Die Erderwärmung wartet nicht

Über den Ausstieg aus der Braunkohle und die Klimaschutzziele

Die Forderungen nach einem soften Ausstieg aus der Braunkohle in der Lausitz sind menschlich allzu verständlich. Tausende Existenzen hängen schließlich von diesen Arbeitsplätzen ab. Mehreren Generationen droht nach den Wendejahren erneut ein Bruch in der Erwerbsbiografie. In der Braunkohle gibt es zudem die mit am besten bezahlten Jobs in einer ohnehin eher strukturschwachen Region. Das alles darf den Blick für das jetzt Unumgängliche aber nicht verstellen. Zu einem möglichst zügigen und entschlossenen Braunkohleausstieg gibt es keine Alternative. Ein Ausstieg weit nach 2040 käme viel zu spät. Die Erderwärmung wartet nicht. Das führen uns die extremen Wetterereignisse mit Dürre und sintflutartigen Regenfällen vor Augen. Der Warnungen des Weltklimarats hätte es da gar nicht bedurft.

Letztlich geht es aber um extrem komplexe Fragen: juristische, technische, soziale, wirtschaftliche, finanzielle. Alles hängt mit allem zusammen. Wie schnell können wir tatsächlich aus der Braunkohle aussteigen, ohne dass die Lichter ausgehen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Wollen wir riskieren, schmutzigen Strom aus Atom- und Kohlemeilern aus dem Ausland importieren zu müssen? Welche Perspektive können wir den Menschen und Betrieben in den mitteldeutschen Revieren bieten, die bisher von der Braunkohle gelebt haben? Wie viel soll oder darf das kosten? Und wer bezahlt das?

Viel Zeit ist verstrichen, in der Sachsen und Brandenburg nur auf den Status quo gepocht haben, anstatt schon einmal tragfähige Szenarien und Zukunftsprojekte ohne Braunkohleverstromung zu entwickeln und zu verwirklichen. Nun soll eine Expertenrunde einen Konsens herstellen, den die Politiker über Jahre versäumt haben. Zu befürchten ist daher, dass der Streit dann erst so richtig ausbricht, wenn dieses Gremium seine Vorschläge gegen Ende des Jahres präsentiert. Dann muss jeder Farbe bekennen. Allzu eindeutige Verlierer sollte es am Ende aber nicht geben. Der letzte große Meilenstein der Energiewende muss im Konsens bewältigt werden. Ohne großzügige Strukturfördermittel wird es daher nicht gehen. Sicher ist aber auch: Niemand weiß aufgrund der immer kürzer werdenden Innovationszyklen, welche Industriezweige in 15, 20 oder gar 30 Jahren noch die zukunftsträchtigsten sein werden. Deshalb sind Sachsen und Brandenburg gut beraten, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Die Region sollte wirtschaftlich möglichst breit aufgestellt sein. Die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone mit attraktiven Ansiedlungsbedingungen könnte helfen. An das Know-how aus der Braunkohle sollte angeknüpft werden.

Auch der Atomausstieg wurde bislang bewältigt. Zur Ehrlichkeit gehört aber: Ein überhasteter Kohleausstieg würde dem Klima überhaupt nicht helfen. Denn dann gingen die Verschmutzungszertifikate, die die Leag oder RWE nicht mehr brauchen, nur an ausländische Kohlekraftwerksbetreiber. Die müssten dann wegen der sinkenden Preise sogar noch weniger zahlen. An einem gesamteuropäischen und schließlich an einem weltweit abgestimmten Klimaschutz kommt am Ende des Tages niemand vorbei.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
11Kommentare
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  • 1
    0
    Tauchsieder
    14.10.2018

    Die Menschheit ist gerade dabei sich abzuschaffen und dies mit wachsenter Geschwindigkeit.
    Der zukünftige Präsident Brasiliens will den Amazonaswald abholzen lassen, er braucht Platz für Sojafelder. Die Schutzgebiete der indigenen Indianervölker frei zur Nutzung geben usw. . Wenn dies geschehen sollte kann D oder auch ganz Europa 200 % CO² einsparen. Dies würde dieses Debakel nicht ausgleichen können. Hier sollte sich Bundesregierung einsetzen dieses katastrophale Vorhaben zu verhindern und nicht an irgendwelchen Pille-Palle Prozenten CO² oder NOX herumdoktern und damit Arbeitsplätze gefährden.

  • 4
    0
    kartracer
    14.10.2018

    @cn3boj00, Sie haben aber schon Fenster in Ihrer Wohnung, um Ihr Umfeld zu sehen?
    Vor 12000 Jahren gab es keine durchgeknallte, egoistische und ignorante Menschheit, das ist der Unterschied, deshalb hat sich die Natur unbeeinflusst entwickelt.
    Heute greift der Mensch in nahezu alle natürlichen Gesetze, ohne Rücksicht auf Auswirkungen ein, deshalb potenziert sich extrem schnell, jegliche natürliche Entwicklung in eine negative Richtung, und ich glaube nicht, daß sich dieser Irrsinn noch stoppen lässt.
    Dieser Planet Erde braucht keinen Krieg mehr, und auch keine Waffen, denn die gefährlichste Waffe ist der Mensch selbst!

  • 3
    4
    cn3boj00
    14.10.2018

    @Tokru woher beziehen Sie Ihre gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse der "unabhängigen" Wissenschaftler? In sogenannten Warmzeiten, die mehrere hundert tausend Jahre dauern (wir leben seit etwa 12000 Jahren in einer Warmzeit, die beginnt nicht erst) steigen die Temperaturen innerhalb von zehntausend Jahren um zehntel Grade. Wir machen das jetzt in hundert Jahren? Da hat sich die Erdgeschichte was ausgedacht!

  • 4
    0
    Tauchsieder
    13.10.2018

    Man sollte vor allem eins nicht machen Umweltschutz und Klimawandel miteinander zu vermischen "Tokru". Dies sind zwei Seiten einer Medaillie.
    Mittlerweile ist es aber kaum noch möglich diesen Hype der Klimakatastrophen-Anhänger mit Fakten zu entgegnen. Mit normalen Menschenverstand ist dem kaum noch beizukommen.

  • 4
    4
    Tokru
    13.10.2018

    Genau, die Erderwärmung wartet nicht. Denn wir sind am Beginn einer Warmzeit. Eine Wechselwirkung zwischen dem extrem geringen Anstieg der CO2-Konzentration und dem Anstieg der Temperatur besteht nicht. Nichtsdestotrotz ist es wichtig verantwortungsbewußt mit unserer Umwelt umzugehen. Aber es kann auch nicht schaden, mal bei unabhängigen Wissenschaftlern nachzulesen. Die Freie Presse bietet hier nicht unbedingt die richtige Plattform.

  • 2
    1
    Tauchsieder
    13.10.2018

    Zur Bodenversieglung sind die Zahlen öffentlich gemacht "auss.....". Zu den Deponiebränden müsste man selbst recherchieren.
    Sachsen = Bodenversieglung täglich ca. 5 ha, also ca. 1800 ha im Jahr. Entspricht einer Fläche von etwa 2300 Fußballfeldern!
    Im Zeitraum von 2005 – 2017 ist die erfasste Siedlungs- und Verkehrsfläche in Sachsen um ca. 40.000 Hektar angewachsen, obwohl gleichzeitig die Einwohnerzahl um ca. 220.000 Einwohner zurück ging.
    Spinnt man den Faden weiter kann man leicht errechnen, wenn Sachsen zu betoniert ist. Aktuelles Beispiel demnächst in Oberlosa bei Plauen. Dort sind es dann gleich mal auf einen Schlag über 20 ha die dem Beton geopfert werden.

  • 3
    2
    aussaugerges
    13.10.2018

    Tauchsieder:
    Die Zahlen finde ich gut.
    Könnte man da auch die ständige Betonietung und die fast 100 Giftmüllbrände in den Deponieren in Zahlen verwandeln.
    Angst machen ein die ständigen Großfeuer schon,oder nicht.?

  • 2
    1
    Tauchsieder
    12.10.2018

    Sie haben es wohl nicht so mit den Zahlen "Blac......"?
    Da sind mir die Zahlen des Weltklimarates (IPPC) doch schon lieber.

  • 5
    9
    Blackadder
    12.10.2018

    @Tauchsieder: Ihnen empfehle ich nur die Homepage www.klimafakten.de, welche auf der aktuellen, renommierten Klimaforschung beruht. Aber manche, auch leider manche Parteien, glauben lieber Pseudo-Experten aus dem Internet. Schade.

  • 7
    7
    Tauchsieder
    12.10.2018

    Nur mal eine kleine Rechenaufgabe "saxo......".
    Der Anteil des CO² in der gesamten Atmoshäre beträgt etwa 0.038 %.
    Der von Menschen gemachte Anteil der CO2-Emissionen in der Luft liegt weltweit bei ca. 0,0019 Prozent. Der Anteil Deutschlands daran liegt bei ca. 0.000046 % CO². Jetzt will Deutschland 40 % CO² davon einsparen und würde anschließend bei ca. 0.000028 % liegen.
    Und dafür sollen tausende von Arbeitsplätzen vernichtet werden, für einen mraginalen Betrag, kaum ins Gewicht fallend?
    Nur ein kräftiger Vulkanausbruch würde diese Rechnerei ad absurdum führen.

  • 9
    3
    saxon1965
    12.10.2018

    Für mich stellen sich mehrere Fragen:
    - In wie weit können wir Menschen den Klimawandel, die Erderwärmung überhaupt (noch) beeinflussen?
    - Was bringt (wieder einmal) der deutsche, nicht einmal gesamt europäische Kohleausstieg?
    Nicht falsch interpretieren! Der Kohleausstieg muss sein, denn es gibt viel zu wenig Bäume, die diese Mengen an CO2 "verarbeiten" könnten. Letztlich dürfte beim Kohleverbrennen, ähnlich wie beim Verbrennen von Holz, die CO2-Freisetzung neutral sein, aber wohin damit. Es werden weiter fröhlich Wälder/ Regenwälder abgeholzt und Flächen versiegelt. Anderswo auf der Erde fackelt man Autoreifen ab, Rodet täglich über 35.000 Hektar Regenwald, produziert in Größenordnungen Ozonschädliche Gase und ich in Deutschland subventioniere die Energiewende, damit es den Stromerzeugern ja nicht zu schlecht ergeht.
    Wenn überhaupt, dann wird man diese Probleme nur rigoros weltweit angehen können und dafür, fürchte ich, ist das Problem "Vernichtung des menschlichen Lebensraumes" noch zu unbedeutend für Hungerleidende, für Amerikaner und für Superreiche (die eh davon ausgehen, dass sie irgendwie davon kommen werden).



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