Ein mutiges Urteil

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es in Artikel 1 des Grundgesetzes- das Fundament unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Sie hat keine zeitliche Begrenzung und jeder Mensch muss selbst definieren dürfen, was für ihn Würde bedeutet. So auch der Willen, sein Leben selbstbestimmt beenden zu dürfen, wenn es ihm ausweglos und unwürdig erscheint, unter welchen Umständen auch immer weiterleben zu müssen. Im Umkehrschluss kann das aber auch nur bedeuten, dass Ärzte, die diesen ausdrücklichen Patientenwillen kennen, nicht verpflichtet sein dürfen, sie gegen ihren Willen zu retten. Sie müssten vielmehr "verpflichtet" sein, diese Entscheidungen zu achten und die Menschen ihren Weg gehen zu lassen. Es ist also richtig - und mutig - vom Bundesgerichtshof, Ärzten in solch sensiblen Situationen Rechtssicherheit zu geben. Denn nur so kann erreicht werden, dass Ärzte vertrauensvoll und ohne Angst vor strafrechtlichen Folgen, ihrer Berufung, Leben zu retten, nachgehen können. Vielleicht mutet es paradox an, doch wie gut ein Arzt - aus welchen Gründen auch immer - lebensmüde Menschen begleiten kann, hängt in großem Maß davon ab, wie frei er sich fühlt. Recht und Gesetz sollten einen schützenden Rahmen bieten - dem Arzt ebenso wie dem Patienten. So kann im besten Fall auch Leben gerettet werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...