Götterdämmerung

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wenn man erst einmal auf dem Olymp ist, kann es nur noch bergab gehen.

Dieses Wochenende gelangen die Freiberger endlich dorthin, wo sie hingehören: Auf den Olymp. Jedenfalls jene, die es geschafft haben, eine Karte für den Bühnenball zu bekommen. Olymp und Hades - das ist übrigens keine Modekette. Wer das nicht weiß, sollte einmal in die Schule gehen. Zu dieser Jahreszeit öffnen ja hiesige Bildungsanstalten, im Jargon zum Beispiel "das Scholl" oder "das Cotta" genannt, ihre Türen. Nach erfolgtem Tag-der-offenen-Tür-Besuch hörte man ein Kind sagen: "Jetzt macht die Schule zu, damit die Kinder was lernen können!"

Doch es ist nun mal genauso wichtig, neue Schüler anzulocken. Und vielleicht hoffen die Schulen, dass sich nebenbei auch ein Lehrer zu ihnen verirrt und Lust bekommt, dort zu arbeiten. Denn an solchen Exemplaren mangelt es uns ja bekanntlich.


Manche Schüler aus der Region haben die Sache mit dem Lernen wohl schon aufgegeben. Stattdessen zogen sie am Freitag auf den Obermarkt, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Schuld sind natürlich wie immer die Lehrer. Sie haben den jungen Leuten nicht beigebracht, ihre Lage positiv zu sehen: Wenn es bald keine Bildungseinrichtungen mehr gibt, weil das Personal fehlt, dann macht es auch nichts, dass man wegen der klimawandelbedingten Überschwemmungen und Hitzewellen nicht mehr aus dem Haus kann.

Aber was soll's, es hat ja auch niemand vorgeschlagen, unsere Bildungspolitiker der vergangenen Jahre auf den Olymp zu erheben. Schei... wir halt auf die Bildung und tanzen auf dem Bühnenball, bis es den Göttern dämmert, dass sie das Land aus der Bildungsmisere retten könnten. Götterdämmerung - wer in Sachsen zur Schule gegangen ist, schlägt es bei Wikipedia nach - ist übrigens der vierte Teil von Wagners "Ring der Nibelungen". Den wird man sich beim Bühnenball allerdings nicht antun müssen. Da bräuchte man ja eine Dauerkarte.

Eines könnten wir Mittel-Sachsen uns dennoch von den griechischen Göttern abgucken: Ihre Lebenslust. Bei denen ging es immer hoch her und es wurde nicht wie beim nicht vorhandenen Brand-Erbisdorfer Stadtjubiläum erst diskutiert, ob es überhaupt einen Grund zum Feiern gibt. Man muss die Götter feiern, wie sie fallen, hieß es auf dem Olymp. Und Zeus war immer vorn dabei. (Allerdings: Wer würde heute noch Europa entführen wollen? Da muss man ja Angst haben, dass beim Ritt auf dem Stier ein paar Teile abfallen.)

Wir hier haben's mehr mit dem Kämpfen als mit dem Feiern. Zwar stimmt es nicht, dass wir gedanklich in der griechisch-römischen Antike stecken geblieben wären. Aber die gelockte Skulptur des römischen Kriegsgottes zeigen wir natürlich gerne im Stadt- und Bergbaumuseum. Ursprünglich wollte der Eigentümer sie ja verscherbeln, wer kauft allerdings schon eine einzelne Götterscherbe? Jetzt ist der Bronzeheld also auf Tour durch Sachsen und macht dabei Station in Freiberg, das ja auch als "Bronzestadt im Bronzerausch" bekannt ist. Der ursprüngliche Eigentümer kann die Statue allerdings nur von unten anschauen, falls sie jemand einmal schnell über die Straße trägt. Denn Kurfürst Christian I., der das Kunstwerk von dem Renaissance-Künstler Giambologna geschenkt bekommen hatte, liegt ja im Dom begraben.

Selbstverständlich müssen jetzt auch alle hiesigen Schulklassen einmal an dem römischen Kriegsgott vorbei defilieren. Einige Mädchen und Jungen sollen schon gefragt haben, wo denn nun der Snickers zu sehen sei. Man möge ihnen verzeihen. Die jungen Leute gehen seit zehn Jahren in Sachsen zur Schule und haben noch nie einen Lehrer aus der Nähe gesehen.

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