Einer, der Türen öffnet

Was Domkantor und -organist Albrecht Koch beruflich um die Ohren hat, reicht für erfüllte Tage. Das sieht der renommierte Kirchenmusiker anders. Im Ehrenamt entwickelt er Konzepte, schiebt Neues an. Dafür wurde er jetzt in Dresden geehrt.

Freiberg.

"Die Ehrung sehe ich stellvertretend für andere", sagt Domkantor und -organist Albrecht Koch. Er ist Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft und stellt im Ehrenamt mit Gleichgesinnten ganz spezielle kulturelle Angebote auf die Beine. Sozialministerin Barbara Klepsch und Landtagspräsident Matthias Rößler dankten dem 42-Jährigen und vielen anderen Sachsen im Dezember in Dresden für ihr großes Engagement zugunsten der Menschen im Freistaat.

Albrecht Koch, gebürtiger Dresdner, setzt sich in seiner Freizeit vor allem für das Erbe von Orgelbauer Gottfried Silbermann ein. Rund acht Jahre steht er der gleichnamigen Gesellschaft als Präsident vor. "In dieser Zeit ist viel entstanden", so der Musiker. Vor allem zahlreiche Projekte für Kinder brachten Koch und Helfer in dieser Zeit auf den Weg. Die pädagogischen Angebote "Silbermann und seine Orgelwelt erleben" erfreuen sich nach seiner Auskunft großer Beliebtheit. Schulklassen und Kindergruppen aus der Region und darüber hinaus tauchen dabei in die Welt der Orgeln ein.

Für den Organisten sind die noch junge Ausstellung und Werkstatt im Silbermann-Haus am Schlossplatz, wo Meister Gottfried vor 300 Jahren wirkte, ein ganz besonderer Schatz. Die Schau entstand nach Kochs Worten ebenfalls in ehrenamtlicher Arbeit. Hier erfahren die Besucher, wie eine Orgel funktioniert und lernen die Werkzeuge eines Orgelbauers kennen. Die Kinder dürfen auf einem Modell spielen: die Tasten drücken, den Blasebalg treten und die Register ziehen. Sie bauen sich einfache Instrumente wie eine Tröte selbst, musizieren gemeinsam und erleben einen Organisten an den Freiberger Silbermannorgeln. Albrecht Koch und Clemens Lucke, Kantor der Petrikirche, teilen sich diese Aufgabe. Auch Orgelführungen für Kinder gibt es, und drei liebevoll gestaltete Hefte machen die Jüngsten mit dem als Königin der Instrumente gepriesenen Instrument bekannt. Zwei kindgerechte Führer zu den Freiberger Silbermannorgeln und zur Dresdner Kathedrale sowie eine Geschichte "Auf der Suche nach den Orkeln" entstanden. Daran beteiligten sich Freiberger und Röthaer Grundschüler mit Ideen und Texten.

Albrecht Koch sieht sich bei all den Angeboten im Silbermann-Haus vor allem als derjenige, der im Ehrenamt Konzepte entwickelt, Türen öffnet und Neues anschiebt. "Für die Kinder- und Jugendarbeit brauchen wir Fachkräfte, und die haben wir auch", meint er. "Wir gehen mit den Kindern in Kirchen, lassen sie zeichnen, und sie nehmen das Thema mit in den Unterricht." Der Organist will die Schüler nicht nur für die Orgel- und Kirchenmusik begeistern, sondern sie facettenreich an diese Kunst und das damit verbundene Handwerk heranführen.

Eigentlich reicht das, was der Vater von drei Kindern beruflich um die Ohren hat, schon für erfüllte Tage. Doch das sieht der renommierte Kirchenmusiker anders. "Ich empfinde es nicht als Belastung, es macht Spaß, für die Silbermanngesellschaft zu arbeiten und für die Stadt etwas zu bewirken", so sein Credo für das Ehrenamt. Albrecht Koch ist auch berufenes Mitglied im Sächsischen Kultursenat und vertritt Freiberg als Artist Director in der Vereinigung European Cities of Historical Organs, Echo, genannt.

Er leitet als Kantor den Domchor und die Kurrenden, kaum zählbar sind seine Konzerte und Auftritte vor heimischem Publikum im Dom, und rund ein Dutzend Orgelkonzerte gibt der Musiker jährlich auch außerhalb von Freiberg. Groß ist sein Engagement zudem als künstlerischer Leiter der bekannten Silbermann-Tage und des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbes.

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