Das Geschäft mit dem Stahl

Die Produktion läuft beim Stahlhochbauer Christmann & Pfeifer auf Hochtouren. Aufträge sind da, nur die Zufahrt ist eine Katastrophe. Die Stadt feilt an einer Lösung.

Freiberg.

5000 bis 7000 Tonnen Stahl werden pro Jahr in die Himmelfahrtsgasse 31 in Freiberg gekarrt, um daraus Stahlträger und Bauteile nach Maß zu fertigen. Hallen aus Stahl, das ist das Geschäftsfeld der Firma Christmann und Pfeifer Industrietechnik (CP), die vor 25 Jahren aus dem Stahlbaubetrieb Saxonia AG hervorgegangen ist.

"Sie können sich das bei uns wie einen Metallbaukasten vorstellen", erklärt Werkstattleiter Hans-Peter Pöge beim Rundgang durch die Fertigung. Es scheppert, kreischt, klopft und knallt in der 170 Meter langen Halle. Kräne lassen schwere Stahlträger schweben. Von den insgesamt knapp 50 Mitarbeitern arbeitet etwa die Hälfte in der Fertigung. Woche für Woche liefern Lkw etwa 100 Tonnen Rohstahl aus verschiedenen Walzwerken an. "Früher haben wir noch die Bahn und den Ostbahnhof genutzt", erzählt Pöge nebenbei. Der Maschinenbauer ist praktisch Mann der ersten Stunde. Er hatte Glück und wechselte 1993 von Saxonia mit zu CP,als der Mutterkonzern aus dem hessischen Breidenbach nach der Wende auf den Betrieb aufmerksam wurde.

Heute leitet er den Fertigungsprozess. So werden die gelieferten Halbzeuge zunächst in einer sogenannten Durchlaufstrahlanlage gestrahlt, sprich Schmutz und Rost wird abgeschlagen. Das saubere Bauteil hat dann eine raue Oberfläche, die sich besser verschweißen lässt, erläutert Pöge. In der Bohr-Säge-Anlage wird gebohrt, abgelenkt und schräggeschnitten. An der Plasmaschneideanlage werden aus einem großen Blech mithilfe von Strom die passenden Teile ausgeschnitten. Der Verschnitt liege bei zwei bis drei Prozent und werde recycelt. Manche Teile werden mit Lack besprüht; andere Teile werden zum Verzinken gebracht.

Aus den gefertigten Teilen entstehen mitunter riesige Hallen aus Stahl; konstruiert in Freiberg. Beispiele sind etwa die Eingangshalle des neuen Hörsaalgebäudes der TU Chemnitz, eine Halle aus 2200 Tonnen Stahl für Airbus, eine Hafenumschlags- und Getreidelageranlage für den Agrargroßhändler Beiselen, eine futuristische Konstruktion für den Sportartikelhersteller Adidas in Herzogenaurach sowie Tragkonstruktionen für die Firma Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik in Freiberg.

Ein Manko für den Standort in der Nähe der ehemaligen Porzellanwerkes ist allerdings, dass sich die Lkw von der Autobahn erst durch Freiberg und dann die gepflasterte Himmelfahrtsgasse hinaufschieben müssen. Dazu sei CP-Geschäftsführer Michael Steeger schon lange im Gespräch mit der Stadt. Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD), der anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums gestern an der Werksführung teilnahm, sagte darauf, dass bereits zwei Millionen Euro für eine Verbindungstrasse zwischen Himmelfahrtsgasse und Bundesstraße 173 eingeplant seien. Spätestens in fünf Jahren soll diese fertig sein. Die Straße sei der erste Schritt auf dem Weg zum großen Ziel, das Gelände am Davidschacht zu entwickeln und denkmalgeschützte Gebäude wie das Porzellanwerk zu erhalten.

Keinen Hehl macht Steeger daraus, dass der Fachkräftemangel auch vor den Toren von CP nicht Halt macht. Knapp 50 Leute beschäftigt die Firma in Freiberg, "das ändert sich dauernd je nach Auftragslage", so Steeger. Er greife auch auf Leiharbeiter zurück, schließe Werkverträge ab. "Das Problem zieht sich vom Schweißer bis zum Ingenieur durch. Alle Branchen haben das Problem, warum sollte der Stahlhochbau da eine Ausnahme bilden?", sagte er nach dem Rundgang. Im klassischen Projektgeschäft sei Personalplanung ohnehin schwierig: "In manchen Wochen sind wir zu 180 Prozent ausgelastet, in anderen nur zu 70. Wir können nicht immer Mitarbeiter für 180 Prozent vorhalten", erläutert er.

Freiberg ist neben Elster/Sachsen-Anhalt und Breidenbach/Hessen einer von drei CP-Standorten, wo Bauteile gefertigt werden. Steeger koordiniert von der Bergstadt aus zahlreiche Baustellen deutschlandweit. Im Ruhrgebiet beispielsweise sei die Preisexplosion viel größer als im Osten Deutschlands, sagt er, weil dort noch viel mehr gebaut werde. Deshalb landen auch mehr Aufträge in Freiberg. Der Stahl wird dann eben hin- und hergefahren. Steeger: "Der Transport kostet im Verhältnis zum Produkt nicht viel. Ob das gut ist, ist eine andere Frage."

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