtet von Eltern, die sich kaum um ihre Kinder gekümmert haben und von Fünfjährigen, die kaum sprechen konnten und eingesperrt wurden. Er erklärt, dass die Kinder trotz schlimmer Erlebnisse den Kontakt zu ihren Eltern suchen. Doch nicht immer sei das möglich. Etwa wenn die Mutter und der Vater völlig überfordert sind. So wie Franziska Hielscher ist es Falk Bubner anzumerken, dass ihm die Kinder am Herzen liegen. Seine 30 Erzieher seien sehr engagiert. Doch natürlich komme auch die Lippersdorfer Einrichtung an Grenzen, wenn auch weniger als vor ein paar Jahren. Damals sei die personelle Situation angespannter gewesen.

Jörg Markert stellt Hilfe in Aussicht. So bestehe etwa die Möglichkeit, über den Landesjugendhilfeausschuss die Situation zu verbessern. "Falls Bedarf besteht", ergänzt der Landtagsabgeordnete. Wenig später verabschiedet er sich, während im Kinderheim abendliche Ruhe einkehrt.

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