Bittere Pillen für das "Erbgericht"

Der Umbau des Saals in Langhennersdorf wird deutlich teurer als geplant. Zudem gerät der Zeitplan erheblich unter Druck.

Langhennersdorf.

Der Saal des Gasthofs "Erbgericht" in Langhennersdorf soll zum Auftakt der Faschingssaison im November nutzbar sein. Das hat Oberschönas Bürgermeister Rico Gerhardt (CDU) am Rande der jüngsten Sitzung des Gemeinderates als "erklärtes Ziel" bezeichnet. Unmittelbar zuvor hatte der Rathauschef den Räten aber ein paar schlechte Neuigkeiten in Bezug auf das Objekt mitteilen müssen, das der Gemeinde gehört. Es wird derzeit umgebaut, um es sowohl für kulturelle als auch für sportliche Aktivitäten nutzbar zu machen.

Die erste Hiobsbotschaft dabei war, dass die Dacheindeckung - anders als angenommen - nicht dicht ist. "Als die Saaldecke geöffnet war, hat sich der Planer als erstes gewundert, warum da überall Lichtspalte zu sehen waren", berichtete der Bürgermeister. Dem Anschein nach seien die Faserzementplatten vor etwa 20 Jahren nicht fachgerecht verlegt worden, so das Urteil des Experten.

Dass der Schaden nicht eher bemerkt wurde, sei wahrscheinlich den Planen zu verdanken, die auf der Saaldecke lagen. "Die Pfützen, die sich darauf gebildet haben, sind schnell wieder verdunstet, weil es ja von unten auch keine Wärmedämmung gab", sagte Gerhardt. Wie das Dilemma behoben werden kann, müsse erst noch untersucht werden.

Die Räte beschlossen also, die bisherige Ausschreibung für Dachdeckerleistungen aufzuheben und neu zu starten. Es hatte sich ohnehin nur eine Firma gemeldet - und die verlangte mehr als das Dreifache der reichlich 14.000 Euro, die der Planer veranschlagt hatte.

Die zweite Negativ-Nachricht war, dass es für die Elektro-Arbeiten bei der öffentlichen Ausschreibung keinen Bieter gab. Jetzt sollen einzelne Firmen gezielt angesprochen werden, so der Bürgermeister: "Ehe die Kabel nicht in der Wand liegen, können auch viele andere Gewerke nicht ran. Wir sind da jetzt echt unter Druck geraten."

Drittens hatte sich um die Heizungs- und Sanitärarbeiten nur eine Firma beworben - mit fast einem Drittel Aufschlag gegenüber der Kostenschätzung von etwas mehr als 80.000 Euro. Der Gemeinderat beschloss, auch diese Ausschreibung aufzuheben und noch einmal zu starten. Möglicherweise habe die Vorgabe, in der Ferienzeit zu bauen, weitere Bieter abgehalten, hieß es.

Schon keine Überraschung mehr war es für die Räte, dass der gesteckte Kostenrahmen deutlich überzogen werden wird. War ganz am Anfang noch mit 300.000 Euro spekuliert worden, so hatte die Kostenschätzung des Planungsbüros bereits bei 530.000Euro gelegen. Aktuell wird mit fast 715.000 Euro gerechnet. "Langhennersdorf erhält jetzt seine Elbphilharmonie", kommentierte Eckhard Weber die Kostenentwicklung. Er spielte dabei auf ein Prestigeprojekt in Hamburg an, dass mit 800 Millionen Euro etwa zehnmal so teuer wie geplant geworden war.

Wie der Senat der Hansestadt halten aber auch die Oberschönaer Gemeinderäte an ihrem Projekt fest: Sie beauftragten trotz aller Widrigkeiten die Hufcor Deutschland GmbH mit dem Aufbau einer mobilen Trennwand im Saal. Die Firma aus Dessau-Roßlau hatte mit ihrem Angebot von gut 22.000 Euro unter den erwarteten 39.000 Euro gelegen. Für den Langhennersdorfer Karneval Club besteht also Hoffnung, im November wieder in sein Domizil einladen zu können - auch wenn noch Restarbeiten offen sein sollten.

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