Erinnerung an schöne Freiberger Jahre

Was macht eigentlich - Manuel Schöbel? Der ehemalige Intendant des Mittelsächsischen Theaters findet bei den Landesbühnen neue Herausforderungen - Jetzt ist er besonders gefragt.

Freiberg/Radebeul.

Ruhe kennt Manuel Schöbel nicht, zumindest nicht, wenn er im Dienst ist. Der geschäftsführende Intendant der Landesbühnen Sachsen, die gerade ihren 75. Geburtstag gefeiert haben, telefoniert, organisiert, redet, schreibt. In den vergangenen Wochen war es besonders schwierig, den Theaterbetrieb am Laufen zu halten. Die Corona-Pandemie verlangt viel. "20 Prozent unserer Arbeitszeit verbringen wir derzeit damit, Verordnungen zu lesen, Hygienekonzepte zu verfassen, Arbeitsprozesse umzustellen", sagt Schöbel, der von 2006 bis 2011 am Mittelsächsischen Theater die künstlerischen Geschicke leitete. Trotzdem schweiße diese schwierige Zeit zusammen. "Wir sprechen mehr miteinander, weil viel verändert werden muss", sagt Schöbel und entschuldigt sich, dass er schon wieder ans Telefon geht. "Wir hatten einen Plan für die begonnene neue Theatersaison, den wir komplett auf den Kopf stellen mussten." Große Opern oder andere opulente Inszenierungen wurden bereits bis Ende Dezember gestrichen. Nach den gestrigen Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin drohen jetzt wieder Wochen ohne Spielbetrieb.

Begonnen hatte das Theater seine Saison im kleinen Format, mit einem Marlene-Dietrich-Abend und Taboris "Mein Kampf", beides aus dem Frühjahr verschobene Premieren. Auch wenn Theater in diesen Zeiten immer ein Verlustgeschäft ist, so war der Intendant froh, dass wenigstens 50 Prozent der Plätze verkauft werden konnten. So lange die Geldgeber, im Fall der Landesbühnen der Freistaat als alleiniger Gesellschafter, zu ihrer Unterstützung stehen, funktioniert Theater noch.

Bei aller Last für die Kulturschaffenden und ihr Publikum: Schöbel sieht die Pandemie nicht nur als neue Erfahrung, sondern auch als Herausforderung mit anderen Aufgaben. So diskutierte der 60-Jährige in letzter Zeit oft mit dem Disponenten Ivo Anders, wie viele der Schauspieler pro Bus zu einer auswärtigen Spielstätte fahren dürfen, damit die Abstände noch eingehalten werden.

Bis vor kurzem hat auch in Rathen an der Elbe ein Theater-Zelt gestanden, als Ersatz für die Felsenbühne, die gerade Baustelle ist. Dem Ort in der Sächsischen Schweiz gilt derzeit das besondere Interesse Schöbels. Der Intendant trifft sich regelmäßig mit den Bauleuten und dem Architekten. Knapp zwei Jahre noch wird der Bühnenbereich umgestaltet, damit Schauspieler, Sänger und Musiker bessere Bedingungen haben. Ein Herzenswunsch von Schöbel. Auch, dass dort vor den Baumaßnahmen Sabine Eberts "Hebamme" inszeniert wurde. Eine Freiberger Autorin, die Schöbel aus seiner Zeit in der Bergstadt gut kennt. Überhaupt erinnert er sich gern an seine Arbeit dort, an die Vorstellungen in Freiberg und Döbeln, an die Vollmondnächte am Theater, Inszenierungen für den Hof von Schloss Freudenstein und die Seebühne Kriebstein, an Campuskonzerte, Theaterbälle mit Öffnung der Nikolaikirche und Auftritte beim Mittelsächsischen Kultursommer.

Die Betriebsabläufe damals wie heute ähneln sich. "Nur ist hier in Radebeul alles eine Nummer größer", sagt Schöbel. Die Landesbühnen spielen in mehr Orten. Hier müssen 232 Mitarbeiter unter einen Hut gebracht werden, am Mittelsächsischen Theater waren es etwa 170. Dass er manches Mal mit der damaligen Geschäftsführerin Christine Klecker und dem Aufsichtsrat einen Disput ausfechten musste, weil die finanziellen Mittel begrenzt waren, sei ganz normal in einem solchen Unternehmen. Auch, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Was bleibt, sei nicht Groll, sondern die Erinnerung an schöne Intendantenjahre. Dass das Theater als selbstständige Einrichtung in Mittelsachsen erhalten bleiben konnte, war für Schöbel vielleicht die größte Errungenschaft. Lange schwebten Fusionspläne und Schließungen im Raum. Als seine Zeit in Freiberg zu Ende ging, hatte er bereits den Sprung zu den Landesbühnen geschafft. Der Intendantenposten war dort gerade vakant, und Schöbel zur rechten Zeit zur Stelle. Die Zwischenzeit nutzte er, um an Rolf Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig zu arbeiten. Er schauspielerte unter der Regie seines Vaters Helfried. Ein Seitensprung, den er nie bereute. "Das enge Miteinander mit meinem Vater habe ich genossen in diesen Wochen", sagt er. Auch sein erwachsener Sohn war damals mit auf der Bühne. Eine schöne Zeit. Jetzt aber seien seine Aufgaben andere.

Eine große Eröffnungsparty für die neue Theatersaison gab es nicht. Für den Intendanten eigentlich die Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Die Gespräche werden sich jetzt erst einmal um den möglichen nächsten Lockdown für sein Haus drehen. Was wird mit Mitarbeitern, geplanten Premieren, gekauften Tickets? Denn selbst das angepasste Programm wird angesichts steigender Corona-Fälle voraussichtlich ab nächster Woche wieder auf Eis liegen. Bleibt bei all dem noch Zeit für Hobbies? Sein Hobby sei die Familie. "Ich begleite gerade zwei heranwachsende Kinder und nutze meine freie Zeit mit ihnen und meiner Frau. Das ist Hobby genug." Schon ist Schöbel im Nachbarraum verschwunden. Der Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros steht wieder mit Fragen vor der Tür.

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