Respekt vor dem Willen der Bürger

Zur den Plänen der EU-Kommission, die Zeitumstellung abzuschaffen

Sommerzeit - Europas Bürger haben entschieden. Vielleicht ist der Satz von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker "Die Menschen wollen das. Wir machen das." sogar die eigentliche Zeitenwende. Deutlicher hat der wichtigste Vertreter dieser Union seinen Respekt vor dem Willen der Bürger noch nie ausgedrückt. Die Befragung zur zweimal jährlichen Umstellung der Uhren sollte - unabhängig vom Ergebnis - Mut machen, die Europäer sehr viel öfter an Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen.

Die Sommerzeit als generelle Lösung ist kein Geschenk, aber auch kein Unglück. Sie entspricht lediglich einem Grundgefühl, diese sechsmonatliche Manipulation unseres Zeitgefühls endlich zu beenden, weil die Effekte verschwindend gering sind. Stattdessen gibt es viele Klagen über Beschwerden in den Tagen nach dem Beginn der neuen Zeitrechnung. Da mag viel subjektives Empfinden im Spiel sein, das inzwischen allerdings durch seriöse Studien untermauert wurde.

Noch wichtiger bleibt aber, dass ein Ritual endlich abgeschafft wird, das sich als sinnfrei und ineffizient herausgestellt hat. Europa braucht keine künstliche Spielerei an den Uhren, sondern eine verlässliche Regelung - möglichst ohne Flickenteppich.

Dennoch wird der Streit jetzt erst richtig ausbrechen. Weil das Ergebnis der EU-Bürgerbefragung keineswegs den Anforderungen einer repräsentativen Umfrage genügt. Die Mehrzahl derer, die sich zu Wort meldeten, kam aus Deutschland - auch das hat das Potenzial zum Aufreger. Obwohl auch die zwar zahlenmäßig geringeren Stimmen aus den anderen Ländern ebenfalls für die Sommerzeit eintraten. Hinzu kommen viele sachliche Argumente zu den Auswirkungen- beispielsweise ob weniger Energieverbrauch durch die kürzere Beleuchtung am Abend durch längere Heizphasen am Morgen nicht doch aufgewogen wird. Es ist eines jener Themen, bei denen jeder irgendwie mitreden kann und das noch dazu die Aufmerksamkeit von anderen, weitaus vielschichtigeren Herausforderungen ablenkt.

Dabei geht es bei der Frage, in welchem Takt die Europäer künftig leben, nicht so sehr um laue Sommerabende oder lange Phasen der Dunkelheit im Winter. Die Zeitumstellung bringt - wenn auch nur kurz - den Binnenmarkt aus dem Takt, kostet Millionen für Unternehmen, Verkehrsträger und Behörden - Summen, die ohne Ertrag bleiben, weil die Zeit einfach willkürlich gewählt wurde. Dass diese Praxis nun ausläuft, macht Sinn.

Dennoch wird Brüssel keine einheitliche Zeitzone in allen Mitgliedstaaten verordnen wollen. Die Bedürfnisse im Norden und Süden, Westen und Osten dieser Union sind unterschiedlich. Dass der skandinavische Raum anders tickt als Italien, hat nichts mit einem Riss in der Gemeinschaft zu tun, sondern mit geografischen Bedingungen. Die Brüsseler Kommission sollte dem Rechnung tragen und die Mitgliedsstaaten einen, um zu viel Durcheinander unterschiedlicher nationaler Regelungen zu verhindern.

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