Baubürgermeister verteidigt Baupläne

Nach dem Stadtratsbeschluss: Debatte um Investitionsprogramm für Sportstätten in Freiberg geht weiter

Freiberg.

Die Bedarfsliste für Sportstätten-Investitionen in Freiberg summiert Projekte mit einem geschätzten Wertumfang von 32,5Millionen Euro. Darunter ist der Neubau einer Vierfeldhalle samt Kegelbahn als Ersatz für die Sporthallen der Carl-Böhme-Grundschule und der Ohain-Oberschule. Nach dem Ratsbeschluss des Sportstättenentwicklungskonzepts (SEK) geht die Diskussion weiter. So warnt die SPD vor Schnellschüssen, das Bauamt beruft sich auf die ausführliche Prüfung der Fakten. "Freie Presse" fasst Fragen und Antworten zusammen.

Die SPD, die dem Konzept im Stadtrat zugestimmt hat, mahnt eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und den Nutzern der Sportstätten an. Dazu müssten Daten der Kitas für das SEK gründlich untersucht werden. Die Auflistung der Kitas sei unvollständig. Wurden alle Kitas für die Aufstellung herangezogen?

Für die SEK-Planung wurden 26 Kitas abgefragt, so Baubürgermeister Holger Reuter auf Anfrage. "16 Einrichtungen haben geantwortet und wurden mit ihren Antworten im aktuellen Sportstättenentwicklungskonzept berücksichtigt." Für die, die nicht geantwortet hätten, seien die Daten der aktuellen Sportstättenbelegung herangezogen worden.

Das Konzept prognostiziert, dass die Gesamtbevölkerung Freibergs um 3 Prozent wächst. "In der Unterscheidung für einzelne Altersgruppen gibt es jedoch für Personen unter 20 eine Steigerung von 17,3 Prozent. Diese Annahme erscheint wegen der rückläufigen Zahlen für die Altersgruppe zwischen 20 und 60 plausibel", so die SPD. Sie fände es besser, den Ist- (2018/19) und den Soll-Zustand (2034/35) im Einzelnen und mit gleichen Kriterien darzustellen. Entsteht ansonsten der Eindruck des Apfel-Birnen-Vergleichs?

Grundsätzlich handelt es sich nicht um einen Soll-/Ist-Vergleich, sondern um den Ist-Zustand und eine Prognose zum Sportstättenbedarf, unterstreicht Baubürgermeister Reuter. "Das Amt für Bildung, Jugend und Soziales hat zum Beispiel auf Basis der demografischen Prognosen sowie eigener Berechnungen die erwarteten Wochenstunden an Sport für die jeweiligen Schulen und Schultypen errechnet. Die Steigerung der Schülerzahlen wurde in den zugrundegelegten Wochenstunden mit berücksichtigt", so Reuter: "Die Prognosen der einzelnen Altersgruppen sind also eingeflossen - jedoch nicht pauschal über alle Schultypen hinweg, sondern je Schultyp separat." So seien die größten Steigerungen für den Sportbedarf in der Gymnasialstufe berücksichtigt (+20,4 Prozent), für Oberschulen und Grund-/Gesamtschulen Steigerungen des Schulsportbedarfes von 7 bis 11 Prozent. Reuter: Die Entwicklungen der Altersgruppen wurden also berücksichtigt. Damit bestehe Vergleichbarkeit.

Die SPD warnt, für Böhme- und Ohain-Schule seien Prognosen für Klassen und Züge knapp bemessen und mahnt eine besonders sorgfältige Planung an, da der Abriss der bestehenden Sporthallen beabsichtigt ist.

Laut Rathaus sind sämtliche aktuellen Angaben berücksichtigt, Zügigkeit und Angaben der Wochensportstunden bleiben erhalten. "Die Angaben zum Schulsport wurden sorgfältig geplant. Da es sich bei Prognosen um Annahmen handelt, ist eine Überprüfung in sinnvollen Abständen immer zielführend. Deshalb hat der Stadtrat beschlossen, nach Fertigstellung der Mehrfeldhalle den Bedarf für die Sporthallen nochmals zu überprüfen."

Warum hat der SPD-Vorstand jetzt Bedenken gegen den Abriss der Hallen, obwohl die SPD sowohl den Plänen für Abriss und Neubau, als auch dem SEK zugestimmt hat?

Der stellvertretende SPD-Ortschef Alexander Geißler sieht darin kein Problem: Die Fragen seien erst mit der späten Kenntnisnahme des umfangreichen SEK entstanden.

Die SPD betrachtet die Verlegung des Sportunterrichtes in die geplante Mehrzweckhalle mit Skepsis. So sei etwa noch nicht geklärt, wo Umkleide-, Neben- und Sanitärräume für den Sportunterricht im Freien bei der Ohain-Schule untergebracht werden sollen, wenn die Sporthalle abgerissen ist. Fehlt eine Gesamtkonzeption?

"Entscheidend ist nicht, ob die SPD die Errichtung einer modernen Sportanlage für den Schulsport skeptisch sieht. Sie kann davon ausgehen, dass wir die neue Halle nach aktuell geltenden Normen unter Einbeziehung der zukünftigen Nutzer planen", kontert Holger Reuter. Die Außenanlage der Ohainschule sei im SEK betrachtet, die Einrichtung der Umkleide- und Duschräume für die Nutzung der Außensportanlage der OS "P. v. Ohain" in die derzeitige Planung der Sanierung der Ohainschule eingearbeitet: "Die Umsetzung erfolgt mit dem dritten Bauabschnitt in diesem Jahr." Eine Ankündigung, die die SPD begrüßt.

Da das Konzept erst mit Beschluss öffentlichgemacht werden konnte, sei eine breitere Beteiligung über Fachgremien hinaus nicht möglich gewesen, kritisiert die Freiberger SPD. Auf diesem Weg seien aber bessere Ergebnisse erzielbar. Wie bewertet die Stadt die Initiative für frühzeitige, offene Bürgerbeteiligung?

Baubürgermeister Holger Reuter weist diese Vorwürfe zurück: Es sei nicht richtig, dass es keine breite Beteiligung über die Fachgremien hinaus gegeben habe. Zur Planung seien die Freiberger Schulen, Horte, Kindereinrichtungen und Sportvereine befragt und die Ergebnisse eingearbeitet worden. Für die Planung des nichtorganisierten Sports wurden Daten aus der Sportverhaltensberichterstattung des Landes für die Stadt entnommen. Beteiligt waren auch Fachämter, Sportbeirat und Kreissportbund. grit

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