Auf Grund gelaufen

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wir sitzen auf dem Trockenen. Aber nicht nur, weil kein Wasser da ist.

Keine Angst, hier geht es nicht schon wieder um die Dürre. Obwohl - wussten Sie eigentlich, dass es lange nicht mehr geregnet hat? Aber in Freiberg sitzen wir aus einem anderen Grund auf dem Trockenen. Nämlich, weil kein Wasser da ist. So wie diese Woche im Unteren Kreuzteich. Dort schwante dem Schwan nichts Gutes. Denn der Teich hatte sich aus Versehen selbst abgelassen. Aber immerhin konnte man so den Dingen auf den Grund gehen, zum Beispiel den toten Fischen. Auch Besucher des Waldbads sitzen auf dem Trockenen. Und das Freiberger Hallenbad ist derzeit keine Bade- sondern eine Baustelle. Sogar die Wasserspiele auf dem Obermarkt waren zeitweilig kaputt.

Dabei handelt es sich nicht um eine Aneinanderreihung unglücklicher Trockenfälle. Sondern um eine Strategie der Staatsregierung zur Stärkung des ländlichen Raums. Binnen zehn Jahren sollen alle Gewässer außerhalb der Großstädte trockengelegt werden. So will man Touristen anlocken. Badeseen mit Wasser gibt es schließlich überall, aber wo kann man schon ein Schlammbad in der Natur genießen? Auch der therapeutische Wert ist dank der im Boden angereicherten Schwermetalle nicht zu verachten. Besonders "prickelnd" wird die Erfahrung im Soldatenteich, beschönigend "Waldbad" genannt - sozusagen ein Bombenerlebnis.

Es ist ohnehin nicht schlimm, dass an vielen Badestellen zurzeit Land unter ist. Besser gesagt Land über. Schließlich sollen die Schüler nicht mehr am See herumlümmeln, sondern in der Schulbank. Denn es gilt, die Spitzenposition von Sachsen seinem Bildungssystem zu verteidigen. Und das nicht nur bei dem Grammatik. Noch sind die hiesigen Schüler im Bundesvergleich die absoluten Streber. Meint jedenfalls das Institut der deutschen Wirtschaft. Daraus lässt sich ableiten, dass selbstständiges Lernen besonders effektiv ist. Und das wird ja in Sachsen gepflegt. Und zwar mit dem pädagogischen Konzept "Lernen ohne Lehrer". Denn von denen haben wir bekanntlich zu wenige. Und jenen, die es hier noch aushalten, steht das Wasser bis zum Hals.

Trotzdem sind unsere Schüler zu wissenschaftlichen Höchstleistungen fähig. So gelang es einer Gruppe von Gymnasiasten aus Zwönitz, einen Hilferuf zur Internationalen Schaumstation ISS abzusetzen. Sie baten den Astro-Marketingspezialisten Alexander Gerst, ein paar Marsmenschen mitzubringen. Die könnten als Quereinsteiger in sächsischen Schulen arbeiten. Die Integration würde ihnen wohl leichter fallen als so manchem westdeutschen Lehramtsanwärter. Sprachkenntnisse müssten die extraterrestrischen Pädagogen nicht mitbringen. Man werde sie zunächst in einen Kurs "Sächsisch als Zweitsprache" stecken.

Schwer hat es dagegen eine andere Bevölkerungsgruppe: die Waschbären. Wo sollen sie bei der Trockenheit das Futter reinigen, das sie aus Mülltonnen oder Hosentaschen geklaut haben? Zwar sind die Talsperren in Sachsen noch nicht leer; im Gegensatz zu so manchem Brunnen. Doch beim Baden in Großhartmannsdorf oder Kriebstein genießt man die zweifelhafte Gesellschaft der Blaualgen. Gerüchten zufolge will die "Blaue Partei" in einem dieser Seen ihre Wahlkampfveranstaltungen abhalten. Man hofft, dadurch endlich mehr Mitglieder zu gewinnen.

Auch die mittelsächsische Lokalpolitik fischt mal wieder im Trüben. So bemühte sich die Kreis-CDU, mitzuteilen, dass sie auf keinen Fall eine Koalition mit der Linkspartei wolle, woraufhin diese bekanntgab, dass sie zwar drüber reden wolle, aber eigentlich eh keinen Bock hat. Immerhin muss man keine Angst haben, dass Grundpositionen der Parteien verwässert werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...