Großer Bahnhof in Rechenberg

Die Schule des Ortes hat nun einen eigenen Haltepunkt. Das freut nicht nur die Schüler. Eisenbahnfreunde sehen darin ein wichtiges Signal zum Erhalt der Strecke.

Rechenberg.

Heinz Lohse dürfte vielen aus dem Herzen gesprochen haben. "Das ist super. Die Bahn wird dadurch aufgewertet", bemerkte der Ortschronist, der von einem Hoffnungsschimmer sprach, dass auch in ferner Zukunft Züge zwischen Freiberg und Holzhau fahren werden. Noch zu Jahresbeginn galt der Fortbestand der Strecke als gefährdet. Als gestern ein neuer Haltepunkt nur gut 300 Meter von der Rechenberger Oberschule eingeweiht wurde, war davon keine Rede mehr.

Landrat Matthias Damm, Bürgermeister Michael Funke, Verantwortliche des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS) und der Freiberger Eisenbahngesellschaft waren genauso voll des Lobes wie Schulleiter Andreas Schmieder. "Es ist schön, dass es diesen Haltepunkt gibt." Mit diesem Satz zielte der Pädagoge zum einen auf die Schüler aus Lichtenberg und Mulda. Diese erreichen seit gestern rasch, bequem und ohne umzusteigen ihre Bildungsstätte. Geschätzt 100 der 275 Mädchen und Jungen, die in Rechenberg in zwölf Klassen von 24 Lehrkräften unterrichtet werden, profitieren von dem rund 161.000 Euro teuren Projekt. Zum anderen erleichtert der Haltepunkt unter anderem Tagesfahrten nach Freiberg. Schmieder verweist auf Besuche im Theater und von Experimentalvorträgen an der Bergakademie. "Auch das Sportfest feiert die ganze Schule immer in Freiberg."

"Das steigert die Sicherheit der Schulwege", ergänzte Landrat Matthias Damm. Auch Anwohner wie Ruth Kaltofen schätzen das neue Angebot. "Ich habe nun einen privaten Haltepunkt vor der Haustür."

"Das alles ist für uns sehr positiv", sagte Sandy Eyring. Die Schüler hätten jetzt kurze Wege zur Schule und nach Hause, so die Chefin der Freiberger Eisenbahngesellschaft, die die Strecke betreibt. Pro Tag fahren im Schnitt 500 Fahrgäste - darunter zahlreiche Pendler - mit einem der Züge, die im Stundentakt zwischen Freiberg und Holzhau verkehren; außer in den Ferien und am Wochenende, dann sind es alle zwei Stunden. Doch der Service wird sich, wie Eyring am Rande verriet, in absehbarer Zeit verbessern. Das Unternehmen will als Zielgruppe verstärkt Ausflügler und Familien in den Blick nehmen. "Ab Dezember 2019 wird am Wochenende im Stundentakt gefahren." Noch etwas konnte sie verkünden: Die Eisenbahngesellschaft darf ab 2020 die Strecke weiter betreiben. Eine Vertragsverlängerung mit dem VMS ist in trockenen Tüchern und gilt bis Juni 2024. "Das gibt uns Planungssicherheit." Auch für die Zeit danach möchte die Geschäftsführerin für den Fortbestand der Strecke kämpfen.

Ähnlich hält es Landtagsabgeordneter Steve Ittershagen. "Die Einweihung des Haltepunkts und die Vertragsverlängerung sind Meilensteine für den Erhalt der Bahn," sagte der Freiberger, der auch Sprecher der Initiativgruppe "Perspektiven zum Erhalt der Freiberger Muldentalbahn" ist. Ittershagen hegt große Pläne. Ein Lückenschluss zwischen Holzhau und Moldava soll her. 1947 fuhr das letzte Mal eine Bahn aus Moldava nach Rechenberg. "Die Gleise sind abgebaut, aber die Trasse ist vorhanden." (mit mer)

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