Industrie beugt sich dem Coronavirus

Zu den Folgen der Coronakrise für die Wirtschaft

Die europäische Industrie schaltet in den Krisenmodus. Nachdem die Schulen geschlossen wurden und das öffentliche Leben weitgehend zurückgefahren wurde, müssen sich jetzt auch viele Unternehmen der Gefährdung durch das Coronavirus beugen. Kaum hatte das Robert-Koch-Institut das Risiko für die deutsche Bevölkerung als hoch eingestuft, folgten auch schon die ersten Alarmsignale aus der Industrie. Nachdem in Italien und Frankreich die Autobauer bereits ihre Werke geschlossen haben und die Produktion deutlich zurückgefahren wurde, kündigte der Volkswagenkonzern am Dienstag ebenfalls Unterbrechungen der Produktion an. In den Opel-Werken in Eisenach und Rüsselsheim stehen die Bänder bereits still. Auch der Flugzeug- und Rüstungskonzern Airbus setzt seine Produktion in Frankreich und Spanien für einige Tage aus.

Für die deutsche Autoindustrie sind die Produktionsausfälle ein schwerer Schlag. Noch schlimmer sind jedoch die Auswirkungen der Coronakrise auf die Nachfrage in der Autobranche. Nachdem diese bereits in China im Januar und Februar weggebrochen war, droht jetzt auch in Westeuropa ein entsprechender Einbruch. Gerade für die deutschen Autobauer wäre das verheerend, denn in Europa setzen sie rund 35 Prozent ihrer weltweit verkauften Autos ab. Zudem kommt die Coronakrise für die Automobilindustrie zur Unzeit, denn sie steckt mitten in einer historischen Umbruchphase, die auch für die Zukunft der Branche entscheidend sein wird. Der Weg in die Elektromobilität wird aller Voraussicht nach eine sehr schwierige Startphase haben. Das Coronavirus erweist sich nicht nur als Gefahr für die Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft in Deutschland und Europa.

Besonders hart wird es die Zulieferer treffen, die schon jetzt mit der Veränderung der Produktionsprozesse bei der Umsteuerung zur Elektromobilität zu kämpfen haben. Auch der Handelskrieg zwischen den USA und China und die Dieselkrise waren nicht spurlos an den Autozulieferern vorübergegangen. Das Coronavirus wird einigen Unternehmen endgültig die Luft zum Atmen nehmen. Vor allem mittelständische Zulieferer werden kaum die Rücklagen haben, um solch rigorose Umsatzrückgänge innerhalb kurzer Zeit zu verkraften. In diesen Fällen muss es gelingen, die staatlichen Hilfen so auszurichten, dass der Schutz von Arbeitsplätzen schnell möglich wird.

Noch ist die Wirtschaft in Deutschland dabei, eine Vollbremsung hinzulegen. Doch es gibt auch Hoffnungszeichen. So hat China wohl die schlimmste Phase der Krise überwunden. In den chinesischen VW-Werken wird mit ein paar Ausnahmen wieder voll produziert und auch die Lieferketten sind einigermaßen intakt geblieben. VW-Chef Herbert Diess geht deshalb davon aus, dass auch die europäischen Standorte in zwei bis drei Wochen wieder ans Netz gehen können.

Für Politik, Verwaltung und Wirtschaft wird die schnelle Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität zur nächsten Herausforderung. Wenn die Infektionsgefahr durch das Coronavirus abebbt, müssen die richtigen Entscheidungen getroffen werden, um den wirtschaftlichen Motor wieder auf Touren zu bringen. Auch das wird ein pragmatisches Vorgehen erfordern.


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