Eltern wollen Kitas in Orten behalten

Es gibt erste Pläne für zwei Neubauten im Stadtgebiet Frauenstein. Doch das Geld reicht nicht - droht nun Ärger?

Frauenstein.

Es geht um viel Geld, das für die Jüngsten in den Kindereinrichtungen Frauenstein und Burkersdorf nötig ist. Doch für zwei neue Kitas im Stadtgebiet reicht es nicht, auch wenn Frauenstein Fördermittel bekommen könnte, wie Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos) am Montagabend den zahlreich erschienen Eltern in der Stadtratssitzung erläuterte.

Zwar sind beide Kinderhäuser äußerlich noch ganz ansehnlich, aber baulich in sehr schlechtem Zustand. Die Burkersdorfer Kita hat schon 80 Jahre "auf dem Buckel", in der Frauensteiner gehen seit 46 Jahren Kinder ein und aus. Seit 1996 werden beide Häuser durch das DRK Dippoldiswalde betrieben. Die Stadt jedoch zahlt alljährlich reichlich 500.000 Euro als kommunalen Anteil für den Betrieb der Kitas, die Eltern ihr Betreuungsgeld.

Immer wieder wurden die beiden Gebäude sowie das jeweilige Außengelände aufgehübscht. Die Gesamtsituation aber bleibt so prekär, dass sie laut Bürgermeister zu gesundheitlichen Problemen bei den Kindern und schlimmstenfalls zur Schließung der Einrichtungenführen kann. Immer wieder auftretende Schimmelpilze und Feuchtigkeit in den Räumen riefen bereits das Gesundheitsamt auf den Plan. Die Eltern sind in Sorge - die Stadt sucht nach Lösungen, wie Hentschel am Montagabend erklärte.

So besuchten zum Stichtag 1. April 2019 insgesamt 14 Kinder die Burkersdorfer Kita, 34 könnte sie aufnehmen. In Frauenstein waren es demnach 65 Kinder zum Stichtag, 70 seien möglich gewesen.

Nun liegen erste Planungen für zwei neue Kindereinrichtungen auf dem Tisch: Kosten für Frauenstein etwa 1,935 Millionen Euro, für Burkersdorf etwa 1,179 Millionen Euro. Auch wenn Fördermittel fließen, bleibe der Stadt ein Anteil von mehr als 900.000 Euro für den Frauensteiner Neubau und weitere 580.000Euro für den Burkersdorfer. "Grund der insgesamt hohen Kosten sind die umfangreichen Auflagen an Kindereinrichtungen", begründete der Bürgermeister.

Und so offenbarte er erste Überlegungen, lediglich eine neue Kita für beide Ortsteile neu zu bauen, aufgrund der einfacheren Fördermöglichkeit in Frauenstein. "Das hat eine rationale und eine emotionale Ebene", erklärte Hentschel mit Blick auf Kosen, aber auch Fahrwege für die Burkersdorfer, Stärkung des ländlichen Raumes und Attraktivität der Stadtteile.

"Man sollte in die Überlegungen zur Kita Burkersdorf auch die leerstehende Schule im Ort einbeziehen", gab Stadtrat Horst Schneider (CDU) zu bedenken. Elternvertreterin Nancy Neubert machten sich in der Fragestunde stellvertretend für Eltern ebenfalls für den Burkersdorfer Standort stark. Vieles spreche für Burkersdorf, da beispielsweise Spielplatz, Sporthalle und Sportplatz nahe seien. "Die Schule ist in Frauenstein, alle müssen fahren - warum nicht auch nach Burkersdorf", stellte sie die Frage. Außerdem sprach die junge Mutter das Problem fehlenden Baulandes im Stadtteil Burkersdorf an. Dann würden auch junge Familien angelockt, sagte sie.

Doch auch Eltern aus Frauenstein sprachen sich für den Standort aus. So seien auch Kinder aus Hartmannsdorf und Reichenau in der Einrichtung, zudem habe Frauenstein einen Krippenneubau erhalten.

Für Stadtrat Volker Preußler (Allgemeine Freie Wählergemeinschaft) war die Fülle der Themen und Informationen am Montagabend im Stadtrat Grund, "erst einmal alles sacken zu lassen", wie er sagte. Da zu den Kitas auch keine Beschlussfassung vorgesehen war, stimmten ihm weitere Stadträte zu.


Kommentar: SchwererEntscheid

In der Debatte um eine oder zwei neue Kindereinrichtungen im Stadtgebiet Frauenstein wurden am Montagabend im Stadtrat schnell Erinnerungen wach: an den lange zurückliegenden Streit um den Grundschulstandort. Nun steht die Stadt vor einer neuen Herausforderung - und Entscheidung. Das knapp bemessene Geld im Haushalt wird sie bestimmen.

Viel ist geworden in jüngster Zeit, von Schulsanierung über Straßenbau, Sanierung einer Trauerhalle, ein Feuerwehrdepot wird ebenfalls erneuert, doch die Aufgabenliste ist weiterhin lang.

Etwas einfacher wäre die Situation sicherlich, müsste nicht Frauenstein im Jahr 2022 auch noch insgesamt 746.000 Euro als Anteil für eine riesige Baumaßnahme an den Wasserzweckverband Freiberg zahlen. Geld, das anderswo dringend nötig ist - wohl am wichtigsten für die Jüngsten der Stadt. Denn die Situation in den Kinderhäusern ist nicht neu. Doch was soll die Stadt tun? Die nun vorgestellten Varianten sind ein Denkanstoß - der bald anstehende Entscheid könnte einem Stadtteil wehtun.

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