Zschopau holt sich den Esstisch der Rasmussens zurück

Das Motorradstadt ist um ein weiteres Erinnerungsstück an ihren wohl berühmtesten Sohn reicher. Der DKW-Gründer und seine Familie haben darauf gegessen.

Zschopau.

Das massive Teil ist für Mitarbeiter einer Umzugsfirma eine echte Herausforderung. Trotzdem kam das edle Möbelstück viel herum. Von Zschopau nach Maintal und von der zwischen Frankfurt am Main und Hanau gelegen Stadt wieder zurück ins Erzgebirge: der Esstisch aus der Villa des DKW-Gründers Jørgen Skafte Rasmussen (1878 bis 1964).

"Wir haben den Tisch zufällig auf der Internetplattform Ebay entdeckt. Dort stand das gute Stück zur Versteigerung", berichtet Zschopaus Oberbürgermeister Arne Sigmund. Er habe daraufhin Kontakt zu dem Verkäufer aufgenommen, um Interesse zu bekunden. Nach "äußerst erfolgreicher Preisverhandlung" - ursprünglich 4500 Euro, am Ende waren es 2000 Euro - war der Deal perfekt. Sigmund schickte einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung ins Hessische, um das Erinnerungsstück an den Begründer der Motorradstadt zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte zu holen. Nach etwas Aufarbeitung und mit einer Glasplatte versehen hat das kunstvoll verzierte Schmuckstück aus Eiche nun einen Platz im Roten Saal von Schloss Wildeck gefunden.

"Wir sind froh und stolz, ein Original-Möbelstück aus der Rasmussen-Villa zu haben", betont OB Sigmund, wohlwissend um die Verdienste des Dänen für die Stadt und die Region. Ende der 1920er-Jahre hatte das auf der dänischen Insel Lolland geborene Ingenieurgenie die 1912 von ihm gegründeten Zschopauer Motorenwerke mit ihren DKW-Motorrädern zum größten Hersteller weltweit gemacht.

Über 100 Jahre später hat Jørgen Skafte Rasmussen, der gleichnamige Enkel des 1964 in Kopenhagen verstorbenen Unternehmers, bei seinem jüngsten Besuch in Zschopau noch einige (Tisch-)Geschichten mitgebracht. 1939 geboren, hatte er einen Teil seiner Kindheit in der 1917 gebauten Villa seines Opas verlebt. "An den Tisch kann ich mich gut erinnern", sagt Rasmussen. An ihm vorbei sei es ins Trinkzimmer des Hauses gegangen, so der 79-Jährige weiter.

Nach Kriegsende war die Familie enteignet und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die Villa im Tischautal einquartiert worden. Im Juli 1945 begann auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht die Demontage des DKW-Werkes. Der gesamte Maschinenpark wurde verpackt und abtransportiert. Diese Zeit und die Jahre danach hinterließen auch Spuren in der Villa oberhalb des Werkes.

Die Reise des Esstisches, der in der Schreinerei der Motorradschmiede entstanden war, ging aber nicht gen Osten, sondern in den Westen. Er landete in Maintal, wo auch Rasmussens Enkelsohn mit seinen Eltern ein neues Zuhause gefunden hatte. "Der Tisch stand viele Jahre im Technikraum einer Firma. Als die Firma verkauft wurde, hat ein Mitarbeiter den Tisch mit nach Hause genommen", weiß Jørgen Skafte Rasmussen. So richtig glücklich sei dieser mit dem Möbel aber offenbar nicht gewesen. Denn der Tisch habe geradeso ins Wohnzimmer gepasst, berichtet Rasmussen schmunzelnd. Er wollte ihn wieder loswerden. So kam das Teil auf Ebay unter den Hammer. "Den Rest der Geschichte kennt ihr ja."

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1Kommentare
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  • 1
    0
    1005
    15.07.2018

    Mein Glückwunsch Herr Sigmund.Einfach toll!!!



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