City startet in Freiberg mit Candlelight-Spektakel ins neue Rockmusik-Jahr

City-Frontmann Toni Krahl spricht über das neue Programm und erzählt, warum zwei Harmonien für einen Hit reichen.

Freiberg.

Mit ihrem Candlelight-Spektakel eröffnen die Musiker von City am 4. Januar 2020 in der Freiberger Nikolaikirche das neue Rockmusik-Jahr. Über das Programm und nächste Pläne hat sich Astrid Ring mit Frontmann Toni Krahl unterhalten.

Freie Presse: Es soll ein Abend mit den schönsten Balladen aus 40 Jahren Bandgeschichte werden. Das verspricht City für sein Candlelight Spektakel. Worauf können sich die Freiberger Konzertbesucher freuen?

Toni Krahl: Für unsere Band ist das Konzert in Freiberg der Auftakt 2020 und auch der Auftakt in ein neues Jahrzehnt. Wir wollen Songs spielen, die City nicht auf jedem Marktplatz präsentiert. Wir waren ja schon mehrmals in Freiberg, meist im Tivoli. Da gibt's immer lautere Rockshows mit Partystimmung. Dabei können wir aber nicht alle Lieder spielen, die wir auf unseren Alben versteckt haben - heimliche Hits. Die haben es zwar in die Herzen der Leute geschafft, aber nicht unbedingt ins Live-Programm. Beim Candlelight Spektakel spielen wir die Titel sehr wohl. Das Konzert wird in der Nikolaikirche stattfinden. Die Leute sitzen, es herrscht eine andere Atmosphäre - alles etwas gediegener. Es gibt kein Vorprogramm, die Show geht mit uns los. Dafür haben wir bewusst solche Locations ausgesucht. Zwischendurch werden wir aus 50 Jahren Bandgeschichte plaudern, das wird amüsant. Also, der Moderationsanteil wird etwas höher und witziger sein.

City kündigt gleichzeitig an, dass es die größten Hits in elek-tro-akustischen Arrangements geben wird. Das heißt ...

Natürlich sind auch in diesem Programm immer wieder die Elektrogitarren dabei, es wird zwischendurch schon lauter. Wir machen kein Schlafwagenkonzert, das kann ich versprechen. Es wird die Momente geben, bei denen es die Leute von den Stühlen reißt.

Will City mit dem Candlelight Spektakel ein Stück weg vom typischen Sound?

Das ist gerade unser typischer Sound. Die Mutter aller Lagerfeuer-Unplugged-Sounds - die DNA - liegt im Titel "Am Fenster" begründet. Genau dieser Sound wird beim Candlelight Spektakel besonders hervorgehoben. Die Geige ist sehr dominant und die Akustik-Gitarre. Es sind Lieder, die wir auf jedem Album haben. In diesem Sinne verlassen wir nichts, sondern passen uns den Locations an, um auch diese Seite von City einfach mal in den Vordergrund zu stellen.

Sie haben im Plausch mit Henri Hübchen - von dem Sie Ihre erste Gitarre gekauft haben sollen - festgestellt: drei Harmonien und die Wahrheit - schon ist ein guter Song fertig. Ist es so einfach?

Das ist natürlich etwas lax daher geredet (lacht). Aber in der Rock- und Popmusik geht es weniger um komplizierte harmonische Wendungen, wie sie der Jazz oder die Klassik nutzen. Es geht ganz klar um Emotionen, die ausgedrückt werden sollen. Das kann man mit drei Harmonien schaffen. Der Song "Am Fenster" hat sogar nur zwei Harmonien - das ganze Lied - und er trifft das Herz der Leute. Man kann mit zwei Harmonien spielen und dabei gleichzeitig auf der Violine fabulieren. Und mit Wahrheit meine ich, dass wir immer vertonen: Also zuerst ist das Wort, und wir suchen uns Melodien für die Worte und Silben - ordnen die Musik den Texten unter, versuchen eine Einheit. Dabei ist es wichtig, dass wir wahrhaftig bleiben, dass die Leute uns glauben. Das unterstreichen wir außerdem mit den Zwischentexten.

... dennoch reichen City zwei Worte: "Am Fenster". Mögen Sie den Song noch?

Tatsächlich hat der sich auch in unser Herz gespielt. Der Song ist so einzigartig, dass er an jedem Abend neu auflebt. Und es gibt kleine Nuancen, die das Publikum nicht bemerkt, aber wir merken sie und erfreuen uns daran. Weil sich dieses Lied an jedem Abend kurzzeitig verändert, wird unsere Spielfreude größer. Dabei spielt immer das Tagesgefühl eine Rolle: Also wie kommt Georgi Gogow mit seiner Geige rein in dieses Lied, wie setzt er den Bogen an. Und es ist immer wieder interessant für uns - die wir dieses Lied ja schon über 40 Jahre gemeinsam spielen - was wir jeden Abend aus uns hervorzaubern können.

"Am Fenster" fehlt also in Freiberg am 4. Januar nicht?

Natürlich darf es nicht fehlen. Ich weiß gar nicht, ob es je ein Konzert gab, bei dem wir es nicht gespielt haben. Wir hatten mit dem Lied tolle Situationen und kennen viele Geschichten. Früher sind die Leute dabei sogar übereinander geklettert und haben Pyramiden gebaut ...

Wie gut kennen Sie eigentlich Freiberg? Die Stadt gehört mit dem Erzgebirge seit kurzem zum Unesco Welterbe ...

Wir sind öfter in Freiberg - ein hübsches kleines Städtchen. Zwar sind wir nicht so fest angebandelt wie die Puhdys, die ja dort ihr erstes Konzert hatten, kommen jedoch immer gern. Das mit dem Welterbe ist für mich neu - aber ich denke, verdientermaßen. Gratulation.

Zum Tag der Einheit ein runder Geburtstag - Ihr 70. -, dazu Ihr Buch "Rocklegenden" mit Sicht auf ein sehr bewegtes Leben, nun der neue Song "Mein Land". Warum gerade jetzt der Blick auf Ihre Vergangenheit als Ossi?

Wir haben das ganze Gedönse um den 30. Jahrestag des Mauerfalls als Anlass genommen und gedacht, dass es Zeit ist, einen Kommentar dazu abzugeben. Es ist ja nicht nur die Vergangenheit, es ist auch unsere Gegenwart. Wir beschreiben in dem Lied unser Lebensgefühl. Das wurde natürlich auch geprägt durch unsere ersten City-Jahre, die wir noch in der DDR erlebt haben. Das wollen wir nicht verleugnen.

Hören die Freiberger eine Geschichte aus Ihrem Buch?

Ich werde ein, zwei kurze Sachen aus "Rocklegenden" lesen, die sich auf Erlebnisse der Band beziehen. Welche das sind, weiß ich noch nicht. Das ändert sich manchmal.

City startet in Freiberg mit der Tour ins neue Jahr. Welche Pläne gibt es oder denkt die Band schon in Richtung Ruhestand?

Um Gotteswillen! Nix mit Ruhestand, natürlich nicht. Wir haben 2020 etwas ziemlich Großes vor: von April bis zum Frühsommer eine Tour mit Rocklegenden. Maschine ist dabei, der wird die Puhdys-Fahne hochhalten. Außerdem konnten wir zum ersten Mal Silly gewinnen, darüber freuen wir uns sehr. Das wird großen Spaß machen und für uns ein besonderes Erlebnis sein.

Sie persönlich sind von der tschechischen Regierung geehrt worden - für Ihren Mut, 1968 gegen den Einzug der Truppen des Warschauer Paktes in Prag demonstriert zu haben. Vom DDR-Regime wurden Sie damals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Wofür lohnt es sich aus Ihrer Sicht heute aufzustehen?

Da gibt es einiges zu sagen: Natürlich für das, was die jungen Leute momentan thematisch auf die Straße bringen. Das ist das zentrale Thema für die Zukunft, und sie legen den Finger in die richtige Wunde. Ob sie aber - das wage ich jetzt mal zu bezweifeln - die richtigen Lösungsansätze haben, kann man von ihnen wirklich nicht verlangen und erwarten. Aber Fakt ist: Wir, die Erwachsenen, haben dafür zu sorgen, dass wir den Müll und Schrott und was wir sonst alles produzieren, von unserem Planeten fern halten und ihnen lebenswert hinterlassen. Mit dieser Forderung gehe ich auf jeden Fall mit. Ich weiß keine technologische Lösung, aber dafür gibt es Wissenschaftler und Ingenieure. Ich maße mir auch nicht an, zu sagen, das Elektroauto ist es - keine Ahnung.

Weihnachten steht vor der Tür. City hat einen vollen Tourkalender - fällt Weihnachten aus?

Ne, Weihnachten fällt nicht aus. Da haben wir frei und treten nicht auf. Weihnachten wird für meine Frau und mich ganz gemütlich. Wir sind bei meiner Schwiegermutter in Chemnitz eingeladen. Dort kann ich die Beine hochlegen und mich füttern lassen.

Restkarten für City am 4. Januar 2020 in der Nikolaikirche Freiberg gibt es in den "Freie Presse"-Shops. Zudem verlost "Freie Presse" zwei mal zwei Karten am Montag, 13 bis 13.10 Uhr unter Ruf 03731 376 14195. Die Anrufer sind einverstanden, dass ihre Namen und Wohnorte an den Veranstalter zum Kartenempfang weitergegeben werden.

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