Großhartmannsdorf muss mehr für junge Frauen tun

Die Eigentumsquote ist hoch, die Natur nah. Doch der Anteil der Frauen zwischen 15 und 45 Jahren ist stark zurückgegangen. Zeit, aktiv und kreativ werden.

Großhartmannsdorf.

Wo es in den nächsten Jahren in Großhartmannsdorf lang gehen soll, ist zwar nicht in Stein gemeißelt, aber beschlossen. Einstimmig haben die Räte von Großhartmannsdorf für das Gemeindeentwicklungskonzept gestimmt. Karoline Behrens von der beauftragten Stadtentwicklungsgesellschaft stellte das Konzept, welches von Einwohnern und Gemeinderäten mitentwickelt wurde, in der jüngsten Ratssitzung vor.

Demnach punktet die Gemeinde etwa mit einer hohen Eigentumsquote, was sich positiv auf Wohndauer und Ortsverbundenheit auswirkt. Seit 2005 ist der Anteil an Kindern unter 6 Jahren stabil. Die Lage zwischen Freiberg und dem Erzgebirgskamm ist gut, die Voraussetzungen für Pendler dank Bundesstraße sind es auch. Es gibt ein aktives Vereinsleben, öffentliche Spielplätze sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen; Erholung findet man in Wald und Bad, Kultur im Mayoratsgut.

Doch ein Dorf funktioniert nur mit Menschen, die es mit Leben erfüllen. Seit dem Jahr 2000 ist die Bevölkerung in den vier Ortsteilen um ein Sechstel zurückgegangen. Vor allem fehlt es heute an jungen Frauen zwischen 15 und 45 Jahren, weil in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich viele Frauen weggezogen sind. Damit ist die aktuelle und künftige Elterngeneration dezimiert. Die Altersstruktur hat sich zugunsten älterer Jahrgänge verändert, heißt es in dem Papier.

Insgesamt umfasst das Zukunftskonzept 288 Seiten, beleuchtet den Ist-Stand der Gemeinde mit ihren vier Ortsteilen, listet Wünsche, Maßnahmen, Schwerpunkte und Prioritäten auf, die Einwohner und Gemeinderäte sowie Verwaltung zusammengetragen haben.

Aufgelistet istbeispielsweise, eine neue Turnhalle zu errichten oder die bestehende Turnhalle in Großhartmannsdorf auszubauen, die Raumkapazitäten in der Grundschule Mittelsaida zu erweitern, die Geruchsprobleme im Zusammenhang mit der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft in den Griff zu bekommen und die teils hohe Verkehrsbelastung an der Bundesstraße zu regulieren. Als Manko wurde auch erfasst, dass es zu wenig attraktive Arbeitsplätze in der Gemeinde und eine fehlende Nahversorgung in den Ortsteilen Mittelsaida, Niedersaida und Obersaida gibt. Zudem lässt der Breitbandausbau auf sich warten, und die Ortsteile, vor allem Niedersaida, sind schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Schwerpunkte für die Zukunft sind laut Konzept zum Beispiel: das Wohnungsangebot dem Bedarf anpassen, vorhandene Flächen und Gebäude nutzen, Gewerbeflächen erweitern oder neu schaffen, um Großhartmannsdorf für Unternehmer attraktiv zu machen und zu halten. Künftig muss der Gemeinderat Prioritäten festlegen. Was praktisch umgesetzt werden soll, muss im Haushaltsplan des jeweiligen Jahrs festgelegt werden, erklärte Bürgermeister Werner Schubert.

Umfrage Warum leben Sie in Großhartmannsdorf? Was schätzen Sie an dem Ort? Und was würde dem Ort gut tun, damit mehr junge Frauen und Familien bleiben? Schreiben Sie uns an red.freiberg@freiepresse.de.

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