Anwohner reichen Petitionen gegen zwei Bauprojekte ein

Gegen den "Freiberger Garten" in Friedeburg und eine Siedlung an der Leipziger Straße regt sich Protest. Der Umgang damit wirft Fragen auf.

Freiberg.

Haben sich die Stadträte vor Ort ein Bild gemacht, bevor sie dem Bebauungsplan für die "Wohnanlage Freiberger Garten" zugestimmt haben? Diese Frage haben Wohnungseigentümer von der Friedeburger Straße 8 a-c in einer Petition an das Gremium gestellt. Sicher nicht, heißt es in dem Schreiben weiter, denn sie wohnten ja alle nicht hier: "Sieht so gewählte Kommunalpolitik aus?"

Der Unmut der Beschwerdeführer richtet sich gegen das Vorhaben der Wohnungsgenossenschaft Freiberg, hinter ihrem Haus einen Riegel aus einem Siebengeschosser und vier Fünfgeschossern mit insgesamt 70 Wohnungen von der Lessingstraße bis zur Johanna-Römer-Straße zu ziehen. "Wir werden praktisch eingemauert", wird auch auf den Markt verwiesen, der vor dem Haus neu gebaut worden sei und keinen schönen Anblick biete.


Neben der Wertminderung des Eigentums - die Wohnungen seien 1992/93 zu einem damals hohen Preis gekauft worden und die Anlage befinde sich in einem gepflegten Zustand - seien für mindestens zwei Jahre extreme Belastungen durch Abrissarbeiten mit Staub und Dreck sowie Baulärm zu befürchten, auch würden gepflegte Grünflächen und Bäume vernichtet. "Die jetzt im Eigentum wohnenden Personen sind zu 90 Prozent Rentner (im Altersspektrum bis 86 Jahre) und beabsichtigen nun, ihren sogenannten Lebensabend zu genießen", heißt es wörtlich in der Petition.

"Unsere Beschwerde könnte viel schärfer formuliert sein", kommentiert Anne Markus. Viel Hoffnung auf Erfolg kann sich die Naturschutz-Aktivistin - 2009 war sie mit der Nabu-Ehrennadel in Silber geehrt worden - aber nicht machen. Die Stadt halte am Bebauungsplan fest, heißt es in einer Stellungnahme, da nach wie vor eine hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Wohnflächen bestehe. Die Einwände sollen nun im Genehmigungsverfahren abgewogen werden.

Das Gleiche gilt für eine Petition gegen die von Andreas und Klaus-Dieter Lietzmann aus Großschirma geplante Bebauung des Grundstücks Leipziger Straße 35. Sabine und Ralph Schrenk wenden sich damit vor allem gegen die Abholzung von 50 bis 60 Jahre alten Bäumen sowie die bis zu 40-prozentige Versiegelung des fast zwei Hektar großen Biotops. Ersatzpflanzungen in Halsbrücke und Gränitz lehnt die Familie ab: "Wir brauchen saubere Luft hier vor Ort!"

Auch in diesem Fall appellieren die Anwohner an die Stadträte: "Machen Sie sich bitte einen Eindruck am besten vor Ort selbst." Das aber sei für den gesamten Stadtrat auch aus Zeitgründen nur schwer möglich, räumte Jana Pinka (Die Linke) in der Aussprache ein. Künftig wird sich ein Petitionsausschuss mit derartigen Bürgeranliegen befassen. Auf Antrag von Volker Meutzner (Haus/Grund) beschloss der Stadtrat mit 15 Ja- gegen 10 Nein-Stimmen, seine Hauptsatzung um ein solches Gremium zu ergänzen.

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