Edelmetalldieb soll 33 Monate hinter Gitter

Das Landgericht hat einen 29-Jährigen aus dem Raum Freiberg verurteilt, der gut 22,6 Kilogramm Rhodium und Platin mitgehen ließ.

Freiberg.

Die Mutter konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, ihr Ehemann war wie versteinert: Der Vorsitzende Richter Bernd Bräunlich hatte dem 29-jährigen Sohn am Mittwoch verkündet, dass ihn das Landgericht Chemnitz wegen besonders schweren und gewerbsmäßigen Diebstahls in zehn Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteile.

Der junge Mann aus dem Freiberger Umland hatte vor Gericht eingeräumt, seinem Arbeitgeber von 2014 bis 2017 Platin und Rhodium mit einem Gesamtgewicht von reichlich 22,6 Kilogramm gestohlen und an Edelmetallaufkäufer in der Bundesrepublik für insgesamt fast 470.000 Euro verkauft zu haben. Die erste Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn auch dazu, den Schaden in voller Höhe zu ersetzen.

"Ich weiß, dass ich bis an mein Lebensende zahlen werde", hatte der gelernte Anlagenmechaniker noch vor dem Urteilsspruch erklärt. Er wolle zunächst 200 Euro pro Monat erstatten: "Wenn ich mal mehr verdiene, auch höhere Beträge."

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer drei Jahre Freiheitsentzug beantragt. Der Verteidiger dagegen hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren für angemessen gehalten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Letzteres sei für die Kammer nicht in Frage gekommen, machte der Vorsitzende Richter deutlich: "Wir sprechen hier ein Urteil im Namen des Volkes." Angesichts des hohen Schadens sei eine Bewährungsstrafe nicht zu rechtfertigen.

In seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Richter habe er einen solchen Fall noch nicht erlebt, sagte Bräunlich. Der Angeklagte hatte erklärt, dass vom Erlös der Beute kein Euro mehr vorhanden sei. Wenn davon vielleicht 300.000 Euro zurückgezahlt worden wären, deutete der Vorsitzende an, hätte man über eine Bewährungsstrafe reden können.

Richter Bräunlich kritisierte zugleich die aus seiner Sicht zu laxen Sicherheitsvorkehrungen in dem bestohlenen Unternehmen und die Aufkäufer des Edelmetalls, auf die der Verdacht der Hehlerei falle. Der Geschäftsführer der geschädigten Firma hatte im Zeugenstand erklärt, dass für Fachleute klar gewesen sein muss, dass es sich bei den Platin-Rhodium-Legierungen um Industriematerial und nicht um privaten Schmuck oder ähnliches handelte.

Er habe gestohlen, sagte der Angeklagte vor Gericht aus, um seine Schulden, seine Drogensucht und seinen Lebensstil finanzieren zu können. Er war bereits vier Mal wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu in Summe über 8000 Euro Strafe verurteilt worden. Die jüngste Geldbuße vom August 2019 floss am Mittwoch mit in das Urteil ein. Der Verteidiger ließ offen, ob er Revision beantragen werde.

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