Drogendealer kommt mit blauem Auge davon

48 Gramm Marihuana, fast 400 Ecstasy-Tabletten und weitere Drogen brachten einen 21-Jährigen vor Gericht. Dass er damit gehandelt hat, war ihm aber nicht nachweisbar.

Freiberg.

Ein 21 Jahre alter Mann aus Großschirma ist jetzt wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln und des unerlaubten Entfernens von einem Unfallort vor dem Freiberger Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt worden - ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss der Verurteilte eine Geldauflage von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Er wurde zudem mit einem einmonatigen Fahrverbot belegt.

Dem Antrag des Verteidigers, seinen Mandanten freizusprechen, folgte das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Irina Pietzko nur hinsichtlich zweier weiterer angeklagter Straftaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Der Fall war ins Rollen geraten, da die Polizei einen anonymen Hinweis erhalten hatte. Wenig später, es war Mitte Dezember 2017, durchsuchten Beamte das Zimmer des heute 21-Jährigen. Wie ein Polizeibeamter als Zeuge vor Gericht erklärte, sei, wie bei solchen Aktionen üblich, dem Beschuldigten zunächst die Möglichkeit gegeben worden, beispielsweise vorhandene Drogen freiwillig herauszugeben. Daraufhin habe der Angeklagte verschiedene Betäubungsmittel aus einem Schrank genommen und vorgelegt. Bei einer sich anschließenden Suche fanden Polizisten weitere Drogen.

Das Landeskriminalamt Sachsen stellte eine große Menge verschiedener Drogen fest, die sich im Besitz des Angeklagten befanden: 359 Ecstasy-Tabletten, fast 48 Gramm Marihuana, fünf Gramm einer Tabak-Marihuana-Mischung, etwas Haschisch und Tablettenbruch. Die darin enthaltenen, das Bewusstsein beeinflussenden Wirkstoffe überschritten in ihrer Gesamtheit die im Betäubungsmittelgesetz festgelegten sogenannten geringen Mengen wesentlich, hieß es weiter. Insbesondere die vorgefundene Menge an Ecstasy-Tabletten sei außergewöhnlich hoch. Das Rauschgift sei zum Gewinn bringenden Verkauf bestimmt gewesen, hieß es in der Anklage, die von Staatsanwalt Detlef Zehrfeld vertreten wurde.

Das sei nur eine Vermutung, einen Beweis dafür gebe es nicht, argumentierte die Verteidigung. Genauso könne vermutet werden, dass der Angeklagte die Drogen aus Sammelwut oder Imponiergehabe aufbewahrt habe. Die Vorsitzende wies darauf hin, dass allein der Besitz ebenso strafbar sei wie der Handel.

In einer weiteren Anklage war dem jungen Mann vorgeworfen worden, im Darknet 5,5 Gramm Kokain bestellt zu haben. Ein Nachweis konnte nicht geführt werden, ein Freispruch war die Folge. Einen Schuldspruch gab es für unerlaubtes Entfernen von einem Unfallort. Am 14. Juli vorigen Jahres war der Angeklagte an einer Kreuzung in Großschirma mit einem Auto auf einen vor ihm verkehrsbedingt haltenden anderen Wagen aufgefahren. Er verließ die Unfallstelle, ohne die Feststellung seiner Personalien zu ermöglichen. Es entstand Schaden in Höhe von etwa 900 Euro. Für eine außerdem angeklagte vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs erfolgte hingegen Freispruch.

Während der Verhandlung nahm der 21-Jährige sein Schweigerecht in Anspruch. Über die Motive seines gesetzwidrigen Handelns wurde daher nichts bekannt. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte eine Verurteilung gemäß Jugendgerichtsgesetz angeregt. Staatsanwalt und Gericht konnten allerdings keine dafür ausschlaggebenden Reifedefizite oder andere Beeinträchtigungen feststellen.

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