Jeder hat Verantwortung

Sommerferien in Sachsen: Für Viele beginnt jetzt eigentlich die schönste Zeit des Jahres. So war es zumindest vor Corona. In diesem Jahr schwingen bei jeder Planung oder Buchung Zweifel mit. Vor Monaten noch hat uns das Virus einen dicken Strich durch alle Urlaubsträume gemacht. Nun sind die Reisewarnungen weitgehend aufgehoben, die Urlaubsorte haben sich für die Besucher gerüstet. Aber es ist weiter Vorsicht geboten: Maske tragen, Abstand halten und Menschenmassen möglichst meiden. Leichtsinn ist der beste "Kumpel" des Coronavirus.

Wie wenig Verantwortungsgefühl manche Urlauber haben, hat sich jüngst mal wieder am Ballermann auf Mallorca gezeigt. Junge und ältere Deutsche beim Rudelsaufen im Nahkampf, als ob es nie eine Pandemie oder einen Ischgl-Hotspot gegeben hätte. Ohne jede Rücksicht auf andere Urlauber oder die Menschen daheim, die sie bei der Rückkehr möglicherweise mit dem Coronavirus anstecken könnten. Briten in ihrer Mallorca Hochburg Magaluf feierten übrigens ebenso rücksichtslos. Die Behörden auf Mallorca mussten reagieren. Sie verschärften die Maskenpflicht und schlossen die einschlägigen Bierlokale. Polizeipräsenz statt Urlaubsfreude, weil einige keine Rücksicht genommen haben. So wird das Europa ohne größere Reisebeschränkungen wieder leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Jeder einzelne hat eine Verantwortung, dass Corona halbwegs unter Kontrolle gehalten werden kann. Sonst werden neue Beschränkungen unvermeidbar sein. Die Solidarität, die weite Teile der Gesellschaft zu Beginn der ersten Coronawelle gezeigt hatte, kann doch nicht so schnell verpufft sein ...

Verantwortlich handeln müssen aber auch Bund und Länder. Die Gesundheitsminister wollen bei akuten Corona-Ausbrüchen zielgenauere, lokale Beschränkungen erlassen. Das ist richtig. Örtlich begrenzte Ausreisesperren sollen möglich sein. Da stellt sich aber die Frage, wie das kontrolliert werden soll. Grundsätzlich aber gilt: Kreise und Kommunen können sehr schnell und flexibel reagieren. Gerade dann, wenn es keine Gewissheit gibt, dass die Infektionsketten bereits umfassend unterbrochen werden konnten.

Zuletzt hatten mehr als tausend positiv getestete Mitarbeiter des Fleischfabrikanten Tönnies in Nordrhein-Westfalen zu regionalen Einschränkungen im öffentlichen Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf geführt. Betroffen waren zeitweise 640.000 Einwohner. Das war - inzwischen höchstrichterlich bestätigt - unverhältnismäßig.

Lokale Beschränkungen der Mobilität in besonders betroffene Gebiete hinein und aus ihnen heraus wird es wohl weiter geben. So schnell verschwindet das Virus nicht. Was ist, wenn im Herbst dann alle Urlauber wieder zurück sind in ihrer Heimat? Besonders pessimistische Politiker und Experten sagen da schon die befürchtete zweite Coronawelle voraus. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Dazu muss aber jeder seinen Teil beitragen. Eine wichtige Voraussetzung ist die, dem Leichtsinn am Urlaubsort ein Schnippchen zu schlagen.

Rücksicht und Verantwortung sind das Gebot der Stunde. Das kann der Staat und vor allem die Gemeinschaft von mündigen Bürgern schon verlangen.

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