Fast 500 Lehrstellen noch unbesetzt

Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt: Zahlreiche Branchen melden freie Plätze. Gastronomen suchen neue Wege, um den dringend benötigten Nachwuchs zu finden.

Freiberg/Chemnitz.

Metallberufe, Energietechnik, Lebensmittel- und Genussmittelherstellung, Sanitär, Heizung-, Klimatechnik und Gastronomie sind die Branchen mit den meisten freien Lehrstellen in Mittelsachsen. "Bei nahezu 500 unbesetzten Ausbildungsstellen gibt es sehr gute Möglichkeiten, kurzfristig eine Ausbildungsstelle zu erhalten", wirbt Susan Heine, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freiberg. Im September ist Ausbildungsbeginn, allein im August sind noch mehr als 160 Lehrstellen besetzt worden. Dennoch sind noch 183 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag und 491 der ursprünglich über 1680 gemeldeten Plätze sind unbesetzt.

Mädchen und Jungen ohne Ausbildungszusage rät Agentursprecherin Stefanie Ebert dringend, in die Offensive zu gehen und Kontakt zu Berufsberatern aufzunehmen. Zwar stünden die Chancen auf den ersten Blick sehr gut. "Dennoch passen Berufswunsch und Ausbildungsangebot nicht immer zusammen", so Ebert. Während in Branchen wie der Gastronomie der Bedarf hoch ist und die Nachfrage gering, bewerben sich andererseits zu viele Jugendliche um Lehrstellen in begehrten Berufszweigen: So gibt es beispielsweise für Ausbildungen zu Sekretären oder Sekretärinnen sowie in der Fahrzeug-Luft-Raumfahrt- Schiffbautechnik bis zu doppelt so viele Bewerber wie freie Plätze.

Von solchem Andrang kann Franziska Luthardt, die Chefin des Hotel- und Gaststättenverbandes in der Region Chemnitz-Südwestsachsen, nur träumen. "Die Branche gilt für viele junge Leute als nicht sexy, weil vor allem die Arbeitszeiten sie abschrecken." Während ihre Freunde sich im Biergarten treffen, steht der Kochlehrling in der Küche und brät die Schnitzel dafür, berichtet sie von den landläufigen Vorbehalten junger Leute.

Die geringe Nachfrage registriert auch die Arbeitsagentur. Von 48 angebotenen Ausbildungsplätzen in der Hotellerie und Gastronomie für Mittelsachsen sind laut Ebert noch 17 unbesetzt - für diese Plätze sind keine Bewerber mehr in Sicht.

Während die Arbeitsagentur Ausbildungsmessen und Telefonaktionen vorbereitet, plant der Branchenverband Dehoga zusätzlich Vor-Ort-Aktionen in den Schulen, um speziell für eine Lehre im Hotel- und Gaststättenwesen zu werben. Geschäftsführerin Luthardt erwägt Kooperationen, damit Branchenvertreter in Schulen ihre Arbeit vorstellen. "Denn sie können auch auf viele Vorteile verweisen, darunter freie Tage und Freizeit, während andere im Büro sitzen." Außerdem verweist sie auf für die Branche mögliche Wanderjahre und interessante Auslandseinsätze. Allerdings müssten sich vor dem Hintergrund des dringend benötigten Nachwuchses alle bewegen - Ausbildungsbetriebe und Interessenten: "Unsere Branche braucht Leute. Die Mathe-4 auf dem Zeugnis muss nichts über vielleicht hervorragende Fähigkeiten in der Küche aussagen", will die 34-Jährige wach rütteln. Und auch familienfreundliche Lösungen seien immer findbar, so Luthardt: "Wo ein Wille ist, ist ein Weg. So haben Hoteliers Lösungen gefunden, wenn eine junge Frau nicht mehr spätabends als Hausdame arbeiten kann, weil sie Mutter geworden ist. Dann kann sie vormittags arbeiten: Besser zeitweise eine gute Kraft als niemanden." (grit)

Unter dem Motto "Schule macht Betrieb" präsentieren Mittelsachsens Ausbildungsmessen gut 200 regionale Unternehmen, die Nachwuchskräfte suchen: 10. September Mittweida, Sporthalle "Am Schwanenteich". 17. September Freiberg, Deutsches Brennstoffinstitut, 24. September Döbeln, Sport- und Freizeitzentrum "WelWel". Jugendliche auf der Suche können am 6. September (9 - 18 Uhr, Telefon 03731- 489 119) einen Berufsberater bei einer Telefonaktion anrufen.

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