Digitalpakt Schule löst Debatte aus

Die Regierung will den Einsatz neuer Medien in der Grundschule "An der Grabentour" fördern. Im Reinsberger Gemeinderat stößt das aber auch auf Vorbehalte.

Reinsberg.

Laptop-Computer in der Grundschule? - Konrad von Posern hält das für übertrieben. Er sei selbst Vater von drei Kindern, erklärte der CDU-Politiker am Dienstagabend in der Sitzung des Reinsberger Gemeinderats: "Mir ist es wichtiger, dass in der Grundschule erst einmal Grundfähigkeiten vermittelt werden." Es gebe in der Gemeinde zahlreiche Geschäftsleute, die noch keinen leistungsfähigen Internetanschluss hätten, so der Hirschfelder: "Ich glaube, wir haben andere Prioritäten."

Wie Bürgermeister Bernd Hubricht (CDU) zuvor erklärt hatte, stünden voraussichtlich rund 75.000 Euro bereit, um in der Grundschule "An der Grabentour" im Ortsteil Neukirchen digitale Geräte und Lernprogramme zu etablieren. Der Bund hatte angekündigt, in den nächsten Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro für neue Medien an den Schulen der Republik bereitzustellen. Aus diesem Digitalpakt soll Sachsen 225 Millionen Euro erhalten; weitere 25 Millionen Euro sollen das Land und die Kommunen im Freistaat beisteuern.

Laut Rathauschef Hubricht wird die Gemeinde "etwa 10 bis 15 Prozent drauflegen müssen". Man könne sich dem Trend zur Digitalisierung aber nicht verschließen, warb das Gemeindeoberhaupt: "Unsere Grundschule war bislang immer mit in der Spitzengruppe, wenn es um Innovationen ging. Die Schule habe bereits ein Medienkonzept erstellt, das aber noch einmal überarbeitet werden müsse. So gehe das Papier von 60 Notebooks für die rund 120 Erst- bis Viertklässler in Neukirchen aus. Das sei zu viel, so der Tenor in der Ratssitzung.

Gemeinderat Torsten Schramm (Verein für gerechte Kommunalabgaben - VgK) wies darauf hin, dass die Geräte vermutlich nach wenigen Jahren ersetzt werden müssten: "Wer bezahlt das dann?" Für Holger Etz (Linkspartei) sind vor allem die interaktiven Großflächen-Displays wichtig, die die klassische Schultafel ersetzen sollen: "In Norwegen sind die bereits Standard, und auch bei uns wird das kommen." Der kreidefreie Unterricht werde in der Freiberger Grundschule "Georgius Agricola" schon praktiziert, berichtete der Finanzer der Gemeindeverwaltung, Thomas Heidrich.

 

Mathias Wündrich (Regionalbauernverband) regte an, sich bei der Auswahl der Technik mit den Nachbarkommunen abzustimmen. Bei einer Fusion könnte es sich später als Nachteil erweisen, "wenn an jeder Schule ein anderes System im Einsatz ist." Bürgermeister Hubricht ergänzte, dass ohnehin eine Kooperation erforderlich sei: "Wir müssen über einen gemeinsamen Administrator reden, der die Geräte betreut."

Peter Heilmann (VgK) plädierte dafür, den Lehrerkollegen in Neukirchen Vertrauen zu schenken: "Die wissen selbst, dass auch die haptischen Fähigkeiten wichtig sind." Der Gemeinderat beschloss letztlich mit großer Mehrheit, die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH aus Dresden als Berater einzuschalten. Die Firma sei auch für die Halsbrücker Schulen tätig, so Hubricht.

 


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    0
    HHCL
    13.03.2020

    Liest man den Artikel schein Digitalisierung mit Anschaffung elektronischer Tafeln gleichgesetzt zu werden, die viele Nachteile bieten.

    Ich halte diese Geräte für überteuert und in Zeiten von Tablets, die man mit Stiften bedienen kann auch für überholt. Die Hersteller dieser Tafeln scheinen eine sehr gute Marketingabteilung zu haben; und Politiker, die kaum Ahnung von Unterricht haben, kaufen unreflektiert und verschleudern so tausende Euro.

    Mit dem Geld für eine Tafel hat man eine ganze Klasse mit Tablets ausgestattet; dann kann wirklich jeder damit arbeiten. In einer Klasse mit 25 Schülern (meist größer) nutzt oft nur der Lehrer die digitale Tafel - wenn sie denn funktioniert.

    Aber Hauptsache man hat die böse Kreide aus den Klassenzimmern entfernt. Unglaublich dummes politisches Schlagwort. Aber in diesem Land entscheiden ja nur noch Leute, die von der Thematik nichts verstehen und mit Phrasen handeln.