"Fred" fährt schwere Last durch Freiberg

Die TU testete erstmalig Lastenfahrräder, die 2022 in Freiberg in Betrieb gehen sollen. Ein Favorit zeichnete sich bereits ab.

Freiberg.

In Großstädten kommt man zumeist schnell und unkompliziert mit Bus und Bahn von A nach B. In kleineren Städten wie Freiberg bietet der ÖPNV hingegen häufig begrenzte Möglichkeiten. Um die Flexibilität der öffentlichen Verkehrsmittel zu erweitern, möchte die TU Freiberg benutzerfreundliche Lastenfahrräder entwickeln, die schon in zwei Jahren an mehreren Stationen in Freiberg unkompliziert ausgeliehen und gefahren werden können. Am Dienstag hat die Universität erstmalig vier verschiedene Prototypen der Lastenfahrräder auf Benutzerfreundlichkeit und Fahrgefühl getestet.

Enge Gassen, Hügel und Kurven - die Räder sollen für alle Verkehrssituationen geeignet sein. Angehörige des Instituts für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung (IMKF) haben deshalb mehrere Parcours auf dem Campus aufgebaut, die möglichst realistische Fahrsituationen in Freiberg widerspiegeln. Diese haben die insgesamt 20 Probanden der Universität mit vier verschiedenen Lastenfahrrädern, jeweils einmal mit 25 Kilogramm Ladung und einmal ohne zusätzliche Last, durchfahren. In der Realität könnten solche Räder beispielsweise den Transport von Einkäufen oder Reisegepäck erleichtern.

Getestet wurden zwei zweirädrige und zwei dreirädrige Lastenfahrräder, zum Teil mit elektrischer Tretunterstützung. Die Beladung der zweirädrigen Pedelecs fand einmal vorn vor dem Lenker statt und einmal auf zwei Ebenen zwischen Sattel und Hinterrad. Ladebereiche der Räder, die hinten ein und vorn zwei Räder haben, waren vor dem Lenker und vorn in der Gabel, vergleichbar mit einer Sackkarre. "Alle vier haben unterschiedliche Eigenheiten, lassen sich anders beladen und unterschiedlich fahren", sagt Teilprojektleiter Dr. Ringo Nepp vom IMKF.

Laut Nepp kam im Testdurchlauf vor allem das Zweirad mit zwei hinteren Beladungsebenen gut an. Auf der unteren Ebene können schwere Lasten untergebracht werden, oben leichtere. "Die Probanden kamen gut damit zurecht, sie fühlten sich wie auf einem normalen Fahrrad", so Nepp. Mitarbeiter der TU Chemnitz haben die Probanden durch die Stationen begleitet und mittels Fragebögen die Einschätzungen zur Bedienbarkeit erfragt. Die Auswertung der erhobenen Daten, die ebenfalls an der TU Chemnitz erfolgt, wird zeigen, welcher Prototyp am besten abschneidet.

Im weiteren Projektverlauf arbeiten die Forscher der TU Freiberg dann an der Optimierung dieses Prototypen, sodass sie im nächsten Jahr weitere Tests durchführen können. "Wir wollen, dass die Freiberger sofort möglichst perfekt mit den Fahrrädern umgehen können", so Nepp. Ein konkreter Name für das Mobilitätssystem steht derzeit noch nicht fest. Nepp sagt: "Wir haben dem Prototypen den Spitznamen Fred gegeben."

Ziel des Projektes "SteigtUM" ist es, Anfang 2022 die ersten zehn Lastenfahrräder in Freiberg in Betrieb zu nehmen, weitere zehn Räder sollen bis 2023 entwickelt werden. An mehreren Stationen in Freiberg, beispielsweise am Bahnhof und auf dem Campus, werden Verleih- und Ladestationen eingerichtet. Auch mit Freiberger Firmen, die sich möglicherweise am Projekt beteiligen möchten, sei man laut Nepp im Gespräch. Da die Räder nur an den entsprechenden Stationen ausgeliehen und abgegeben werden können, kommt es laut dem Teilprojektleiter nicht zu wahllos umherstehenden Rädern, wie man es beispielsweise aus Großstädten mit Elektrorollern kennt. Der Verleih soll über eine App laufen. Wie viel der Verleih kostet und wie die Benutzeroberfläche aussehen wird, steht entsprechend der aktuellen Phase, in der sich das Projekt befindet, noch nicht fest.

Die Forscher des IMKF hatten ursprünglich einen zweiten Testlauf der Prototypen am Mittwoch geplant, den sie aufgrund des Wetters absagen mussten. Laut Nepp genügen die Anzahl der Probanden und die erhobenen Daten jedoch aus, um sinnvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Am Projekt "SteigtUM" beteiligen sich neben der TU Bergakademie, die als Verbundkoordinator agiert, das Fraunhofer-Institut Dresden, die TU Chemnitz, die TU Braunschweig und zwei Firmen aus Freiberg und Hannover. Das 5,5 Millionen Euro schwere Projekt ist im Dezember 2019 gestartet und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Projektdauer beträgt 3,5 Jahre.

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