Das Meisterwerk Jehebers in Sayda

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Die Orgel ist zum Instrument des Jahres 2021 erklärt worden. Allein die Freiberger Region ist reich an Orgeln - ob in Kirchen, Museen oder Betstuben des Bergbaus. In loser Reihenfolge stellt die "Freie Presse" einige vor. Heute: die Jeheber-Orgel in Sayda.

Sayda.

Christoph Tanneberger spielt sich sein eigenes Geburtstagsständchen. Zum Gottesdienst in der Saydaer Kirche hat der Freie Organist, der im sonstigen Berufsleben Schornsteinfegermeister ist, an einem seiner Lieblingsinstrumente Platz genommen, und das an seinem Ehrentag. Denn für ihn ist die von 1847 bis 1856 geschaffene Orgel klanglich und optisch eine der schönsten in der Region.

"Meiner Meinung nach kommt sie gleich nach den Silbermann-Orgeln in Freiberg", sagt Tanneberger und berichtet von der ein wenig tragischen Geschichte des Instruments. "Nur insgesamt vier Orgeln hat der Orgelbauer Carl Gottlieb Jeheber gebaut. Und diese hier ist seine größte und letzte, aber deren Vollendung hat er selber nicht mehr erleben können."

Jeheber lebte von 1800 bis 1855. Er war der Sohn des Friedebacher Erbrichters, und sein Herkunftsort ist auf dem Schild an der Orgel mit verewigt. Johann Gotthold Jehmlich (1781-1862) war nicht nur Hoforgelbaumeister in Dresden, sondern auch Schwager von Jeheber. Dieser war denn auch als Altgeselle bei seinem Verwandten tätig. In seiner eigenen Werkstatt schuf er später Orgeln für Pappendorf und Dörnthal.

Die Saydaer Orgel sollte sein Prachtstück werden. Heute kann man sagen, dass ihm dies gelungen ist, auch wenn er selbst es nicht mehr erleben durfte. 3000 Taler verlangte er seinerzeit dafür, doch waren sie es wohl wert. 25 Register und 1467 Pfeifen erhielt das Instrument. Das fünfachsige Gehäuse entstand im neugotischen Stil.

Seine Vollendung dauerte neun Jahre und wurde nach Jehebers Tod von den Gebrüdern Jehmlich zu Ende gebracht. In Klang und Optik erkennt man die Silbermann-Tradition, in der die Orgel steht. Spurlos ging die Zeit auch an diesem Instrument nicht vorbei. Immer wieder gab es verschiedene Veränderungen oder Anpassungen. So erhielt es 1927 sein erstes elektrisches Gebläse. Wie in Kriegszeiten leider üblich, wurden die zinnernen Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt. Man hatte Sinnloseres mit ihnen vor. An ihre Stelle traten Pfeifen aus Zink. Die Ruhe, welche dann in puncto Reparaturen oder Veränderungen ab 1932 folgte, tat der Orgel aber auch nicht wohl.

1977 stellte schließlich ein Gutachten fest, dass es nicht gut um sie stand, eine Restaurierung notwendig sei. 1994 kam ein zweites Gutachten zu dem gleichen Ergebnis, doch auch jetzt geschah nichts. So kam es, dass die Orgel schließlich kaum noch gespielt werden konnte. 1998 gründete sich ein Förderverein zur Restaurierung von Kirche und Orgel.

Über Spenden kam genug Geld zusammen, sodass die Orgel ausgebaut und in der noch heute existierenden Jehmlich-Werkstatt restauriert werden konnte, eine Arbeit, die 2012 abgeschlossen wurde.

Mit der berühmten Toccata von Johann Sebastian Bach demonstriert Christoph Tanneberger, über welchen Klang und welche Kraft die Saydaer Orgel heute wieder verfügt, womit der Name Jeheber verbunden und erhalten bleibt.

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