Händler proben den Aufstand gegen weitere Edeka-Ansiedlung

Bei einer Versammlung des Gewerbevereins haben die knapp 40 Anwesenden ihrer Chefin einmütig den Rücken gestärkt. Nun wollen sie die Stadträte dazu bewegen, die Pläne zu überdenken. Dafür gibt es verschiedene Ideen.

Freiberg.

Falls Edeka seine Pläne verwirklicht und an der Leipziger Straße in Freiberg einen Großmarkt errichtet, befürchtet die etablierte Händlerschaft starke Konkurrenz und damit eine Verödung der Innenstadt. Das ist bei einer Versammlung des Gewerbevereins am Mittwochabend im Hotel "Freyhof" deutlich geworden. Der Einladung des Vorstands waren knapp 40 Mitglieder gefolgt. Sie alle zeigten sich einig in ihrer Ablehnung des Projekts. Nun wollen sie die Stadträte dazu bringen, die Ansiedlung noch einmal zu überdenken.

Das Thema steht am Donnerstag kommender Woche erneut auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung. Bereits im Juli sollten die Räte über den Vorschlag der Stadt befinden, einen entsprechenden Bebauungsplan in Auftrag zu geben. Nach einer ersten Stellungnahme des Vereins damals wurde das Thema zurück in die Ausschüsse zur weiteren Beratung verwiesen. Nun will der Gewerbeverein dem Stadtrat vor der Sitzung eine neuerliche Stellungnahme zukommen lassen. Die Anwesenden am Mittwoch verständigten sich auf vier Kernforderungen.

Erste Forderung: Bevor einem weiteren Einzelhandelsprojekt zugestimmt wird, soll erst ein neues Einzelhandelskonzept vorliegen. Die aktuelle Grundlage für die Einzelhandelspolitik der Stadt Freiberg stammt aus dem Jahr 2009. Rechtsamtschef Jörg Woidniok hatte den Händlern zu Beginn der Sitzung zugesagt, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre ein neues Konzept erarbeitet werden könnte. "Ich warne auch davor, davon Wunderdinge zu erwarten", sagte Woidniok. Ein solches Konzept sei sehr aufwendig und teuer und könne deshalb nicht alle zwei, drei Jahre erstellt werden.

Als die Vertreter der Verwaltung die Sitzung bereits verlassen hatten, argumentierte die Gewerbevereinschefin Anke Krause, Händler zahlten auch Steuern und könnten auf ein aktualisiertes Einzelhandelskonzept pochen. Punkt zwei ihres Forderungskatalogs: Ein unabhängiges Verträglichkeitsgutachten, für das nicht Edeka, sondern die Stadt die Kosten trägt. Drittens sollte der Edeka-Markt, wenn er überhaupt kommt, auf eine Verkaufsfläche von 800 bis 1000 Quadratmeter begrenzt werden. Die aktuellen Planungen sehen den Bau auf einer Gesamtfläche von 13.000 Quadratmetern mit einer Verkaufsfläche von 2000 Quadratmetern vor. Das Einkaufszen-trum Häuersteig habe 19.000 Quadratmeter, verdeutlichte Krause die Dimension der Neubau-Pläne. Viertens, sagte sie, dürfte an der Leipziger Straße maximal Lebensmitteleinzelhandel zugelassen werden.

Das fragliche Gelände an der Leipziger Straße betrifft eine ehemalige Baumschule. Schräg gegenüber hat Aldi vor Jahren eine Filiale aufgegeben. Seitdem fordern Anwohner einen Nahversorger in ihrem Gebiet. Vor wenigen Wochen bestätigte Penny, die einstige Aldi-Filiale zu übernehmen und dort Anfang 2019 einen Markt zu eröffnen. Beim Bürgerdialog letzte Woche hatten viele Bürger zum Ausdruck gebracht, dass es ihnen vor allem darum gehe, wieder einen Markt in ihrer Nähe nutzen können. Manche begrüßten explizit Edeka, andere äußerten Vorbehalte wegen möglicher Lärmbelastungen. Die Größe des Projekts kam nicht zur Sprache. Ein Sprecher des Projektentwicklers wollte gegenüber der "Freien Presse" im Frühjahr mit Blick auf das "laufende Verfahren", das "ergebnisoffen" sei, keine Details zu dem Vorhaben bekanntgeben.

OB Sven Krüger (SPD) sagte beim Bürgerdialog, die Stadt sei neutraler Schiedsrichter bei der Bewertung der Pläne. Er verdeutlichte, dass im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens die Pläne detailliert ausliegen und jeder Freiberger eine Stellungnahme abgeben könnte, die dann auch im Genehmigungsverfahren berücksichtigt werde.

Darauf allein wollen die Händler nicht vertrauen. Sie verabredeten sich, bei der Stadtratssitzung persönlich zu kommen. "Wir sollten jede Möglichkeit nutzen, Einfluss zu nehmen - sonst haben wir es verspielt", appellierte Andrea Gerlach von der gleichnamigen Goldschmiede. "Wir wissen alle, dass die Kundenfrequenz in den letzten Jahren rückläufig ist." Sie verstehe die Stadtoberen bei der Edeka-Frage nicht, sagte sie. "Wir haben viel Geld in die Sanierung der Altstadt gesteckt. Wenn jetzt Besucher kommen, sagen sie: Ihr habt eine tolle Stadt. Aber wo sind die Menschen?"

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1Kommentare
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  • 1
    1
    franzudo2013
    31.08.2018

    Das ist buergerschaftliches Engagement vom Feinsten. Der Initiativgruppe wuensche ich maximalen Erfolg. Die Stadtverwaltung sollte erkennen, dass sie für ihre Bürger da ist und nicht für die nordbayrische Edeka - Gruppe, die den Hals nicht voll kriegen kann.



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