Einstige Gemeindeschwester verwirklicht ihren Traum

Zu DDR-Zeiten kümmerte sich Eva-Maria Glöckner um die Gesundheit der Voigtsdorfer. Dann gründete sie einen Pflegedienst. Mit einem Großprojekt anstelle der alten Schule Friedebach kehrt sie nun dorthin zurück, wo einst alles begann.

Friedebach/Voigtsdorf.

Sie weiß nicht, sagt Eva-Maria Glöckner, ob sich jemand vorstellen kann, wie sie sich gerade fühlt. Die Unternehmerin aus Voigtsdorf geht durch ein Haus, das bislang aus nicht mehr besteht als den Ziegelsteinen und dem Dach. Im Erdgeschoss sollen schon in einem Jahr Senioren in einer Tagespflege betreut werden. Darüber sind acht Wohnungen und ein Apartment für Betreutes Wohnen geplant. Am 1. April wird das Haus übergeben, der Termin erscheint ihr realistisch, sagt Eva-Maria Glöckner.

Wie sie die Räume durchschreitet, sieht man ihr an, dass es ihr nur gut gehen kann. Das Richtfest wird gefeiert. Eva-Maria Glöckner ist dabei, sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Einen Lebenstraum, für den sie 1,2 Millionen Euro investiert. Einen Lebenstraum, der sie zurück zu ihren Wurzeln führt.

Das Haus, das die Zwönitzer Firma Gerlach Bau hochzieht, steht anstelle der alten Schule in Friedebach. Die Schule ist längst Geschichte, die Friedebacher Kinder lernen in Sayda, wohin der Ort auch eingemeindet ist. Doch als Eva-Maria Glöckner ein Schulkind war, da ging sie noch in Friedebach zur Schule. Denn sie stammt aus dem Dorf, und sie kann sich noch erinnern, wie sie mit ihrer Klasse auf dem Appellplatz stand.

"Ich hatte hier eine schöne Zeit", sagt sie. Sie lernte Krankenschwester und wurde Gemeindeschwester in Voigtsdorf, wo sie sich fortan um die Gesundheit der Menschen kümmerte, von Haus zu Haus fuhr, Blutdruck maß. Und als die DDR unterging und das System der Gemeindeschwestern nur mehr über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aufrecht erhalten wurde, da wollte Eva-Maria Glöckner nicht mehr in Bewilligungszeiträumen denken - und gründete einen Pflegedienst.

26 Jahre ist das her. Heute hat sie 15 Mitarbeiter, die im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern um Voigtsdorf vor allem Senioren betreuen. Doch schon lange grübelte sie darüber nach, nicht nur zu den Leuten zu gehen, sondern ihnen mehr zu bieten. Aber kein Heim, sagt sie. "Heime gibt es genug. Und viele Menschen wollen nicht weg."

Als sich 2011 die Gelegenheit bot, die alte Schule zu übernehmen, schlug sie zu. Banken befürworteten ihr Projekt. Und schließlich fand sie das Bau-Unternehmen Gerlach aus Zwönitz im Westerzgebirge, das ihre Wünsche perfekt in Pläne umsetzen konnte. Zu Jahresbeginn wurde die Schule abgerissen. Sie hatte schon lange leergestanden. Ohne ein solches Projekt wäre das alte Gebäude nur vergammelt, sagt Eva-Maria Glöckner. Sie bringt dagegen Leben nach Friedebach, ist sie überzeugt. Der Bäcker ist nur einen Steinwurf entfernt, auch ins Café könnten die Herrschaften mal einkehren. Und weil Eva-Maria Glöckner ihre Senioren kennt, hat sie an reichlich Stauraum für jede Wohnung gedacht. Niemand soll lieb gewordene Erinnerungsstücke entsorgen müssen.

Zwei Erinnerungsstücke der Friedebacher bewahrt sie selbst auf. Die Turmhaube der alten Schule steht neben dem Rohbau, soll auf dem Gelände einen würdigen Platz bekommen. Im Türmchen hängt die alte Schulglocke, die nun unter Denkmalschutz steht. Nur das alte Uhrwerk ist nicht mehr auffindbar. Irgendwann hat das jemand ausgebaut. Vom Vergehen der Zeit kündet nun nur noch das alte Zifferblatt. Was die Zeit Neues hervorbringt, davon kündet der Rohbau gegenüber.

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