Etwas fürs Herz: Schulleiterin spielt sogar Theater

Das Förderzentrum in St. Michaelis bietet seinen Schülern per Video nicht nur Lernstoff.

Brand-Erbisdorf.

Sie gratuliert den Geburtstagskindern, führt Interviews, spielt Schattentheater und winkt den Schülern mit dem jeweiligen Klassen-Kuscheltier zu und dankt ihren Kollegen: Ute Schnabel, die Leiterin des Förderzentrums "Clemens Winkler" im Brand-Erbisdorfer Stadtteil St. Michaelis, brilliert derzeit als Entertainerin. Per Video gibt sie den 75 Erst- bis Sechstklässlern mit emotionalen und sozialen Entwicklungsauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen so mit viel Herzenswärme einen gewissen Halt in der Coronazeit.

Als die Schüler am 13. März zum Zu-Hause-Lernen verabschiedet wurden, waren viele Kinder traurig, dass sie ihre Lehrer erst mal nicht mehr sehen. "Da habe ich zunächst mehr als Jux gesagt, dass ich mir etwas einfallen lasse", so Ute Schnabel. Doch aus dem Scherz wurde Ernst. Denn schon in der ersten Homeschooling-Woche mit verschiedenen Lern-Plattformen merkten Kinder und Lehrer, dass ihnen etwas fehlt: die Nähe. So entstand die Idee der Videos, die auch die Lehrerkollegen und der Schulförderverein Wirbelwind im sozialen Netzwerk Facebook posten. Fast täglich gibt es Neues aus dem Förderzentrum. Eine Facebooknutzerin schreibt: "Eine tolle Idee." Bei dem Minikino kommt die Unterhaltung nicht zu kurz. Wohl auch deshalb schauen sich nicht nur die Schüler des Lernzentrums die amüsanten Kurzfilme an. Zu den Knüllern gehört die Aufführung der Geschichte "Die kleine Schusselhexe" mit dem japanischen Erzähltheater Kamishibai, bei dem das Bühnenbild jeweils eingeschoben wird. Das Mini-Theater stellte die Stiftung Lesen zur Verfügung, die Kooperationspartner des Schul-Leseclubs ist. Wenn Ute Schnabel von der tollpatschigen kleinen Hexe erzählt, geht das richtig unter die Haut. Offenbar hat sich die Lichtenbergerin, die selbst eine passionierte Theaterbesucherin ist, einiges von den Profis abgeguckt. Kompliment.

Wie bringt man Schülern Goethes Ballade vom Zauberlehrling nahe? Ute Schnabel macht das auf ihre ganz eigene Weise. Sie nutzt ein Schattentheater, interviewt Hausmeister und Reinigungskraft und macht den Kindern so Lust aufs Einprägen der Strophen.

Bei den Schülern gut angekommen sind auch die Blicke in das leere Schulhaus und das winkende Faultier-Maskottchen, das die Rückkehr der Schüler herbeisehnt. "Jede Klasse hat ihr eigenes Kuscheltier. Die Kinder hängen daran", so Ute Schnabel. Sie will mit dem Minikino bis zum Ende der Corona-Pause weitermachen. "Mir macht es auch großen Spaß." Das sieht man den Videos an.


Projekt wird gefördert

Das Förderzentrum "Clemens Winkler" ist im bundesweiten Wettbewerb "Demokratisch Handeln" ausgewählt worden - wie weitere 66 Projekte. 330 Schulen und Vereine hatten sich beworben. Eingereicht wurde das Projekt "Was geht mich die Geschichte an?" vom Ganztagsangebot. Dabei setzen sich Fünf- und Sechstklässler mit dem Holocaust auseinander. So besuchten sie das frühere Konzentrationslager Sachsenburg und studierten mit Sergio Raonic Lukovic und weiteren Mitarbeitern des hiesigen Theaters eine Szene aus der Theresienstadt-Oper "Brundibár" ein. Am Sonntag wollten die Schüler mit Landrat Matthias Damm zur Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des einstigen KZ Flossenbürg fahren. Diese musste allerdings coronabedingt abgesagt werden. (hh)

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