Eltern wollen Klarheit zu künftiger Kitabetreuung

In Frauenstein ist ein Streit um kürzere Öffnungszeiten in den Einrichtungen Nassau und Burkersdorf entbrannt. Eine Lösung muss her.

Frauenstein.

Die Sorge von Eltern in den Frauensteiner Stadtteilen Nassau und Burkersdorf ist groß: Sie bewegt die Frage, ob die Öffnungszeit in den beiden Kindereinrichtungen früh morgens und am späten Nachmittag gekürzt wird. Der Grund: Nur etwa zwei Kinder besuchen in der Zeit die Kita. Nach heftigen Debatten in der Stadtratssitzung Anfang Dezember zwischen Eltern, Stadträten und Verwaltung soll das Thema am Montag erneut angesprochen werden. "Wir wollen gemeinsam nach einer Lösung suchen", sagt Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos).

Die Eltern werfen ihm schlechte Kommunikation vor. Er hatte einen Brief des DRK, der seit September in der Verwaltung liegt, erst Anfang Dezember im Stadtrat vorgestellt. Das DRK macht Kosten von 40.000 Euro wegen angefallener Überstunden in den beiden Kitas gegenüber der Stadt geltend. Um das künftig zu vermeiden, sollen die Öffnungszeiten auf den Prüfstand. "Die Elternräte sind in die Überlegungen nicht einbezogen worden", kritisiert unter anderem Andreas Glöckner, Elternvertreter aus Nassau.

Das Kostendefizit entstand nach den Worten von Carola Engelbrecht, beim DRK zuständig für soziale Einrichtungen und Kitas, weil beispielsweise bei der Betreuung morgens und nachmittags der im Kitagesetz benannte Personalschlüssel nicht eingehalten wird. Laut Schlüssel betreut eine Erzieherin 5 Krippen- beziehungsweise 12 Kindergartenkinder. Personal- und Sachkosten der Einrichtungen werden durch die Stadt Frauenstein, den Landeszuschuss, durch Elternbeiträge und den Eigenanteil des Trägers aufgebracht. Wer aber trägt nun die Mehrkosten?

Frauensteins Bürgermeister hatte im Stadtrat eine mögliche Verkürzung der Öffnungszeiten morgens um jeweils 15 Minuten und nachmittags um zwischen 30 und 45 Minuten angesprochen. Die betroffenen Eltern aber haben Angst, ihren Job zu verlieren. Die Kinder würden frühzeitig in die Kita gebracht oder müssten nachmittags lange bleiben, da die Eltern nach der Arbeit Fahrtwege absolvieren müssen. "Da ist die Zeit schon knapp berechnet", erklärte eine Mutter. Laut Carola Engelbrecht haben die Eltern in Burkersdorf ausnahmslos 9-Stunden-Betreuungsverträge für ihre Kinder abgeschlossen. "Die werden auch eingehalten", sagt sie. Während vorwiegend zwei Kinder morgens ab 6 beziehungsweise 6.15 Uhr betreut werden und zeitiger abgeholt würden, kämen andere später, müssten jedoch länger bleiben. "Das Problem in kleineren Einrichtungen ist wegen des Personalschlüssels generell schwierig", räumt sie ein. In Nassau sind derzeit 25 Kinder, in Burkersdorf 18 angemeldet. Es sei nicht absehbar, dass die Kinderzahl sich weiter erhöhe.

Die Elternräte haben nun einen Brief an die Stadt verfasst und fordern, wie gesetzlich verankert, ihr Mitspracherecht ein. Gemeinsam mit Stadtrat, DRK und Eltern will die Stadt nach einer Lösung suchen, verspricht der Bürgermeister.


Kommentar: Versäumtes aufholen

Es ist das altbekannte Problem des ländlichen Raumes. Junge Familien, die in Burkersdorf oder Nassau leben, sich fürs Dorf entschieden haben, nehmen so manchen Nachteil auf sich. Nicht nur die Wege zur Arbeit sind länger. Umso wichtiger ist es für sie, ihre Kinder ausreichend lange betreut zu wissen. Umso schwerer wiegen deshalb die Sorgen, dass die beiden Kitas eher schließen sollen. Keine Mutter und kein Vater wird den eigenen Sprössling gern schon 6 Uhr morgens abgeben oder erst nach 16.30 Uhr aus der Kita abholen. Eine schwierige Situation für Eltern - ebenso aber für die Stadt Frauenstein, die zusätzliche Betreuungskosten für die sogenannten Randzeiten nicht mal ebenso abzwacken kann bei ihrer Haushaltslage. Doch auch das DRK will das Defizit nicht länger hinnehmen. Und nun?

Zunächst einmal ist wichtig, dass Transparenz herrscht zum gesamten Problem. Alle Betroffenen müssen an einen Tisch. Da gilt es, Versäumtes aufzuholen. Eine Lösung lässt sich nur gemeinsam finden. Schließlich sind Kinder die Zukunft - auch im Dorf.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...